|
Samstag:
Bundesligastart der TG Saar Von Roland
Schmidt
Den 27. November 2010 haben sich die Turner der TG Saar in ihren
Terminkalendern dick angestrichen. Denn just an diesem Tag
treffen sich in der Berliner Max-Schmeling-Halle die besten
Kunstturnerinnen und Kunstturner Deutschlands, um ihre Deutschen
Mannschaftsmeister zu küren. Und wie in den Jahren 2007 und 2009
wollen die Saarländer beim Endturnier der Deutschen Turnliga
natürlich mit von der Partie sein. Unvergessen ist das
Finale 2007 in Heidelberg. Vor 1000 Zuschauern
lieferte das Team von Trainer Viktor Schweizer dem SC Cottbus in
der Rhein-Neckar-Halle einen echten Turn-Krimi. Nach fünf von
sechs Geräten lag die TG Saar hinter de Rekordmeister nur ein
winziges Score-Pünktchen zurück. Erst am Königsgerät Reck fiel
die Entscheidung zu Gunsten des großen Favoriten. Meister der
Herzen für die 200 saarländischen Schlachtenbummler war die TG
Saar. 2009 qualifizierte sich die Turngemeinschaft dann erneut
fürs Finale, das nun wieder mit vier Mannschaften ausgetragen
wurde. Im Kampf um Bronze unterlag die Truppe um Top-Scorer
Eugen Spiridonov dem Turn-Team Stuttgart am Ende wieder nur
knapp. Gold holte der KTV Straubenhardt mit Kunstturn-Superstar
Fabian Hambüchen.
Der amtierende Deutsche Mannschaftsmeister, so
die Einschätzung von TG-Saar-Aktivensprecher Thorsten Michels,
sei auch diesmal der erste Anwärter aufs „große Finale“. Grund:
Mit dem Russen Maxim Deviatkowski sicherte sich der
Titelverteidiger die Dienste des Mehrkampf-Europameisters 2007
und Champions-Trophy-Sieger 2009. Straubenhardts zweiter
Neuzugang, Andre Schaich vom Ligarivalen Turn-Team Stuttgart,
zählt zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsturnern Deutschlands.
Ein heißer Titelanwärter ist aber auch der SC Cottbus, der der
Übermannschaft aus Bayern gefährlich werden könnte. „Wir wollen
wieder am Endturnier teilnehmen, aber es hängt sehr viel davon
ab, ob wir verletzungsfrei durch die Runde kommen. Unser Kader
ist personell sehr dünn“, äußert sich Viktor Schweizer zu den
Zielen seines Teams mit verhaltenem Optimismus.
Die Rivalen der TG Saar im Kampf um ein Berlin-Ticket sind Hannover, München,
Stuttgart und Chemnitz. „Die Mannschaften stehen dichter
zusammen als im vergangenen Jahr. Trotzdem peilen wir Bronze
an“, sieht Thorsten Michels realistische Chancen für eine Reise
in die Bundeshauptstadt. Doch es existieren zwei Handicaps, die
der TG Saar im ersten Saisonabschnitt zu schaffen machen
dürften: Max Rupp und Stepan Gorbatchev werden bei den ersten
Wettkämpfen im Frühjahr verletzungsbedingt nicht starten. Rupp
laboriert an einer Wirbelsäulenverletzung, Gorbatchev will nach
seiner Fuß-Operation im Dezember ebenfalls bis zum Herbst
warten. „Wenn die anderen gesund bleiben, sind wir
konkurrenzfähig. Verletzt sich ein Leistungsträger, wird es
natürlich eng“, stimmt Michels seinem Trainer zu. Neu im Team
ist Tobias Matzke. Der jüngere Bruder von Boden- und
Sprung-Spezialist Philipp Matzke soll hauptsächlich am
Pauschenpferd zum Einsatz kommen. Ansonsten setzt Schweizer
wieder auf seine bewährte Riege um Nationalturner Eugen
Spiridonov. Mit seinem Sieg beim National-Team-Cup demonstrierte
der 27 Jahre alte WM-Bronze-Medaillengewinner von Stuttgart
bereits seine bestechende Frühform. „Ich werde für die TG Saar
alles geben und freue mich, dass es endlich los geht“, sagt
Spiridonov. Waldemar Eichorn wird fünf Geräte turnen. Thorsten
Michels steht für drei Geräte bereit. Der Usbeke Anton Fokin
(Sechskampf) und der Kazache Stepan Gorbatchev (Mehrkampf)
werden sich das Ausländerstartrecht teilen.
19 europäische Spitzenturner aus
12 Nationen und 85 deutsche Athleten werden für die acht Teams
in der 43. Bundesliga-Saison an die Geräte gehen. Kunstturnen
auf internationalem Niveau dürfte also bei den vier Heimkämpfen
der TG Saar in der Dillinger Kreissporthalle garantiert sein.
Auftaktgegner ist das Team des MTT Chemnitz mit Matthias Fahrig,
dem Silbermedaillen-Gewinner der EM 2009 in Mailand. „Wir wollen
das erste Duell vor eigenem Publikum gewinnen, um uns so eine
gute Ausgangsposition zu schaffen“, hofft Thorsten Michels dabei
auf die Unterstützung der Zuschauer. Das Highlight der Saison
ist aber zweifellos der Heimkampf gegen Meister Straubenhardt
mit Welt- und Europameister Hambüchen. Den 6. November 2010
sollten sich die saarländischen Kunstturn-Fans deshalb schon mal
vormerken. „Unser Team ist eine Spur stärker als beim letzten
Auftritt im Herbst. Mit Anton Fokin sind wir an den Ringen
wieder besser besetzt. Dort haben wir zuletzt zu viele Punkte
hängen lassen“, erwartet Thorsten Michels viele spannende
Duelle. Und sollte der Riege von Viktor Schweizer die
Qualifikation fürs „kleine Finale“ wirklich gelingen, so können
sich die Fans der TG Saar doppelt freuen. Allerdings dürften die
Plätze in den gecharterten Reisebussen Richtung Bundeshauptstadt
schnell vergriffen sein: Ein Finale der Geräteturn-Bundesliga in
der Weltmetropole Berlin - das ist zweimal eine Reise wert. |
|