22.03.2010

Erster Etappensieg auf dem Weg nach Berlin

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.03.2010

Kunstturn-Bundesliga: 52:20-Erfolg der TG Saar zum Saisonauftakt gegen Chemnitz/Halle Fokin beeindruckt

Von SZ-Mitarbeiter Klaus Kalsch


Mit einer beeindruckenden Vorstellung schafften die Bundesliga-Turner der TG Saar am Samstag in Dillingen einen 52:20-Erfolg gegen das Mitteldeutsche Turnteam. Anton Fokin war bester Punktesammler für die TG.

Dillingen. Einen Saisoneinstand nach Maß feierten die Bundesliga-Turner der TG Saar am Samstagabend in der Dillinger Kreissporthalle. Beim 52:20-Erfolg gegen das Mitteldeutsche Turnteam Chemnitz/Halle kam von der ersten Übung an kein Zweifel auf, wer der Herr im Haus sein würde. Die rund 300 Zuschauer erlebten ein TG-Sextett, das wie aus einem Guss turnte. Fünf Geräte wurden gewonnen, lediglich an den Ringen (5:8) nahmen sich die Saarländer eine kleine Auszeit. Besondere Freude kam auf, als am Pauschenpferd erstmals seit langer Zeit das komplette Quartett seine Übung fast fehlerfrei durchturnte. Besonderen Applaus gab es dabei für Tobias Matzke, der erstmals in der Bundesliga zum Einsatz kam.
Star des Abends war jedoch Anton Fokin. Der 27-jährige Gastturner aus Usbekistan lieferte eine Weltklasse-Leistung nach der anderen ab. Am Ende hatte er 18 Punkte gesammelt so viele wie kein anderer. Eugen Spiridonov brachte es auf 16 Zähler, Waldemar Eichorn auf elf und Philipp Matzke auf sieben. Thorsten Michels blieb zwar ohne Zähler, doch sein Unentschieden am Barren gegen Matthias Fahrig, Deutschlands Turner des Jahres 2009, war weit mehr als ein Achtungserfolg. Fahrigs Leistung am Samstag rechtfertigte diesen Titel jedoch nur ansatzweise. Er gab das hinterher aber auch sehr selbstkritisch zu und attestierte der TG Saar einen hochverdienten Sieg. Seine Prognose:  Die werden das Finale in Berlin schaffen, wir werden Punkte gegen den Abstieg sammeln müssen. Rundum zufrieden war der TG-Saar-Cheftrainer Viktor Schweizer. Seine Bilanz:  Das war fast schon so, wie ich es mir vorstelle. Am kommenden Samstag müssen Schweizer und seine Jungs beim Aufsteiger Bayern München ran. Am Ostersamstag, 3. April, 18 Uhr, steht dann der nächste Heimkampf gegen den TV Wetzgau an.

 

 

    02.01.2010

Der Sport spielt (fast) die Hauptrolle

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 31.112.2009

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Ormesheim/Neunkirchen/Limbach. Preisfrage: Welchem Sportinteressierten Neunkircher sagt der Name Judith Schaly noch was? Zur Erinnerung: Judith Schaly war in den 80er Jahren eine der erfolgreichsten Sportlerinnen des TuS Neunkirchen. Insgesamt acht Mal war die heute 46-Jährige deutsche Meisterin im Jahn-Achtkampf.
Nächste Preisfrage: Wem sagt der Name Werner Matzke noch was? Zur Erinnerung: Werner Matzke war für die LSG Sbr.-Sulzbachtal einer der erfolgreichsten saarländischen Stab-Hochspringer. Vielfacher Saarland- und 1994 sogar deutscher Senioren-Meister. Judith Schaly heißt heute Matzke mit Familien-Namen. Beide haben zwei Söhne. Philipp (19) und Tobias (17). Die gehören beide zu den hoffnungsvollsten saarländischen Turnern. Eine der sportlichsten Familien des Saarlandes wohnt in Ormesheim.
Judith Matzke ist auch heute noch mitten drin in der saarländischen Turn-Szene. Als Leiterin der Turntalent-Schule an der Hermann-Neuberger-Sportschule bringt sie den fünf- bis achtjährigen Jungs aus dem ganzen Land die ersten turnerischen Feinheiten bei – vier Mal in der Woche. „Da sind ein paar richtig gute Talente dabei“, erzählt die 46-Jährige und außerdem, „wie groß die gemeinsame Freude ist, wenn wieder ein neues Teil perfekt sitzt.“ Das beurteilen zu können, hat sie sich hart erarbeiten müssen. „Denn wer Jungs trainiert, der muss auch als Frau in der Lage sein, die Übungen selbst vorzumachen.“ Auch am Reck, am Barren oder am Pauschenpferd. Dem C-Schein folgte bald die B-Lizenz. Mit der A-Lizenz als Kampfrichterin bei Herren-Wettkämpfen darf sie außerdem bis hin zu deutschen Meisterschaften ihre „Frau“ stehen. Längst ist Judith Matzke in der Männerwelt akzeptiert und geschätzt. Auch weil die Erzieherin in der Kindertagesstätte Ensheim offenbar ein gutes Händchen für die ganz jungen Talente hat.

Philipp Matzke


Sie war es auch, die ihre beiden Söhne mit „sanfter Gewalt“ zum Turnen gebracht hat. Eigentlich nachvollziehbar. „Doch Philipp wollte zunächst partout Fußballer werden“, erzählt sie. Beim TuS Ormesheim in der Jugend machte er auch seine ersten Gehversuche – sehr zum Kummer der Mama. Der kam es deshalb auch gar nicht ungelegen, dass Philipp und seine Kumpels „regelmäßig abgeschossen wurden“ – wie der sich noch gut erinnern kann. Judith war damals beim Turnverein Bliesransbach als Trainerin tätig. Oft mit Philipp im Schlepptau.
Und so kam es doch noch, wie es kommen sollte: Bernhard Leuck, der heutige Stützpunktleiter des STB in Dillingen, schnappte sich den kleinen Matzke und holte Philipp an die Sportschule. Der war damals acht, und von da an ging’s sportlich steil bergauf. Vor allem unter Cheftrainer Viktor Schweizer. Schon mit 16 turnte er in der Bundesliga für die TG Saar. Mittlerweile gehört Philipp, der nach dem Abi bei der Sportfördergruppe der Polizei eine Ausbildung macht, am Boden und beim Sprung deutschlandweit zu den Besten.
Ähnlich konsequent verlief auch die bisherige Laufbahn des 17-jährigen Tobias Matzke. Der musste mit zur Sportschule, wenn Bruder Philipp und Mama Judith dort trainierten. Und schwupp war er selbst dabei. Tobias’ bisher größter Erfolg liegt erst wenige Wochen zurück: Die zweite Mannschaft der TG Saar/TV Limbach schaffte unter Trainer Klaus Weber ungeschlagen den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Mit rund 70 Scorer-Punkten in sieben Kämpfen hatte der Schüler des Willi-Graff-Gymnasiums in Saarbrücken großen Anteil daran. Und steht wohl vor dem Sprung in die TG Saar-Erste. Weil Sprung und Boden auch seine Stärken sind – und im Gegensatz zum „großen“ Bruder – das Pauschenpferd. Von dem musste Philipp in der letzten Erstliga-Saison – wie übrigens etliche Kameraden auch – regelmäßig absteigen. Tobias war in der Regionalliga am Pferd ein zuverlässiger Punkte-Lieferant. Jetzt sind beide Matzke-Brüder bei den Planungen der Bundesliga-Riege der TG Saar eine feste Größe. „Beide haben noch großes Entwicklungs-Potenzial, wenn sie weiter so gut an sich arbeiten. Ich baue auf beide“, hält Viktor Schweizer fest. Dass beide auch weiter bei der Stange bleiben, dafür wollen Judith und Werner Matzke sorgen.
„Dieser ganze Aufwand ist zwar nicht immer leicht zu händeln, aber mit der nötigen Disziplin lässt sich alles einrichten“, sagt Werner Matzke. „Bei uns spielt der Sport halt fast die fast Hauptrolle“, ergänzt Judith Matzke, „das ist gut so, wir sind eine glückliche Familie.“ Und ihre drei Männer nicken zustimmend.

 

 

    15.12.2009

Zweite Liga, wir kommen

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 30.11.2009

Die Turner der TG Saar II haben am Samstag in Limburg eine erfolgreiche Saison mit dem Aufstieg in die Zweite Liga gekrönt. Im Qualifikationskampf gegen den KTV Heilbronn gelang ein klarer 42:24-Erfolg.
 

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Limbach//Limburg. Wenn Klaus Weber, der überaus kritische Trainer der Regionalliga-Turner der TG Saar II, seine Jungs mal so richtig überschwänglich lobt, dann muss was Besonderes passiert sein. So was wie am Samstag in der Heinz-Wolf-Sporthalle in Limburg. Vorneweg: Das mit der Regionalliga war mal – seit Samstag ist die TG Saar II Zweit-Bundesligist. Beim klaren 42:24-Sieg im Qualifikations-Kampf gegen den KTV Heilbronn ließ die Mannschaft um Kapitän Gerald Heil nichts anbrennen. Obwohl das Ergebnis deutlicher ausfiel als der Kampfverlauf.
Hinterher auf der Busfahrt nach Hause hat es Klaus Weber so zwar nicht gesagt, doch rauszuhören war’s doch: „Ich bin so richtig stolz auf euch.“ Darf er auch, denn der Aufstieg war der krönende Höhepunkt einer Bilderbuch-Saison mit insgesamt acht Siegen. Rund 50 Schlachtenbummler waren mit nach Limburg gefahren und dort wesentlich mit verantwortlich für die tolle Stimmung in der Halle. Bei der Veranstaltung qualifizierte sich auch die zweite Mannschaft des deutschen Meisters KTV Straubenhardt gegen den KTV Hohenlohe für die Zweite Liga (41:18). Und die Riege von Bayern München setzte sich im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg überlegen mit 61:18 gegen die TSG Grünstadt durch.
Zurück zur TG Saar II. „Wir haben einen prima Wettkampf geturnt“, bilanzierte Klaus Weber, unmittelbar nachdem Mark Quirin als letzter Turner des gesamten Turn-Abends in Limburg am Barren die letzten drei Punkte zum 42:24-Endstand geholt hatte. Doch so ganz konnte sich Weber ein bisschen Kritik doch nicht verkneifen. „Wir machen immer noch zu viele dumme Fehler“, stellte er nicht zum ersten Mal in dieser Saison fest.
Insgesamt jedoch hätten Gerald Heil, Marc Quirin, Stefan Sommer, Boris Jung, Tobias Matzke, Imanuel Bumb, Patrick Brutty, Waldemar Nagel und Manuel Baldauf eine tolle Saison hingelegt. Ganz besonders hatte Weber am Samstag jedoch den kleinen Oliver Waldbillig (Foto: SZ) ins Herz geschlossen. Der „Löwe aus Luxemburg“ war verletzt in den Finalkampf gegangen, startete trotzdem an fünf Geräten und war am Ende mit zehn Scorer-Punkten wieder mal der beste TG Saar-Turner. Natürlich war Oli hinterher der Held des Tages – nicht nur für seine weiblichen Fans.

