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Das große Finale ist das Saisonziel

Von Mark Weishaupt (Saarbrücker Zeitung, 8. März 2019)

Eine neue Zeitrechnung beginnt. Wenn die TG?Saar an diesem Samstag um 18 Uhr in der Dillinger Kreissporthalle zu ihrem Saisonauftakt in der Deutschen Turn-Liga (DTL) den Aufsteiger TSV Pfuhl empfängt, dann soll eine neue Ära begründet werden. „Die Vorfreude ist riesig“, sagt Thorsten Michels, der Vorsitzende der TG Saar. Die alte Ära unter Trainer-Legende Viktor Schweizer, der mit 66 Jahren nun in den Ruhestand gegangen ist, währte 25 Jahre. Sein Nachfolger am Mattenrand heißt Eugen Spiridonov. Wobei – Mattenrand ist nicht korrekt. „Mister Zuverlässig“, wie Ex-Nationalturner Spiridonov wegen seiner Punktedienste genannt wird, wird weiter Zählbares für seinen Verein beisteuern, trotz seiner 36 Jahre. „Eugen macht als Turner weiter“, bestätigt Michels.

Dass der Neuanfang mit Spiridonov gelingt, daran hat Michels keinen Zweifel. „Wir wollen in das große Finale“, gibt er die Richtung klar vor. Und sein Optimismus scheint begründet, wenn man einen Blick auf die Athleten-Liste der TG Saar wirft. Mit der Verpflichtung von Nationalturner Lukas Dauser war der TG Saar Anfang Dezember 2018 ein echter Coup gelungen, schließlich ist der Wahl-Berliner einer der besten Turner Deutschlands und einer der Hoffnungsträger für die Heim-WM 2019 in Stuttgart sowie die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. „Er ist einer der besten deutschen Mehrkämpfer und ein Ausnahmekünstler am Barren“, lobt Michels. Dauser war zu haben, weil sich sein alter Verein, die KTV Obere Lahn, aus der DTL zurückgezogen hat.

Ähnliches gilt für Sebastian Krimmer, Neuzugang Nummer zwei – er kommt vom MTV Stuttgart, der wie Obere Lahn einen Rückzieher machte. Krimmer, der 2010 bei der WM in Rotterdam Bronze mit der Mannschaft gewann (an der Seite von Eugen Spiridonov), will mit seinem neuen Verein „um die Medaillen kämpfen“. Florian Lindner von Zweitligist TSV Monheim ist der dritte Neue. „Sebastian ist sehr erfahren und zuverlässig. Als ehemaliger Teamkapitän des MTV Stuttgart kann er direkt Verantwortung übernehmen“, erklärt Michels, „und Florian wird als absoluter Ringe-Spezialist unsere Schwächen an diesem Gerät ausgleichen und kann auch als Mehrkämpfer universell eingesetzt werden. Wir sind damit deutlich breiter aufgestellt.“ Alle drei Neuen werden sich am Samstag dem Publikum präsentieren. „Sie sind da, sie sind fit, und sie haben Bock“, sagt Michels und lacht.

Mit den „Alten“, die der TG Saar erhalten geblieben sind, hat Michels einen Kader zum Zungeschnalzen beisammen. Kleiner Wermutstropfen: Auf ihren ukrainischen Topstar Oleg Wernjajew, Barren-Olympiasieger von Rio 2016, muss die TG Saar in der ersten Saisonhälfte verzichten. „Oleg wurde noch mal am Fuß operiert“, berichtet Michels: „Er lässt auch die EM im April aus und konzentriert sich voll auf die WM in Stuttgart.“ Weiter zur Verfügung steht der starke Russe Nikita Nagornyy. Dazu gesellt sich Nationalturner Felix Remuta (Michels: „Er hat noch mal einen Sprung nach vorne gemacht“), und auch Waldemar Eichorn, der beste Punktesammler der letztjährigen DTL-Saison, hängt eine weitere Saison dran. Ivan Bykov, Luca Ehrmantraut, Philipp und Tobias Matzke, Boris Jung und Ringe-Altmeister Sergei Charkov komplettieren das Aufgebot, das den Konkurrenten Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Aber bei aller Qualität – ein Selbstläufer wird die Saison nicht. „Andere haben sich auch verstärkt“, sagt Michels: „Auf uns warten einige harte Gegner.“ Michels Top-Favorit auf den Titel ist der KTV Straubenhardt, auf dem Zettel hat er außerdem den Siegerländer KV und den TV Wetzgau, „und der SC Cottbus ist immer für eine Überraschung gut“. Was der SC mit seinem 37:30-Coup am vergangenen Wochenende gegen Wetzgau schon bewies. Die TG Saar will auf solch eine unliebsame Überraschung am Samstag gegen Aufsteiger Pfuhl gerne verzichten.