 

 

Der Wettkampf begann optimal für die Saarländer mit 12:0 Punkten an den Ringen (Baldauf, Heil und Waldbillig je 4). Am Boden folgte beim 3:7 (Bumb 3) jedoch kurzfristige Ernüchterung. Nach dem 5:2 der TG am Reck (Brutty, Waldbillig je 2, Nagel 1) führten die Saarländer insgesamt mit 28:14. Als dann der Sprung zwar mit 4:7 verloren ging, aber Tobias Matzke mit seinen vier Punkten den Zwischenstand von 32:21 sicher stellte, war der Aufstieg fast schon in trockenen Tüchern. Die Gala-Vorstellungen von Nagel (3), Waldbillig (4) und Quirin (3) am Barren ließen dann bei den Fans auf der Tribüne alle Dämme brechen. „Für diesen Erfolg sind ganz viele Menschen verantwortlich“, hielt Klaus Weber auf der Heimreise fest. Nannte viele Namen, wie den seines Co-Trainers Kurt Heil, das „Mädchen für alles“ Cristof Weis, den Kampfrichter Rico Senni und, und, und – „vor allem die vielen Helfer, die bei den Heimkämpfen im Einsatz sind.“
Auch Kapitän Gerald Heil zog ein rundum positives Fazit: „Das ging nur, weil wir alle so prima zusammengehalten haben. So werden wir auch in der Zweiten Liga bestehen.“

 

 

    30.11.2009

Am Ende war einfach die Luft raus

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 30.11.2009

TG Saar verliert den Kampf um Platz drei der Turnliga 21:41 gegen Stuttgart

Die Bundesliga-Turner der TG Saar haben am Samstag in Karlsruhe das kleine Finale 21:41 gegen das Turnteam Stuttgart verloren. Die Niederlage war schnell verdaut. Ärger gab es mit der Organisation.

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Karlsruhe. Es sollte ein großes Fest mit den besten deutschen Turnern werden. Die gaben auch ihr Bestes. Dass die End- runde der vier stärksten Teams der deutschen Turnliga in der mit 4000 Zuschauern ausverkauften Europahalle in Karls- ruhe leider nicht das hielt, was man sich versprochen hatte, lag nur am organisatorischen Ablauf. Doch dazu später.

Aus sportlicher Sicht gab es nichts zu bemäkeln. Der neue Meister KTV Straubenhardt setzte sich gegen den SC Cottbus hochverdient mit 44:26 durch. Dritter wurde das Turn- team Stuttgart, das der TG Saar beim 41:21-Erfolg deutlich überlegen war. Die Saarländer suchten hinterher auch gar nicht nach Ausreden. „Das Ergebnis geht in Ordnung, die haben stabiler geturnt“, gab der TG Vorsitzende Paul Rupp zu. „Ich kann keinem einen Vorwurf machen, nicht alles versucht zu haben, aber am Ende war einfach die Luft raus“, hielt Trainer Viktor Schweizer fest. Die TG Saar konnte nur mit fünf Turnern antreten. Zudem waren Waldemar Eichorn und Stepan Gorbatchev angeschlagen. Zunächst sah alles nach einem knappen Ding aus. Nach dem Sprung führte Stuttgart nur 2:0. Auch nach den vier Zweikämpfen am Barren lag das Turnteam mit 9:6 vorne. Eugen Spiridonov (5) und Stepan Gorbatchev (1) hatten die ersten Punkte für die Saarländer erkämpft. Auch am Reck konnte sich kein Team absetzen. Eichorn und Spiridonov holten je zwei Zähler, fünf gab’s für die Schwaben zum 10:14. Nach der Pause wurden insgesamt acht Punkte am Boden vergeben, vier für jedes Team – 14:18. Dann fiel die Vorentscheidung – zu Ungunsten der TG Saar. Am Pauschenpferd gab es außer den beiden Punkten für Spiridonov nichts zu er- ben. Zwischenstand vor den Ringen: 17:29. Spätestens, als Eichorn dann beim Abgang auf dem Hosenboden landete und Thomas Andergassen Torsten Michels vier Zähler abknöpfte, war die Messe gelesen. Die vier Punkte, die Eugen Spiridonov als Letzter erturnte, waren lediglich noch Ergebniskosmetik.

 
Eugen Spiridonov war der beste Punktesammler der gesamten Turnliga-Saison.  Foto: Chen

Doch auch der wieder mal erfolgreichste TGS-Turner steckte die Niederlage locker weg: „Mehr war nicht drin, Gratulation an die Stuttgarter.“ Traurig war jedoch nicht nur Spiridonov darüber, dass der Veranstalter – die deutsche Turnliga – schlichtweg vergessen hatte, ihn als den besten Punktesammler der Saison zu ehren. „Das ist kein Stil“, machte Paul Rupp seinem Ärger Luft. Auch Trainer Viktor Schweizer war „fassungslos“. Als der Faux-Pas bemerkt wurde, saß Eugen Spiridonov fast schon im Bus nach Hause. Und Fabian Hambüchen im Hubschrauber zur Fernsehsendung von Stefan Raab. Dieser Auftritt des Superstars war wohl auch der Grund dafür, dass die Veranstaltung in der zweiten Hälfte gnadenlos durchgepowert wurde. Und am Ende fast alle die Orientierung verloren hatten – auch die rund 100 Fans aus dem Saarland.

 

 

    09.11.2009

Karlsruhe, wir kommen!

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 09.11.2009

Turnen: TG Saar steht nach dem 46:31 bei MTT Chemnitz in der Finalrunde

Zumindest das kleine Finale der Endrunde am 28. November in Karlsruhe haben die Turner der TG Saar erreicht. Nach dem 46:31-Sieg beim MTT Chemnitz sind sie mindestens Vierter der Turnliga.

Von SZ-Redakteur
Klaus Kalsch

Saarbrücken/Halle. Die Bundesliga-Turner der TG Saar haben ihr erstes Saisonziel erreicht. Ob es noch mehr wird, haben sie am 21. November selbst in der Hand. Gelingt dann im letzten Kampf vor eigenem Publikum in der Dillinger Kreissporthalle ein Sieg gegen den SC Cottbus, ist sogar das große Finale drin – vorausgesetzt, die Saarländer gewinnen auch vier Geräte-Wertungen. Auf jeden Fall aber dürfen sie am 28. November nach Karlsruhe, wo in diesem Jahr die besten Vier der Liga die Endrunde bestreiten. Die Voraussetzungen für die Teilnahme – zumindest am kleinen Finale – hat die Riege von der Saar am Samstag beim Mittel- deutschen Turn-Team Chemnitz/Halle geschaffen. Am Ende stand ein souveränes 46:31 auf der Anzeigentafel. „Das war mehr als verdient, weil wir ja doch ziemlich große Personalprobleme hatten“, erklärte Mannschaftssprecher Maximilian Rupp gestern. Dass es jedoch nicht ganz so dramatisch war wie am Freitag vor der Abfahrt nach Halle noch befürchtet, lag daran, dass Waldemar Eichorn trotz einer Handverletzung auf die Zähne biss. „Der Waldi ist ein Kampfschwein“, jubelte Eugen Spiridonov kurz nach Ende des Kampfes am Telefon. Eichorn startete an vier Geräten und holte acht „Scorer“-Punkte. Spiridonov turnte wie immer den kompletten Sechskampf und war – wie so oft schon – auch in Halle mit 20 Punkten Top-Punktesammler des Tages. Damit führt der Bouser nach sechs Wettkampftagen mit 88 Punkten auch die Liste der besten Turner der gesamten Liga mit zehn Zählern Vorsprung vor dem Straubenhardter Marcel Nguyen an. Auch Stepan Gorbatschov punktete bei seinen sechs Einsätzen gegen den MTT vier Mal für die TG Saar und trug mit insgesamt 15 Punkten zum Sieg bei. Die restlichen drei Zähler zum 46:31- Endstand holte Philipp Matzke beim Sprung. Jetzt fiebern alle dem Kampf gegen Cottbus entgegen. Aber niemand macht sich was vor. „Das wird unheimlich schwer, auch wenn Anton Fokin bis dahin fit sein sollte, aber wir werden alles versuchen“, verspricht Spiri- donov. „Gegen die Cottbuser vier Geräte zu gewinnen, ist normalerweise nicht möglich, aber auch im Turnen soll es ja Wunder geben“, gibt sich auch Maximilian Rupp realistisch. Klappt es nicht mit der Sensation, wäre im Kampf um Platz drei der Liga am 28. November wohl das Turn-Team Stuttgart der Gegner. Auch die zweite Mannschaft der TG Saar machte an diesem Samstag im Sportzentrum Erbach alles klar für die Relegationsrunde zur Zweiten Liga, die am 7. Dezember in Limburg ausgetragen wird. Beim 52:29 gegen den TSV Sulzbach verteidigten die Turner von Trainer Klaus Weber souverän die Tabellenführung in der Regionalliga Nord.

 

 

    16.05.2009

Turnen: TG Saar trifft auf Aufsteiger KTG Heidelberg

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 15.05.2009

Im letzten Kampf vor der Sommerpause wollen die Bundesliga-Turner der TG Saar am Samstag, 18 Uhr, in der Dillinger Kreissporthalle gegen den Aufsteiger KTG Heidelberg ihre Anwartschaft auf Platz zwei festigen.

Dillingen. Zum vierten Saison-Wettkampf erwarten die Turner der TG Saar am Samstag, ab 18 Uhr, in der Kreissporthalle Dillingen den Bundesliga-Letzten KTG Heidelberg. "Für uns geht es dabei darum, mit einer starken Leistung unsere gute Ausgangsposition als Zweiter auszubauen", sagt der TG Saar-Vorsitzende Paul Rupp. "Wir wollen unbedingt mit einem Heimsieg in die Wettkampfpause starten", verspricht TG-Turner Thorsten Michels, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren "und unserem Publikum einen tollen Heimwettkampf zu bieten". Paul Rupp warnt jedoch eindringlich davor, "den Aufsteiger aus Heidelberg auf die leichte Schulter zu nehmen und an seinem aktuellen Tabellenstand zu messen, weil die Heidelberger über eine sehr starke Riege verfügen".

Die hatten bei der Verpflichtung des Rumänen Flavius Koczi offenbar ein glückliches Händchen. Der führt nämlich nach drei Wettkampftagen mit 48 Punkten vor dem Chemnitzer Nationalturner Matthias Fahrig (43) die Liste der bisher erfolgreichsten Turner der Liga an. Dann kommt schon Eugen Spiridonov von der TG Saar mit 41 Punkten. Auf Spiridonov lastet am Samstag wieder mal der stärkste Druck, weil er wieder an allen Geräten ran muss.

Ein kleines Fragezeichen stand am Donnerstag noch hinter dem Einsatz von Waldemar Eichorn. Eine Fußverletzung könnte zumindest seine Auftritte am Boden und beim Sprung unmöglich machen. Zudem steht Ivan Bykov Cheftrainer Viktor Schweizer nicht zur Verfügung.

"Wie auch immer: Wenn wir wirklich das Finale im Herbst erreichen wollen, müssen wir unbedingt nicht nur den Kampf, sondern auch möglichst viele Geräte gewinnen", gibt der TG-Vorsitzende als Losung aus. Und baut dabei vor allem auch auf die beiden Gast-Turner Anton Fokin und Stepan Gorbatchev.

Die Heidelberger kommen mit dem Handicap, auf ihren Nationalturner Andreas Hofer verzichten zu müssen. Hofer hatte sich bei einem Trainings-Unfall am Boden in den USA schwer am Ellenbogen verletzt und fällt wohl für den Rest der Saison aus. Doch auch Thomas Seitel, Christian Rehfeld und Philipp Metzger "sind zusammen mit Koczi stark genug, um uns das Leben schwer zu machen", sagt Paul Rupp.

 

 

    23.04.2009

Fabian Hambüchen kommt nicht!

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 23.04.2009

Dillingen/Straubenhardt. Kommt er mit – oder bleibt er zu Hause? Das war bis gestern die Frage, die sich die Turnfans im Saarland stellten. Hier die Antwort: Er kommt nicht. Fabian Hambüchen, Deutschlands erfolgreichster Turner der vergangenen Jahre, wird am Samstag ab 18 Uhr nicht in der Riege des KTV Straubenhardt stehen, die in der Dillinger Kreissporthalle gegen die TG Saar turnt. Trainer Alexei Grigoriev liefert die Begründung: „Bei allem Verständnis für die Fans, die Fabian gern sehen würden: Nach der Europameisterschaft braucht er dringend eine Ruhepause. Außerdem haben natürlich die anstehenden internationalen Aufgaben wie die Champions-Trophy und die Weltmeisterschaften in London für ihn Vorrang."

Der 33-jährige Grigoriev hat erst am vergangenen Wochenende die Nachfolge des langjährigen KTV-Trainers Herbert Laupp angetreten. Der hatte mit der bärenstarken 66:17-Vorstellung seiner Mannschaft gegen den amtierenden deutschen Meister SC Cottbus einen Ausstand nach Maß. Cottbus war zum Saisonstart zwar ohne seinen Besten Philipp Boy angetreten. Doch auch mit ihm hätte der SC die Straubenhardter Halle wohl als Verlierer verlassen. Denn der KTV hat gleich im ersten Saisonkampf – auch ohne Fabian Hambüchen – seine Anwartschaft auf den zweiten Titel nach 2005 mit einer fast perfekten Mannschafts-Leistung unter Beweis gestellt. 2005 stand Alexei Grigoriev noch selbst in der Meister-Riege. Vier Jahre später plant der Russe selbstbewusst seinen ersten großen Coup als Trainer. Seine Prognose: „Von der Besetzung her sind wir der klare Favorit. Wenn meine Jungs die Doppelbelastungen National-Mannschaft und Verein vernünftig überstehen und von Verletzungen verschont bleiben, werden wir im Herbst zumindest das Finale erreichen.“


Das Team der Schwarzwälder ist nur so gespickt mit internationalen Top-Turnern. Neben Hambüchen gehören auch Marcel Nguyen und Thomas Taranu der deutschen Nationalmannschaft an. Auch der Ausländerplatz ist gleich mehrfach hochkarätig besetzt. Mit Marian Dragulescu (Rumänien), Niki Böschenstein (Schweiz) und Robert Gal (Ungarn) stehen dafür gleich mehrere Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften zur Verfügung. „Was uns natürlich auch taktisch schwer berechenbar macht“, freut sich Grigoriev.

Ein weiteres Pfund, mit dem er nach wie vor wuchern kann, heißt Sergej Charkov. „Der ist zwar schon 38 Jahre, aber immer noch die Zuverlässigkeit in Person“, lobt Grigoriev seinen Altmeister. Und der freut sich, unter den Zuschauern in der Kreissporthalle am Samstag mit Sicherheit jede Menge gute Bekannte zu wissen. Denn Charkow, der bis vor drei Jahren noch in Diensten der TG Saar stand, wohnt noch in Dillingen und trainiert auch dort. „Sergej ist eingefleischter Saarländer“, sagt der KTV-Trainer, „ich bin sicher, die Landsleute werden ihn freundlich begrüßen.“ Er weiß aber auch, dass die Halle wie ein Mann hinter der TG Saar stehen wird. Die zählt für ihn in diesem Jahr „mit Sicherheit zu den am stärksten besetzten Teams der Turn-Bundesliga“.

Grigoriev kann sich sogar „sehr gut“ vorstellen, „dass wir uns im Finale im Herbst noch mal sehen werden.“ Und sein Tipp für Samstag? „Wir wollen gewinnen. Doch dazu müssen wir wirklich alles geben.“

Der Wettkampf in der Dillinger Kreissporthalle beginnt am Samstag, 25. April, um 18 Uhr. Karten können unter info@tgsaar.de oder unter (0 68 81) 37 24 vorbestellt werden. Es sind auch noch Karten in allen Kategorien an der Abendkasse verfügbar.Klaus Kalsch

 

 

    20.04.2009

Spiridonov führt TG Saar zum Sieg

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 20.04.2009

Einen gelungenen Saisonstart lieferten die Bundesliga-Turner der TG Saar am vergangenen Samstag beim TV Wetzgau ab. Nach den sechs Geräten stand ein 52:32-Erfolg zu Buche. Dies vor allem dank der überragenden Leistung des Weltmeisterschafts-Dritten und Olympia-Vierten mit der deutschen Mannschaft, Eugen Spiridonov.

Der 27-Jährige, der in diesem Jahr aus beruflichen Gründen auf internationale Einsätze verzichtet, turnte in Wetzgau das komplette Sechs-Geräte-Programm und holte im Alleingang die Hälfte der Punkte der TG Saar. Er war nicht nur in Wetzgau bester Turner, sondern führt nach der Top-Leistung die Besten-Liste der Turnliga an.

Das Ergebnis fiel deutlicher aus, als der Wettkampfverlauf war. Denn es wurde nach den Erfolgen der Saarländer an Boden, Pauschenpferd und Ringen noch mal eng, als Wetzgau den Sprung für sich entscheiden konnte. Doch Spiridonov und Co. zeigten Nervenstärke und machten an Barren und Reck den erfolgreichen Saisonstart perfekt. Außer Spiridonov punkteten für die TG Max Rupp (6), Waldemar Eichorn (5), Anton Fokin (5), Thorsten Michels (4), Philipp Matzke (3), Stepan Gorbatchev (3). Eine positive Bilanz zog Trainer Viktor Schweizer: „Wir sind sehr zufrieden, wissen aber auch, dass wir noch Potenzial nach oben haben. Wir freuen uns auf die nächsten Aufgaben.“

Das dürfen auch Turn-Fans. Beim ersten Heimkampf am Samstag, 25. April, 18 Uhr, in der Dillinger Kreissporthalle kommt gleich ein Kracher. Der KTV Straubenhardt ist amtierender Meister und hat mit Fabian Hambüchen den deutschen Top-Turner in seinen Reihen. Ob er mit nach Dillingen kommt, stand gestern noch nicht fest. Zudem turnt Sergej Charkov für Straubenhardt. Der dreimalige Olympia-Sieger ging von 1995 bis 2007 für die TG an den Start. Der KTV besiegte den SC Cottbus zum Auftakt mit 66:17. kk
 

 

 

    07.04.2009

Eugen Spiridonov kennt keine Angst

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 07.04.2009

„Ich habe vor niemandem Angst – auch nicht vor Fabian Hambüchen“, sagt Eugen Spiridonov und lacht. Heute wird er 27 Jahre alt. Dass der erfolgreichste Turner der TG Saar seinen Geburtstag nicht mit der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft ab heute bis zum 5. April in Mailand verbringt, liegt daran, dass er 2009 zunächst mal sein Berufsleben auf sichere Füße stellen will. Auch auf die Weltmeisterschaft im Oktober in London verzichtet Spiridonov deshalb.

Als Sportlehrer mit einer vollen Stelle an der Johannes-Schule in Rohrbach bleibt für Turnen momentan nicht mehr genügend Zeit. „Deshalb verzichte ich in diesem Jahr auf alle internationalen Wettkämpfe“, erzählt Eugen Spiridonov bei seinem Besuch in der SZ-Sportredaktion. Seinen Trainer Viktor Schweizer und den TG-Vorsitzenden Paul Rupp hat er mitgebracht, um über die bevorstehende Saison in der Turn-Bundesliga zu erzählen. Die beginnt am 18. April mit dem Kampf in Wetzgau. Am 25. April trifft Eugen Spiridonov dann auf seinen Kumpel Fabian Hambüchen, wenn der Turn-Star mit dem deutschen Meister MTV Straubenhardt in die Kreissporthalle nach Dillingen kommt. Dort gibt es dann auch ein Wiedersehen mit dem dreimaligen Olympia-Sieger für Russland, Sergej Charkov, der in den 90er Jahren der Top-Turner bei der TG Saar war und beim Meister auch mit 39 noch unentbehrlich ist.

„Schon in diesem Kampf wird sich zeigen, ob wir in der Lage sind, um den Titel mitzuturnen“, macht der TG-Vorsitzende Paul Rupp deutlich, „dass wir mit großen Hoffnungen in die Saison starten“. Und auch Trainer Viktor Schweizer gibt sich sehr selbstbewusst: „Wir sind sehr ausgeglichen besetzt und haben diesmal wesentlich bessere Alternativen bei der Aufstellung“, sagt der Kasache, der seit 1993 für den Saarländischen Turnerbund arbeitet.

Eine dieser Alternativen heißt Stepan Gorbatchev, ebenfalls aus Kasachstan. Der war in der vergangenen Saison nachverpflichtet worden, als sich Anton Fokin, der Usbeke in Diensten der TG Saar, gleich beim ersten Bundesliga-Kampf das Kreuzband gerissen hatte. „Gorbatchev hat uns überzeugt, deshalb haben wir ihn auch als zweiten Ausländer gemeldet“, sagt Paul Rupp. Dies auch deshalb, „weil Anton Fokin noch nicht den kompletten Sechskampf turnen kann“, fügt Viktor Schweizer hinzu. „Mit den Beiden sind wir auf jeden Fall schwerer auszurechnen, außerdem können wir die Last auf mehrere Schultern verteilen“, ergänzt Rupp, der froh ist, mit Waldemar Eichorn, Maximilian Rupp, Ivan Bykov, Philipp Matzke und Thorsten Michels „zuverlässige Punkte-Lieferanten“ aufbieten zu können. Auch Eugen Spiridonov teilt den Optimismus. „Das Erreichen der Finalkämpfe“, umreißt er das Ziel für die kommende Saison. Rupp ist noch optimistischer: „Mindestens Platz drei muss drin sein.“ Der besonnene Viktor Schweizer schränkt ein: „Aber nur, wenn alle gesund und verletzungsfrei bleiben.“

Neben Straubenhardt sind Cottbus, Stuttgart und Hannover die Hauptkonkurrenten im Kampf um die Finalrunde. Bei der TG Saar wird viel davon abhängen, wie Frontmann Spiridonov die Belastung wegsteckt, denn er muss jeweils an allen Geräten ran. Doch mit diesen besonderen Erwartungen wird das Geburtstagskind fertig. Denn wie gesagt: „Angst habe ich vor keinem. Ich freue mich auf die Herausforderung.“ Klaus Kalsch

 

 

    10.11.2008

TG Saar hält Kurs in Richtung Heidelberg

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 10.11.2008

Kunstturner verlieren Bundesliga-Kampf gegen Stuttgart mit 31:41 – Wichtige Siege an drei Geräten

Die TG Saar hat ihren Heimkampf gegen das Turnteam Stuttgart zwar mit 31:41 verloren, liegt in der Bundesliga-Tabelle aber nach wie vor auf Rang vier. Der berechtigt am Saisonende zur Teilnahme am Endkampf.

Dillingen. Ein klein wenig trauerte Paul Rupp, der Vorsitzende des Kunstturn-Bundesligisten TG Saar, der verpassten Chance hinterher. Im Heimkampf gegen das ungeschlagene Turnteam Stuttgart zeigte die ersatzgeschwächte TG Saar einen aufopferungsvollen Kampf und verlor nur mit 31:41. „Ich darf gar nicht daran denken, was vielleicht passiert wäre, wenn wir Stephan Gorbatchev hätten einsetzen können. Dann hätten wir hier sogar gewinnen können“, meinte Rupp. Doch der Neuzugang aus Kasachstan war für sein Land beim Asien-Cup am Start. So ging die TG Saar vor 300 Zuschauern in der Dillinger Kreissporthalle zunächst ohne große Hoffnungen in den Kampf und hoffte darauf, zumindest ein Gerät für sich entscheiden zu können. Danach sah es zu Beginn aber überhaupt nicht aus. Stuttgart dominierte am Boden (13:0), am Pauschenpferd (9:5) sowie an den Ringen (8:6) und hatte zur Pause eine beruhigende 30:11- Führung herausgeturnt.

 

Die Wende kam beim Sprung. Es stand 3:4, als Philipp Matzke seinen Sprung souverän stand. Doch er turnte gegen den bisher überragenden Stuttgarter Sascha Palgen. Der zeigte Nerven und stand seinen Sprung nicht. Die Folge: Matzke holte zwei Zähler, und die TG Saar gewann ihr erstes Gerät. Plötzlich ging ein Ruck durch die Mannschaft. Eugen Spiridonov, am Ende mit 20 Punkten Topscorer, sorgte mit seinen drei Zählern am Barren für den 6:4-Erfolg. Und als der Olympiateilnehmer zum Abschluss am Reck weitere vier Punkte holte, Palgen wieder patzte und dadurch gegen Jerome Michels unterlag, hatte die TG Saar weit mehr erreicht als zuvor erhofft: Siege an drei Geräten. „Wir können insgesamt sehr zufrieden sein“, meinte Maximilian Rupp, „diese drei Geräte können in der Endabrechnung entscheidend sein – die sind so etwas wie unser Torverhältnis.“ Die TG Saar hofft nämlich auf Rang vier im Endklassement, der zur Teilnahme am Endkampf in Heidelberg berechtigt. Doch um diesen Rang streiten sich gleich mehrere gleichstarke Teams. Die Saarländer hoffen, mit einem Erfolg gegen Chemnitz in zwei Wochen (dann wieder mit Gorbatchev) die nötigen Punkte zu holen – und bei Punktgleichheit zählt die Anzahl der gewonnen Geräte. Also: Vorteil für die TG.

 

 

    05.11.2008

Ein Sportstar als Lehrer

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 05.11.2008

Seit zwei Monaten ist Turner Eugen Spiridonov Lehrer an der Erweiterten Realschule St. Ingbert II. Besonders beim Sportunterricht kann der Olympia-Teilnehmer seine Schüler begeistern.

Rohrbach. Vorwärts, bücken, um- drehen und weiterlaufen. Die Zehntklässler kommen an diesem Morgen ganz schön ins Schwit- zen. Bei jedem Händeklatschen müssen die Jugendlichen blitz- schnell reagieren – und das ist nur das Aufwärmprogramm. Keine Frage, ihr Sportunterricht hat es in sich. Aber schließlich klatscht auch kein gewöhnlicher Lehrer, sondern ein absoluter Spitzen- sportler: Er ist Star-Turner, Olym- pia-Teilnehmer – und heißt Eugen Spiridonov. Seit zwei Monaten unterrichtet der gebürtige Russe an der Erwei- terten Realschule St. Ingbert II. „Das ist für mich ein ganz neues Leben, ein ganz anderer Rhyth- mus“, sagt der 26-Jährige. „Aber es läuft super.“ Die Unterstützung ist groß; Spiridonovs Kollegen helfen ihm beim Lehrplan oder bei seiner Fortbildung zur Ar- beitslehre, seinem zweiten Unter- richtsfach. Nur ein kleines Prob- lem bleibt noch: „Ich unterrichte von Klassenstufe 5 bis 10 insge- samt etwa 200 Schüler“, berichtet er. „Sich da alle Namen zu merken – das ist schwer.“ Früher trainierte Spiridonov sechs Stunden am Tag, heute un- terrichtet er 27 Schulstunden pro Woche. „Deshalb trainiere ich auch nur noch einmal täglich“, er- klärt er. Denn die Doppelbelas- tung als Lehrer und Bundesliga- Turner hat es in sich: „Nach der Schule bin ich schon ein bisschen müde“, verrät er und lacht. Dabei wollte der Leistungs- sportler nach Olympia ohnehin etwas kürzer treten. Zwei Jahre lang keine internationalen Wett- kämpfe mehr, weniger Turnen, mehr Zeit für „was anderes“ – das war sein Plan. Dabei stand aber auch fest: Eine Stelle als Lehrer soll es sein. „Als Sportler hat man Probleme, Arbeit zu finden, vor al- lem, weil ich gerade aus der Bun- deswehr komme“, erklärt Spirido- nov. Hier kam das Kultusministe- rium ins Spiel, das ihm eine Aus- hilfsstelle als Sportlehrer vermit- telte; vorläufig für ein Jahr, mögli- cherweise aber auch länger. Denn für die Realschule ist der Sportler ein „riesiger Gewinn“, findet Schulleiter Karl-Heinz Härdter: „Wir sind mit Eugen sehr zufrie- den. Und unsere Schüler sind auch begeistert.“ Kein Wunder, denn im Unterricht macht Spiri- donov alle Übungen vor, packt selbst mit an – oder gibt ganz ne- benbei auch mal eine kleine Kost- probe seines Könnens. Das moti- viert sogar unsportlichere Schütz- linge. Und als der Olympiavierte aus dem Spagat mühelos in den Handstand geht, klatschen seine Schüler Beifall: Das ist großer Turnsport – zum Anfassen.

 

 

    22.10.2008

Die Faszination des Kunst-Turnens

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.10.2008

Kommentar von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Turnen ist ein faszinierender Sport. Man muss ihn gar nicht selbst betreiben. Denn Turnen fasziniert auch als Zuschauer-Sportart. Wenn die hohe Kunst aus Schrauben, Salti und Grätschen so perfekt dargeboten wird, wie in diesen Wochen wieder. Die Saison der deutschen Turn-Liga ist nur kurz. Aber spannend allemal. Auch für die Turn-Fans an der Saar. Im vergangenen Jahr ist die TG Saar in Heidelberg deutscher Vize-Meister geworden. War das ein Jubel! Heidelberg ist auch in diesmal wieder das Ziel. Und es sieht gut aus. Sollte die TG mit Cheftrainer Viktor Schweizer in der Finalrunde Ende November wieder dabei sein, wäre der Erfolg noch höher einzuschätzen als der vom vergangenen Jahr. Denn vom Glück begünstigt sind Eugen Spiridonov und seine Mitstreiter in der Saison 2008 nicht. Gleich drei Spitzenkönner wie Anton Fokin, Waldemar Eichorn oder Ivan Bykov eben mal kurzfristig und gleichwertig zu ersetzen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Mehr denn je sind deshalb Team-Geist und mannschaftliche Geschlossenheit gefordert. Und das Fingerspitzengefühl des Trainers, der mit Stephan Gorbatchev als Fokin-Ersatz offenbar einen Volltreffer gelandet hat. Neugierig geworden? Dann einfach mal hin zum nächsten Heimkampf der TG Saar gegen KTV Stuttgart am 8. November, 17 Uhr, in der Dillinger Kreissporthalle. Und sich anstecken lassen von der Faszination des Turnens. Oder sogar TG-Mitglied werden. Das ist neuerdings nicht nur Vereinen, sondern auch Einzelpersonen möglich.

 

 

    20.10.2008

Stephan Gorbatchev turnt sich in die Herzen der Fans

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 20.10.2008

Nach dem klaren 56:23-Erfolg der TG Saar gegen Aufsteiger NTT Hannover/Celle sind die Chancen auf das Erreichen der Finalrunde deutlich gestiegen. Überragender Turner war Neuzugang Stephan Gorbatchev.

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Dillingen. Selten hat man Viktor Schweizer, den Cheftrainer der Bundesliga-Turner der TG Saar, so strahlen sehen. Er hatte ziemlich hoch gepokert und alles gewonnen. Vor allem die kurzfristige Verpflichtung seines kasachischen Landsmannes Stephan Gorbatchev für den verletzten Anton Fokin hat sich schon im ersten Kampf voll ausgezahlt. Gorbatchev war beim deutlichen 56:23-Erfolg gegen den Aufsteiger NTT Hannover/Celle am Samstag der überragende Turner in der wiederum gut besuchten Dillinger Kreissporthalle. Mit diesem in dieser Höhe nicht erwarteten Sieg hat sich die TG Saar alle Chancen für das Erreichen der Finalrunde in Heidelberg offen gehalten. „Wenn wir jetzt am Samstag auch bei Bayern München gewinnen, sieht es wirklich gut aus“, freute sich auch der Präsident des Saarländischen Turnerbundes, Kurt Bohr. In den gut zwei Stunden zuvor hatten beide Mannschaften den Zuschauern eine faszinierende Vorstellung geboten. Neben dem überragenden Gorbatchev, der allein 18 Punkte einfuhr und später „total begeistert“ war, zeigten sich auch die übrigen TG-Turner von der besten Seite. Am Ende hatten sie bis auf das Pauschenpferd alle Geräte für sich entschieden. Auch Eugen Spiridonov musste sechs Mal ran. Er war zwar mit seiner persönlichen Leistung „überhaupt nicht zufrieden“, doch mit 16 Score- Punkten insgesamt Zweitbester. Zehn Punkte steuerte Maximilian Rupp mit drei starken Vorstellungen an den Ringen, beim Sprung und am Reck bei. Philipp Matzke gewann drei Punkte am Boden und holte ein Remis am Boden. Jerome Michels setzte mit seinem perfekten Dreifachsalto beim Abgang vom Reck und fünf Zählern den Schlusspunkt.

 

 

    11.10.2008

Hambüchen und Co. wohl eine Nummer zu groß

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 11.10.2008

Turn-Bundesliga: Die TG Saar muss am Samstag zum großen Favoriten Straubenhardt – Gorbatchow noch nicht dabei

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Vor einer wohl unüberwindbaren Hürde stehen die Turner der TG Saar an diesem Samstag im Bundesligakampf beim Titelfavoriten KTV Straubenhardt mit Fabian Hambüchen. „Nur ja nicht blamieren“, gibt TG-Saar-Vorsitzender Paul Rupp vor.

Saarbrücken/Straubenhardt. Nach dem mit Anton Fokins schwerer Kreuzband-Verletzung teuer erkauften 57:21-Sieg in der Bundesliga gegen den TV Wetzgau müssen die Turner der TG Saar an diesem Samstag, 18 Uhr, beim Meisterschafts-Favoriten KTV Straubenhardt antreten. Fokin wartet noch auf seine Operation am linken Knie, „es geht ihm aber den Verhältnissen entsprechend gut“, erzählt der TG-Vorsitzende Paul Rupp. Es bleibt aber dabei, dass der Usbeke in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen wird. „Aber auch mit Anton hätten wir in Straubenhardt keine Chance“, rückt Rupp die Verhältnisse schon vor der Samstag-Begegnung gerade. Denn der KTV hat nicht nur den Überflieger Fabian Hambüchen (Foto: dpa) in seinen Reihen, der am Samstag zum ersten Mal nach den Olympischen Spielen wieder turnen wird, sondern insgesamt eine Riege zur Verfügung, „die eine Nummer zu groß für uns ist“, so Rupp. Die Gastgeber haben sich den Titel vorgenommen. Entsprechend haben sie aufgerüstet. Die erste Duftmarke setzten die Schwarzwälder gleich zum Bundesliga- Auftakt noch ohne Hambüchen mit dem 36:25-Erfolg beim amtierenden deutschen Meister Cottbus. Weltmeister Hambüchen, die hochkarätigen Neuzugänge Marcel Nguyen und Marian Dragulescu, beide ebenfalls bei Olympia dabei, und der wieder gesunde Thomas Taranu bilden eine Riege, die nur schwer zu schlagen sein wird. Als bewährter Gerätespezialist steht außerdem immer noch der inzwischen 37-jährige dreifache Ex-Olympiasieger Sergej Charkov bereit, der viele Jahre auch in Diensten der TG Saar stand. Und so üben sich die Saarländer in Bescheidenheit. „Wir wollen uns nicht blamieren“, gibt Paul Rupp als Marschroute vor. Er baut dabei vor allem auf Eugen Spiridonov. Seine direkten Duelle gegen Hambüchen werden mit die Highlights der Veranstaltung sein. Rupp stellt aber auch klar, „dass wir Eugen an dem ein oder anderen Gerät schonen werden“. Nach Kräften dagegenzuhalten, versuchen neben Spiridonov Philipp Matzke, die Brüder Thorsten und Jerome Michels, Maximilian Rupp und Marc Quirin. Geklärt ist mittlerweile, dass schon beim wichtigen Heimkampf gegen NTT Hannover/ Celle am Samstag, 18. Oktober, 17 Uhr, in der Kreissporthalle Dillingen der junge Kasache Stephan Gorbatchow den Ausländerplatz bei der TG Saar einnehmen wird. Gorbatchow soll am Donnerstag ankommen.

 

 

    06.10.2008

Für Fokin ist die Saison gelaufen

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 06.10.2008

Turn-Bundesliga: Beim 57:21-Sieg der TG Saar verletzt sich der Usbeke schwer

Schock für die TG Saar: Ihr großer Hoffnungsträger Anton Fokin zog sich beim ersten Saisonkampf einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Die Begegnung gegen den TV Wetzgau gewann die TG klar mit 57:21.

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Dillingen. Hochüberlegen haben > die Bundesliga-Turner der TG Saar am Samstag ihren ersten Saisonkampf gegen den TV Wetzgau mit 57:21 gewonnen. Doch so recht freuen darüber konnte sich niemand der rund 500 Zuschauer in der Dillinger Kreissporthalle. Denn der deutsche Vizemeister musste den Sieg teuer bezahlen. Anton Fokin, der am Montag aus Usbekistan zum dreimonatigen Gastspiel ins Saarland zurückgekommen war, verletzte sich schon bei seiner ersten Saisonübung am Boden so schwer, dass die TG für den Rest der Saison wohl auf ihren Hoffnungsträger verzichten muss. Paul Rupp, der Vorsitzende, informierte das schockierte Publikum mit stockender Stimme: „Wahrscheinlich hat sich Anton bei der Schlussbahn einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen.“ Die Bestätigung durch Mannschaftsarzt Lothar König kam wenige Minuten später. „Ist wohl ein Kreuzbandriss, die Saison ist gehalten.“ So wird es wohl bei den vier Score- Punkten bleiben, die der Bronzemedaillen- Gewinner von Peking noch für seine Übung erhielt. Doch der Rest der Mannschaft lieferte die richtige Trotzreaktion. „Wir haben für Anton gekämpft“, sagte Oldie Thorsten Michels hinterher. Fokin blieb bis zum Schluss in der Halle und sah eine TGRiege, die fast wie aus einem Guss turnte. „Toll, wie sich die Jungs, die für Anton einspringen mussten, hier verkauft haben“, verteilte Cheftrainer Viktor Schweizer nach dem deutlichen Erfolg ein Gesamtlob. Natürlich war Eugen Spiridonov wieder der Top-Scorer. Der Olympiavierte trug 19 Punkte zum Erfolg bei und lieferte vor allem am Barren und am Reck Weltklasse-Leistungen ab. Shooting-Star des Abends war jedoch Philipp Matzke. Die Art und Weise, wie nervenstark sich der 17-jährige Bliesransbacher seine 16 Punkte erkämpfte, beeindruckte auch Viktor Schweizer. „Das wird mal einer“, freute sich der Kasache für seinen Musterschüler. Schweizer wird in diesen Tagen viel mit der Heimat telefonieren. Dort steht ein junger Turner namens Stephan Gorbatschow auf Abruf bereit. „Gemeldet ist er, könnte schon im nächsten Heimkampf gegen Hannover (18. Oktober) für uns turnen“, sagt Paul Rupp. „Gorbatschow wird ein guter Ersatz für Anton sein“, ist Viktor Schweizer sicher.

 

Eugen Spiridonov, hier an den Ringen, war gegen Wetzgau der erfolgreichste Punktesammler der TG Saar.

Zurück zum Samstag. Da zeigte sich die TG gegen den TV Wetzgau, der auf seine Rumänen verzichtet und in Helge Liebrich und Tobias Wolf seine besten Turner hatte, auch das Saar-Trio Thorsten (8) und Jerome Michels (4) und Mannschaftssprecher Maximilian Rupp (6) von seiner besten Seite. Für Max Rupp heißt es für die Zukunft: „Nach Antons Ausfall müssen wir noch enger zusammenrücken. Unser Ziel heißt nach wie vor mindestens Platz vier und die Quali für das kleine Finale in Heidelberg.“ Am Samstag geht’s zum KTV Straubenhardt mit Fabian Hambüchen. „Auch mit Anton Fokin hätten wir da wohl keine Chance“, ordnet Paul Rupp die Möglichkeiten seiner Riege beim großen Titel-Favoriten „sehr realistisch“ ein.

 

 

    04.10.2008

Schweizer: "Die müssten wir eigentlich packen"

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 04.10.2008

Turner der TG Saar starten am Samstag um 17 Uhr in Dillingen gegen Wetzgau in die Saison

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Dillingen. An diesem Samstag, 17 Uhr, starten die Bundesliga-Turner der TG Saar in der Kreissporthalle Dillingen in die Saison 1 nach dem Vizemeistertitel von 2007. Gegner der Riege von Cheftrainer Viktor Schweizer ist der TV Wetzgau. „Die müssten wir eigentlich packen“, gibt sich Schweizer optimistisch. Zwar fehlen mit dem verletzten Waldemar Eichorn und der großen Nachwuchs-Hoffnung Ivan Bykov, der wieder nach Russland zurück ist, zwei wichtige Rädchen im TG-Getriebe. Doch der Vorsitzende Paul Rupp ist sicher, dass es weiter rund läuft „und die anderen sich jetzt noch mehr reinhängen“. Allen voran die Asse Eugen Spiridonov und Anton Fokin, der wieder den Ausländerpart übernimmt. Auf beide kommt wohl die größte Belastung zu. Rupp: „In den Kämpfen, die wir gewinnen müssen, um unter die ersten Vier zu kommen, werden sie jeweils an alle Geräte gehen müssen.“ Geschont werden sollen die Weltklasse-Turner dann in Begegnungen, in denen wohl nicht so viel zu erben ist. Dazu zählt der TG-Vorsitzende den deutschen Meister SC Cottbus, den KTV Straubenhardt mit Überflieger Fabian Hambüchen und den KTV Stuttgart. Beim Saisonstart in Dillingen bauen Trainer Viktor Schweizer und die gute Seele des Teams, Altmeister Benno Grohs, neben Spiridonov und Fokin auf folgende TG-Turner: Maximilian Rupp (20) ist für Boden, Ringe, Sprung, Barren und Reck vorgesehen. Der Jung-Dreißiger Thorsten Michels ist an Pferd, Ringen, Sprung und Barren einsetzbar, Bruder Jerome (28) an Pferd, Barren und Reck und Youngster Philipp Matzke an Pferd, Sprung, Barren, Reck und Boden. Vor allem am Boden ist der fast 18-jährige Bliesransbacher als deutscher Jugendmeister eine Bank. Aus dem TG-Regionalliga-Team rückt Marc Quirin (25) auf. Sprung, Pauschenpferd und Boden sind seine Spezialgeräte. Die Gäste vom TV Wetzgau haben neben vielen Eigengewächsen mit den Rumänen Daniel Popescu und Razvan Selariu zwei Topstars aus Rumänien im Aufgebot.

 

 

    01.10.2008

Das Ziel ist wieder Heidelberg

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 01.10.2008

Die TG Saar startet an diesem Samstag gegen Wetzgau in die neue Bundesliga-Saison

Für die Turner der TG Saar beginnt am Samstag, 4. Oktober, mit dem Heimkampf gegen Wetzgau die neue Bundesliga- Saison. Erklärtes Ziel ist das Erreichen der Finalrunde

Von SZ-Mitarbeiter
Klaus Kalsch

Saarbrücken/Dillingen. „Wir wollen wieder nach Heidelberg!“ Für die Bundesliga-Turner der TG Saar gibt es nur ein Ziel. Dorthin, wo sie 2007 einen der größten Erfolge der letzten Jahrzehnte feiern durften. Nach einer beeindruckenden Saison zeigten die Jungs von Chef-Trainer Viktor Schweitzer gegen den Favoriten SC Cottbus einen begeisternden Wettkampf, verloren zwar das Finale mit 25:31, gewannen jedoch die Herzen der Fans. Ab Samstag heißt es nun „auf ein Neues“. Die Saison beginnt mit einem Heimkampf. In der Dillinger Kreissporthalle ist ab 17 Uhr der TV Wetzgau zu Gast. „Das ist gleich ein Gegner, gegen den wir gewinnen müssen“, sagt der TG-Vorsitzende Paul Rupp. Rupp, der die Szene kennt wie kaum ein anderer, weiß aber auch ganz genau, „dass wir den Durchmarsch vom letzten Jahr sicher nicht wiederholen können“. Ein Platz unter den ersten Vier sei jedoch auf jeden Fall drin, „wenn nichts Gravierendes passiert“. Gelingt das, wäre man wieder in Heidelberg – zumindest im kleinen Finale. Denn erstmals wird in diesem Jahr auch der Meisterschafts- Dritte ausgeturnt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der mit vielen Unwägbarkeiten gepflastert ist.

Zumal zwei wichtige TG-Punktelieferanten nicht zur Verfügung stehen. Dass Waldemar Eichorn fehlen würde, war schon länger klar. „Waldi“ hat Probleme mit den Sehnen in beiden Schultern und fällt komplett aus. Fest eingeplant war Ivan Bykov. Zusammen mit seiner Mutter ist der 17-Jährige überraschend jedoch nach Moskau zurückgekehrt und muss zumindest für diese Saison abgeschrieben werden. „Jammern hilft jetzt nichts“, sagt Cheftrainer Viktor Schweitzer, „jetzt sind die anderen gefordert.“ Allen voran natürlich die Weltklasse-Turner Eugen Spiridonov und Anton Fokin. Der Usbeke Fokin, der in Peking Bronze am Barren gewann und auch in diesem Jahr den Ausländerplatz bei der TG einnimmt, ist seit Montag wieder im Saarland. „Ein bisschen müde“ sei er zwar, sagt er, aber er freue sich auf die Bundesliga. Das tut auch das andere TG Saar-Ass Eugen Spiridonov. Auch er fühlt sich durch die Dauerbelastung der letzten Monate „noch etwas schlapp“, ist aber guten Mutes, „dass wir es unter die ersten Vier schaffen“. Dabei baut der Präsident des Saarländischen Turnerbundes, Kurt Bohr, darauf, „dass wir in der Breite eine gute Mannschaft haben“. Denn sowohl Maximilian Rupp, als auch die beiden Brüder Thorsten und Jerome Michels haben schon im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie in entscheidenden Situationen zuverlässig punkten können. Dazu kommt mit Philipp Matzke, dem deutschen Jugendmeister am Boden, ein „Supertalent“, von dem Paul Rupp geradezu schwärmt. Aus dem Regionalliga-Team der TG Saar rückt Marc Quirin auf. „Wir sind voll motiviert“, verspricht Mannschaftssprecher Maximilian Rupp den Fans. Und hofft, „dass sie uns schon am Samstag in Dillingen gegen Wetzgau unterstützen“

 

 

    24.09.2008

Die TG Saar öffnet sich

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 24.09.2008

Turngemeinschaft sucht neue Mitgliedsvereine – Auftakt zur Bundesliga am 4. Oktober

Alte Zöpfe abschneiden, neue Wege gehen – mit strukturellen und konzeptionellen Reformen verfolgt der neue Vorstand der TG Saar einen ehrgeizigen Plan: Die Öffnung der Turngemeinschaft für alle saarländischen Turnvereine.

Von SZ-Mitarbeiter
Roland Schmidt

Saarbrücken. Bis zum Bundesliga- Auftakt der TG Saar gegen den TV Wetzgau am 4. Oktober, 17 Uhr, in der Kreissporthalle Dillingen ist es noch eine Weile hin. Dessen ungeachtet laufen im Lager des deutschen Kunstturn- Vizemeisters die Vorbereitungen
auf die Saison 2008 auf Hochtouren. Noch während die TG-Vorzeige- Athleten Eugen Spiridonov (Bous) und der Usbeke Anton Fokin in Peking um olympische Medaillen kämpften, feilten die zu Hause gebliebenen Teamkollegen an der Saarbrücker Sportschule an neuen Übungsteilen. Rege Betriebsamkeit herrscht aber auch in der Führungs-Etage der saarländischen Turngemeinschaft. Das ehrgeizige Vorhaben des neu gewählten Vorstandes unter der Leitung des früheren Managers Paul Rupp: Die Öffnung der TG Saar für alle.
„Die Turngemeinschaft besteht jetzt seit 34 Jahren. Die Satzung ist in die Jahre gekommen“, sagt der neue Vorsitzende. Um den Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden, müsse man umdenken, so Rupp, der als Nachfolger von Jürgen Leiner (Bous) das Amt in einer zweijährigen Übergangszeit ausüben wird. Bisher war es so: Strukturell wurde die TG Saar von den vier Gründervereinen TV Griesborn, TV Lebach, TV Schwarzenholz und TV Bous verwaltet. Später kamen der TV Dillingen und der TV Limbach hinzu. Ziel war es, die stärksten saarländischen Turner in einer Mannschaft zu vereinen. Daran habe sich bis heute auch nichts geändert, sagt Rupp. Der Knackpunkt: Früher war Kunstturnen das Aushängeschild der Trägervereine. Doch der sportliche Stellenwert sank
und andere Sportarten traten in den Vordergrund. Die Folge des schwindenden Interesses waren organisatorische Probleme. Rupp: „Wir mussten einen neuen Weg der Organisation suchen. In der neuen TG Saar als eigenständigem Verein darf jeder Mitglied werden, Turnvereine, juristische und natürliche Personen.“ Mit der Änderung der Satzung erhoffen sich die Saar-Turner einen Mitglieder-Zuwachs und frischen Wind in allen strukturellen Bereichen. Am Status der Trägervereine ändert sich indes nichts. Der Anreiz für kleinere Vereine, Mitglied zu werden: Die gute Betreuung und Förderung ihrer Nachwuchsturner ist garantiert, im Spitzen- und im Breitensportbereich. Um die Ausbildung der jungen Athleten kümmern sich Honorar-Trainer an den Stützpunkten Saarbrücken, Dillingen und Homburg. Den größten Talenten winken später Einsätze im Regionalliga- oder sogar im Bundesliga- Team. Die sportlichen Perspektiven stimmen also. Für die Anfang Oktober beginnende Saison hat der deutsche Vizemeister das Ziel schon mal anvisiert: „Die Teilnahme am Titel-Endkampf“, sagt Paul Rupp, auf dessen Vorschlag das Final-Turnier statt nur mit zwei künftig wieder (wie früher) mit den vier punktbesten Klubs ausgerichtet wird.

 

 

       26.11.07

Dramatik pur bis zur letzten Übung
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 26.11.2007

Turnen: Die TG Saar liefert dem Favoriten SC Cottbus im Mannschaftsfinale in Heidelberg einen großen Kampf

Im spannendsten Finale der deutschen Turngeschichte unterlag die Riege der TG Saar am Freitagabend in Heidelberg dem SC Cottbus. Die Entscheidung stand bis zur letzten Übung auf des Messers Schneide.

Von SZ-Redakteur
Klaus Kalsch

Heidelberg. Rhein-Neckar-Halle Heidelberg. Freitagabend, 23. November, kurz vor 22.30 Uhr: Finale um die Mannschaftsmeisterschaft der Turner zwischen der TG Saar und dem Titelverteidiger SC Cottbus. Anton Fokin, der vor dem Wettkampf als bester Turner der Saison geehrt worden war, riskiert für die Saarländer am Reck alles – und stürzt bei der Katschow-Grätsche ab. Vorbei sind die Träume vom Titelgewinn. Deutscher Meister 2007 wird Cottbus. Endergebnis: 31:25. Doch niemand unter den rund 1000 Besuchern in der Halle macht dem 25-jährigen Usbeken einen Vorwurf. „Ohne Anton hätten wir dieses Finale erst gar nicht erreicht“, stellt Trainer Viktor Schweizer sofort klar. Auch in Heidelberg war Fokin bis zum Patzer am Reck wieder der erfolgreichste Punktelieferant. Kurz nach dem „Absturz“ kann er schon wieder lachen und lässt sich mit den Kameraden für die Vizemeisterschaft feiern.

 

Die TG Saar hat den Bundesliga-Endkampf gegen Titelverteidiger Cottbus in Heidelberg verloren. Die deutsche Vizemeisterschaft ist dennoch
ein Riesenerfolg für die Riege. (Foto: Ruppenthal)

Dieses Finale 2007 wird als das wohl spannendeste in der Geschichte überhaupt in die Annalen eingehen. Kein Krimi-Autor hätte es besser inszenieren können. Die Saarländer legen am Boden ein 7:0 vor: Waldemar Eichorn holt als Eisbrecher die beiden ersten Punkte für die TG, Fokin ebenfalls zwei gegen WMTurner Robert Juckel und Eugen Spiridonov drei im Duell mit Roman Zozulja. Keinen Sieger gibt es beim Zweikampf zwischen Ivan Bykov und Steve Woitala. Das ist ein Auftakt nach Maß. Fünf Punkte Vorsprung bleiben nach dem Pauschenpferd (11:6). Auch weil Anton Fokin sein zweites Duell gegen Robert Juckel mit 4:0 für sich entscheidet. Dann folgt jedoch eine lange Durststrecke für die Saarländer. An den Ringen fahren Maximilian Rupp, Eichorn, Spiridonov und Fokin nicht einen einzigen Punkt ein, und plötzlich führen die Cottbuser mit 17:11. Zehn Punkte Vorsprung (24:14) sind es gar nach den vier direkten Vergleichen beim Sprung. Nur Philipp Matzke und Fokin punkten für die TG. Doch am Barren drehen die Saarländer den Spieß wieder um. Diesmal gehen die Turner des Titelverteidigers komplett leer aus. Waldi Eichorn, Thorsten Michels, Anton Fokin und Eugen Spiridonov schaffen den Anschluss (23:24 aus TG-Saar- Sicht) und die Voraussetzung zum Wimpernschlag-Finale am Reck. Dass die Cottbuser dann doch noch das bessere Ende für sich behalten und zum siebten Mal deutscher Meister werden, macht die fairen Verlierer von der TG Saar nur kurzfristig ein bisschen traurig. „Was soll’s?“, sagt Trainer Viktor Schweizer. „Wir haben alles gegeben, sind rundum zufrieden, Glückwunsch an die Cottbuser.“ Auch Benno Grohs, der vor 25 Jahren mit der TG Meister geworden war, findet es „einfach geil, was hier abgegangen ist“. Kurt Bohr, der Präsident des saarländischen Turnerbundes, ist „restlos begeistert“ von der Vorstellung der Mannschaft: „Sie haben dem Turnen an der Saar einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Auf diesen Erfolg können wir aufbauen. Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir Vizemeister werden, dann hätte ich den für verrückt erklärt.“ Mannschaftssprecher Maximilian Rupp vergisst bei allem Jubel über den eigenen Erfolg nicht den Dank an alle, „die im Hintergrund mitgewirkt haben. Das war wirklich professionell. Ich bedanke mich im Namen der Mannschaft.“ Das hört natürlich auch Vater Paul Rupp gerne. Dessen Gedanken sind schon bei der Zukunft. „Wir haben gezeigt, dass wir es können, jetzt greifen wir im nächsten Jahr wieder an“, verspricht der Trainer des Meisterteams von 1982. Und hofft darauf, „dass dann auch Anton Fokin wieder dabei ist“. Der habe grundsätzlich seine Bereitschaft bekundet, wieder für die TG Saar zu starten, so Paul Rupp. Am Samstag ist der Usbeke zurück in die Heimat geflogen. Dort wird er der Familie von der „tollen Zeit im Saarland“ erzählen. Und dabei sicher auch nicht auslassen, dass es ihn schon ein bisschen wurmt, im Finale am Reck gepatzt zu haben.

Jede gute Leistung wurde frenetisch gefeiert. Hier jubelt Waldemar Eichorn (Mitte).

Trainer Viktor Schneider (rechts) musste Anton Fokin nach dessen Patzer am Reck trösten.

Der deutsche Vize-Meister ließ es krachen

Fans und Mannschaft feierten schon in Heidelberg und auf dem Heimweg gemeinsam den Erfolg

Den Kampf um die deutsche Meisterschaft haben die Turner der TG Saar knapp verloren, das Fan-Duell gegen Titelverteidiger Cottbus dafür haushoch gewonnen. 200 Schlachtenbummler aus dem Saarland zitterten beim Heidelberger Turn-Krimi mit.

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt

Heidelberg. Das Finale um die deutsche Kunstturnmeisterschaft zwischen der TG Saar und dem SC Cottbus ist Geschichte. Schon wenige Minuten nach dem Showdown am Reck erlöschen in der Heidelberger Rhein-Neckar- Halle die großen Deckenlichter. Die Jubelchöre der 1000 Zuschauer, darunter 200 Saarländer, sind verklungen. Während sich die Tribünen leeren, wuseln im Innenraum bereits die ersten Helfer um die Geräte. Am Wettkampf- Ort des spannendsten aller bisherigen Bundesliga-Finals wird zeitig aufgeräumt. Die Post geht jetzt woanders ab. „Live is live!“, schmettert es aus dem Umkleide- Trakt. Feiert da der neue deutsche Meister seinen siebten Titel? Fehlanzeige. Die Cottbuser sitzen geschlaucht in ihrer Kabine. „Nächste Tür“, sagt Nationalturner Philipp Boy, „dort sind die verrückten Saarländer.“ Also zehn Schritte weiter und staunen: Wirklich traurig sehen die Jungs der TG Saar nach der verpassten Goldmedaille nicht aus. Im Gegenteil. Die deutschen Vize-Meister lassen es krachen. Thorsten Michels gibt den Ton an, Bruder Jerome und Max Rupp tanzen zu den wilden Party- Gesängen im Takt. Mehrere TG-Fans lachen und feiern mit, später gesellen sich auch die Cottbuser Rivalen dazu. Nun steppt hier richtig der Bär. Geruhsamer geht es derweil im Hallen-Vorraum zu. Diskutiert wird unter den saarländischen Schlachtenbummlern aber viel. Über die 7:0-Führung am Boden, den Einbruch an den Ringen, den hohen Rückstand nach vier Geräten, die Aufholjagd am Barren und das Reck-Finale. Mit drei Bussen und mehreren Privat-Autos waren die TG-Fans angereist. Ihr Kommen haben sie nicht bereut. „Unsere Jungs können erhobenen Hauptes nach Hause fahren“, sagt Robert Müller. „Die haben den großen Favoriten am Rande der Niederlage gehabt“, schwärmt der frühere TG-Kampfrichter. TG-Kassiererin Margot Schwindling hatte sich wie immer um die Eintrittskarten gekümmert. Das verlorene Finale sieht die 72-Jährige nicht als Beinbruch an. „Das war nur die Generalprobe fürs nächste Jahr“, sagt die gute Seele des Teams lachend. Für die Fans im Mannschaftsbus geht die Party auf der Rückfahrt weiter. „We are the champions“, grölen die Turner und präsentieren ihre Silbermedaillen. Stefanie Braun klaut sich einen Kuss von Jerome Michels. „Ein Jahrhundert-Finale, und wir waren dabei“, strahlt die Freundin des Reck-Helden.

Meinung: Ein Schub für das Turnen

Von SZ-Redakteur Klaus Kalsch

Turner sind einfach sympathische Menschen. Und völlig unkomplizierte außerdem. Das war schon bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart so. Da wurde auch der Außenseiter, der eigentlich mit Schrauben, Salti und sonstigen akrobatischen „Verrenkungen“ nur wenig am Hut hatte, wie selbstverständlich aufgenommen in die große Familie. Das ist so geblieben, auch wenn sich die Euphorie von Stuttgart mittlerweile etwas gelegt hat. Beim Saarländischen Turnerbund hat sie durch das Auftreten der Riege um Eugen Spiridonov in der Bundesliga-Saison und vor allem durch das Herzschlagfinale von Heidelberg am Freitagabend jedoch wieder einen neuen Schub bekommen. Der an Spannung kaum noch zu überbietende Zweikampf mit Cottbus um den deutschen Meistertitel dürfte dem Turnen hierzulande viele neue Freunde beschert haben. Das war Dramatik pur und Nervenkitzel bis zur letzten Übung. Mit einem würdigen Meister Cottbus. Aber auch einem genauso begeisternden Vize aus dem Saarland. Bei solch sympathischen Vorbildern muss es einem um den Nachwuchs nicht Bange sein. Was sich an der Saarbrücker Sportschule auch schon an jüngsten Talenten aus dem ganzen Land tummelt, macht dem Beobachter nicht nur Freude, sondern bestärkt ihn auch in der Hoffnung, dass es im Saarland noch lange Turnen der Spitzenklasse geben wird. Der STB ist gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Eugen Spiridonov und seine Freunde haben das beim Finale in Heidelberg eindrucksvoll bewiesen. Glückwunsch! Es war schön, dabei zu sein.

 
 

 

       22.11.07

"Wir sind bereit für den großen Coup!"
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.11.2007

Die Turner der TG Saar rechnen sich am Freitag beim Finale in Heidelberg gegen Cottbus gute Chancen aus

Die Turner der TG Saar wollen am Freitag deutscher Meister werden. In der Heidelberger Rhein-Neckar-Halle treffen sie im Mannschafts-Finale auf Titelverteidiger SC Cottbus und rechnen sich gute Chancen aus.

Von SZ-Redakteur
Klaus Kalsch

Saarbrücken. Nicht nur Thorsten Michels strotzt vor Selbstbewusstsein. Die ganze Riege der TG Saar, die am Freitagabend in der Heidelberger Rhein-Neckar-Halle gegen Titelverteidiger SC Cottbus im Mannschaftsfinale um die deutsche Meisterschaft der Turner steht (19.30 Uhr), ist super drauf und guter Dinge – inklusive Trainer und Manager. Thorsten Michels, der Oldie im Team, hat jedoch ein ganz „besonders gutes Gefühl“. Das sei ähnlich gut wie vor zehn Jahren, als die TG Saar den Bundesliga-Aufstieg schaffte, erinnert sich der 29-Jährige. Mit diesem Optimismus hat Michels auch die TG-Jungfüchse angesteckt. Auch Ivan Bykov. Das 16-jährige Supertalent war in der Runde an vier Wettkampftagen wichtiger Punktelieferant. „Ich bin fit, wir schaffen das“, freut sich Schüler Bykov, der wohl an vier Geräten an den Start gehen wird. Wie wahrscheinlich auch Waldemar Eichorn. „Waldi hat eine Super-Saison geturnt und sich kontinuierlich gesteigert“, lobt TG-Manager Paul Rupp den 21-Jährigen, der sich immer dann besonders stark präsentierte, wenn Eugen Spiridonov nicht dabei war. Für das Finale verspricht Eichorn, „noch mal alle Kräfte“ abzurufen und „unsere Außenseiterchance“ zu nutzen. Auch für Mannschaftssprecher Maximilian Rupp ist Cottbus zwar Favorit, stehe als Titelverteidiger jedoch unter „wesentlich größerem Druck“. Rupp: „Wir haben nichts zu verlieren. Auch der Ausfall von WMTurner Philipp Boy bei Cottbus verbessert unsere Chancen auf den Titelgewinn.“ Den haben auch die beiden Ausnahmekönner der TG Saar, Eugen Spiridonov und Anton Fokin, fest im Visier. Wobei vor allem Fokin momentan „wirklich auf dem Zahnfleisch“ geht. Der Gastturner aus Usbekistan turnte nach der WM in Stuttgart nicht nur in jedem Wettkampf das volle Programm, sondern war auch der beste Punktelieferant der gesamten Liga.

 

Die Turner der TG Saar strahlen Zuversicht aus vor dem Mannschaftsfinale morgen Abend in Heidelberg: Eugen Spiridonov, Thorsten Michels, Maximilian Rupp, Ivan Bykov, Jerome Michels und die Trainer Benno Grohs und Viktor Schweizer (hinten von links). Waldemar
Eichorn, Anton Fokin und Philipp Matzke (vorne von links).

„Aber in Heidelberg werde ich mich noch mal voll reinhängen“, verspricht Fokin, der am Sonntag zurück zur Familie nach Usbekistan fliegt. Dann wird auch Eugen Spiridonov mit der deutschen Mannschaft schon nach Peking zu vorolympischen Tests unterwegs sein. Der Bronzemedaillen- Gewinner von Stuttgart durfte auf Geheiß des Bundestrainers in der regulären Saison nur drei Mal ran. „Die Pause hat mir gut getan, ich werde am Freitag volles Risiko gehen“, ist auch Spiridonov sicher, „dass wir es schaffen können“. So sieht es auch Trainer Viktor Schweizer. Der ist nun wirklich kein Mann der großen Worte. Es habe Spaß gemacht, mit der Mannschaft zu arbeiten „und zu sehen, wie sie mit den Aufgaben gewachsen ist“, sagt er, und jetzt hoffe er „auf den verdienten Lohn“. Benno Grohs, der vor 25 Jahren beim ersten Titelgewinn der TG der Leitwolf war und heute als Trainer noch wertvolle Dienste leistet, ist der Meinung, „dass es höchste Zeit wird, dass wir noch mal zuschlagen“. Darüber würde sich auch Paul Rupp – heute Manager, damals Trainer – riesig freuen. „Doch egal, wie es ausgeht: Wir haben jetzt schon mehr erreicht, als wir uns erträumen konnten“, zieht Rupp schon vor dem Finale eine positive Bilanz. „Wir sind bereit für den großen Coup“, umschreibt Thorsten Michels die Stimmung bei der TG. Und Bruder Jerome und Philipp Matzke, zwei weitere wichtige Leute „aus der zweiten Reihe“, nicken voller Tatendrang.

 
 

 

       16.11.07

Nur dieser eine Sieg fehlt noch
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 16.11.2007

Kunstturn-Bundesliga: TG Saar kann am Samstag in München ins Liga-Finale einziehen

Wer kämpft am 23. November gegen den Meister SC Cottbus um den Titel? Drei Teams aus der Kunstturn-Bundesliga wollen das zweite Final-Ticket für Heidelberg lösen. Die besten Karten hat die TG Saar.

Von SZ-Redakteur Roland Schmidt

Saarbrücken. Für die TG Saar steht in der Kunstturn-Bundesliga morgen der letzte reguläre Saison-Wettkampf beim FC Bayern München (Samstag, 16 Uhr) an. Bei einem Sieg hätten die Saarländer das Unmögliche wahr gemacht. Die Riege des Trainer-Duos Viktor Schweizer und Benno Grohs stünde im Bundesliga-Finale. Am 23. November ginge es in Heidelberg gegen Titelverteidiger Cottbus um die deutsche Meisterschaft. Der Kampf um Gold, 25 Jahre nach dem Titelgewinn in München – ein Traum würde wahr werden. „Wir sind aber noch nicht durch“, sagt Max Rupp. „Wir müssen in München genauso sauber und sicher turnen wie zuletzt auch“, bleibt der Aktivensprecher vorsichtig. Im vergangenen Jahr habe es gegen den Konkurrent aus Bayern eine Niederlage gegeben, dies sei Warnung genug, so der 19-Jährige. Dennoch: Die Ausgangssituation der TG Saar vor dem letzten Wettkampf ist hervorragend. Nach fünf Siegen in sechs Duellen liegt der zweimalige deutsche Meister mit 10:2 Punkten auf Platz zwei. Straubenhardt (3.) und Stuttgart (4.) können das Final-Ticket aus eigener Kraft nicht mehr lösen. Patzen die Saarländer beim Tabellensechsten unverhofft, dann wären die Verfolger aber wieder im Rennen und würden bei eigenen Siegen an der TG Saar vorbeiziehen. Im Fall der Punktgleichheit zählt dann nämlich die Anzahl der gewonnenen Einzelgeräte. Und hier liegen beide Konkurrenten klar vorne.

 

„Wir unterschätzen keinen Gegner“, sagt TG-Athlet Thorsten Michels, „das wird in München kein Selbstläufer.“ Um den schwierigen Witterungsbedingungen aus dem Weg zu gehen und die Nerven der Athleten zu schonen, tritt der TG-Bus die Reise nach Bayern bereits am heutigen Freitag an. Nationalturner Eugen Spiridonov wird fehlen. Der TG-Star hat das von Bundestrainer Hirsch erlaubte Start-Kontingent bereits ausgeschöpft. Top-Scorer Anton Fokin und Sechskampf- Kollege Waldemar Eichorn sind aber dabei. Und Junioren- Nationalturner Ivan Bykov, der nach zwei internationalen Einsätzen auf sein Comeback brennt. Schon jetzt sei das die beste Saison seit über 20 Jahren, sagt Ex-Coach Paul Rupp, unabhängig vom Ausgang in München. Im Training gewann der heutige TG-Manager allerdings nicht den Eindruck, als ob sich die Turner damit zufrieden geben. „Die Stimmung ist toll. Die wollen es jetzt wissen.“ Übrigens: Sollte die TG Saar morgen das Liga-Finale erreichen, sollen am 23. November je nach Resonanz ein oder mehrere Busse zum Endkampf in Heidelberg angeboten werden. Anmeldungen sind ab sofort bei Margot Schwindling unter (0 68 81) 37 24 oder unter finale@tgsaar.de möglich.

 
 

 

       12.11.07

TG Saar mit einem Bein im Ligafinale
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 12.11.2007

Kunstturnen: TG Saar feiert Heimerfolg gegen Wetzgau – Ein Sieg fehlt noch

Die Bundesliga-Turner der TG Saar stehen nach dem 46:17- Heimsieg gegen Wetzgau vor dem größten Erfolg seit 25 Jahren. Jetzt noch ein Sieg in München, dann geht es im Liga-Finale sogar um Gold.

Von SZ-Redakteur
Roland Schmidt

Dillingen. Das soll mal einer verstehen: Erst rufen sie lauthals „steh!“, und als Waldemar Eichorn der Aufforderung der Teamkollegen mit einer punktgenauen Landung vom Reck nachkommt, werfen sie ihn einfach um. Freudetrunken liegen sich die Kunstturner der TG Saar nach dem 46:17-Sieg gegen Wetzgau auf der großen Weichboden- Matte in den Armen. Im Schluss-Duell des letzten Heimwettkampfs hat Eichorn gegen den starken Rumänen Razvan Selariu soeben ein Remis geturnt, und deshalb muss er in der Kreissporthalle in Dillingen jetzt die stürmischen Umarmungen der Freunde aushalten. „Bronze ist uns schon so gut wie sicher“, schüttelt TG-Athlet Max Rupp den Kopf und schaut fast ungläubig auf das Ergebnis, „damit haben wir selbst nicht gerechnet. Das ist einfach irre.“ Irre war auch das Tempo, das die Gastgeber vor rund 400 Zuschauern vorlegten. Nach deutlichen Siegen am Boden (12:0), am Pauschenpferd (8:2) und an den Ringen (10:0) führte die Heimmannschaft zur Pause bereits mit 30:2. In der zweiten Wettkampf-Hälfte holte Wetzgau auf, gewann die Geräte Sprung (4:2) und Reck (7:3), ohne den Sieg der TG Saar allerdings ernsthaft zu gefährden. Neben den überzeugenden Mehrkämpfern Anton Fokin (Top-Scorer mit 12 Punkten) und Waldemar Eichorn (7) waren es erneut die Turner aus der zweiten Reihe, die erfolgreich waren. Philipp Matzke punktete am Boden (4) und beim Sprung (2), Max Rupp an den Ringen (4), Thorsten Michels am Barren (4), Bruder Jerome am Barren (4) und am Reck (3). Einen Kurzeinsatz hatte auch Eugen Spiridonov. Der Star der TG Saar holte an seinem Paradegerät Pauschenpferd gegen den Rumänen Selariu vier Zähler.

 

Der Höhenflug der TG Saar geht weiter: Hier zeigt Waldemar Eichorn beim Heimkampf gegen Wetzgau sein Können am Barren. Foto: rup

Aus fünf von sechs Bundesliga- Duellen ging die Riege des Trainer-Duos Viktor Schweitzer
und Benno Grohs bislang als Sieger hervor. Nur gegen Titelverteidiger Cottbus gab es eine Niederlage. Die Chancen auf eine schnelle Revanche stehen nun allerdings bestens. Ein Sieg
noch im letzten Wettkampf in München, und der Tabellenzweite trifft die Lausitzer am 23. November beim Liga-Finale in Heidelberg wieder. Während die TG Saar beim FC Bayern aber noch um den Einzug schwitzen muss, steht der ungeschlagene Tabellenführer nach seinem 58:15-Heimsieg gegen München bereits als erster Finalist fest. „Wenn wir unsere Übungen gegen die Bayern so konzentriert durchturnen wie heute“, sagt Max Rupp, „dann gewinnen wir und machen das Unmögliche wahr.“ Der letzte Final-Einzug gelang der TG Saar vor genau 25 Jahren. Als die Saarländer 1982 in München ihren Titel verteidigten, war Max Rupp allerdings noch nicht geboren.

 
 

 

       09.11.07

Samstag: Letzter Heimwettkampf der Saison
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 09.11.2007

Kunstturnen: Letzter Heimkampf der TG Saar am Samstag gegen den TV Wetzgau

Der Traum vom Bundesliga-Finale könnte für die Kunstturner der TG Saar in dieser Saison wahr werden. Im letzten Heimkampf gegen Wetzgau will die Riege den ersten der zwei noch nötigen Siege hierfür landen.

Von SZ-Redakteur
Roland Schmidt

Saarbrücken. Flotte Langschwünge am Reck, abenteuerliche Tempo-Bahnen am Boden – in der Halle 1 der Saarbrücker Sportschule wird noch härter trainiert als sonst. Am Samstag um 17 Uhr müssen die schwierigen Elemente sitzen. Denn dann turnt die TG Saar in der Kreissporthalle Dillingen einen der wichtigsten Wettkämpfe der jüngeren Geschichte. Ein Heimsieg gegen Wetzgau ist ein Muss, anschließend ein Erfolg beim FC Bayern München – und ein lang gehegter Traum könnte wahr werden. „Wir würden ins Liga-Finale einziehen und dort um die deutsche Meisterschaft kämpfen“, sagt TG-Manager Paul Rupp, „das letzte Mal ist uns das vor 25 Jahren gelungen.“ 1982 verteidigte der amtierende deutsche Meister in München seinen Titel. Rupp war Trainer. Benno Grohs, heute Co-Trainer, sammelte an den Geräten fleißig Punkte. Dass es in der aktuellen Saison so gut läuft, damit hatten beide nicht gerechnet.

Thorsten Michels glaubt fest an einen Heimsieg der TG Saar gegen Wetzgau. Foto: rup

Großen Anteil am Erfolg hat sicherlich Neuzugang Anton Fokin, derzeit bester Turner der Liga. „Ein absoluter Glücksgriff“, schwärmt Rupp. Mit 86 Punkten führt der Usbeke die Bundesliga- Rangliste an. Gegen Wetzgau will Fokin nachlegen. Er tritt an allen sechs Geräten an. Wie Waldemar Eichorn, der gerade beim DTB-B-Kaderüberprüfungsturnen in Schwäbisch- Gmünd mit 84,90 Punkten eine Bestleistung turnte. In Top-Form ist auch Eugen Spiridonov. Seine von Bundestrainer Andreas Hirsch erlaubten drei Bundesliga-Einsätze hat er zwar schon hinter sich. An einem Einzel-Gerät dürfen die Nationalturner aber zusätzlich antreten. Diese letzte Option zieht er gegen Wetzgau an den Ringen. Aber am Samstag wird es auch auf die TG-Turner aus der zweiten Reihe ankommen. So wie beim letzten Auswärtsduell. „Da haben wir eine tolle Teamleistung gezeigt“, denkt Thorsten Michels gerne an den Sieg in Heidelberg zurück. Wie Bruder Jerome, Philipp Matzke, Max Rupp und Ivan Bykov startet der 29-Jährige nur an einzelnen Geräten. Dann aber mit vollem Einsatz. Vor Wetzgaus Nationalturner Helge Liebrich und dem Rumänen Razvan Selariu hat der Ringe- und Barren-Spezialist keine Angst: „Die schlagen wir, ich habe ein gutes Gefühl.“ Sein Tipp fürs Finale steht auch schon: „Cottbus gegen TG Saar.“

 
 

 

       10.10.07

Der Punkte-Garant aus Usbekistan
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 10.10.2007

Wenn die Riege der TG Saar den Endkampf der vier besten Bundesliga-Teams erreicht, dann hat Gastturner Anton Fokin aus Usbekistan daran großen Anteil. Am Samstag geht er gegen Stuttgart auf Punktejagd.

Von SZ-Redakteur
Klaus Kalsch

Saarbrücken. Anton Fokin gehört zu den besten Turnern der Welt. Bei der WM in Stuttgart vor wenigen Wochen holte sich der 25-jährige Usbeke Bronze am Barren. Seit 2000 macht er bei allen internationalen Wettkämpfen eine gute Figur. Seit einigen Wochen auch als Gastturner für die TG Saar in der Bundesliga.

 

In der neuen Umgebung hat sich Fokin auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Und wenn er von den Bedingungen an der Saarbrücker Sportschule spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. Zumindest die Übersetzung von Eugen Spiridonov – in Stuttgart umjubelter Bronze-Medaillen- Gewinner mit dem Turnteam Deutschland – klingt so. „Davon können wir zu Hause nur träumen. Unterkunft, Verpflegung und Trainingsmöglichkeiten sind vorbildlich“, sagt Fokin.

Besonders möchte er herausgestellt wissen, „dass ich mich mit den Mannschaftskameraden, den Trainern und Betreuern gut verstehe“. Am besten natürlich mit Kumpel Spiridonov. Beide können sich in Russisch unterhalten. Eugen spricht zudem perfekt Deutsch. Das macht die Wege einfacher. Auch in der Familie Spiridonov hat Anton Fokin schnell Anschluss gefunden. Er fühlt sich also gut „äschdamiert“, wie die Saarländer sagen, wenn sie sich wohlfühlen. Untergebracht ist Fokin im Wohnheim an der Sportschule im Stadtwald. Die
Mensa liegt unmittelbar nebenan, und auch das Angebot dort begeistert ihn. Wunschlos glücklich, also? „Nicht ganz“, meint er und lächelt ein bisschen traurig. „Die Familie fehlt mir doch, ich habe schon Heimweh.“ Kein Wunder. Denn Zuhause in Usbekistan warten Frau und die fünfjährige Tochter. „Deshalb freue ich mich, wenn ich wieder zurück kann.“ Dort wird er dann auch jede Menge Bilder von Saarbrücken zeigen können. „Er hat sich einen Fotoapparat gekauft und knipst wie ein Wilder“, erzählt Eugen Spiridonov vom neuen Hobby des Freundes. Bis Mitte November der Flieger in Richtung Heimat abhebt, will sich Anton Fokin jedoch ganz in den Dienst der TG Saar stellen. Denn die will ins Finale der vier besten deutschen Turn- Riegen. Und das lässt sich nur realisieren, wenn vor allem auch Anton Fokin Top-Leistungen bringt. Wie in den bisherigen drei Kämpfen. Keiner aus der Saar-Riege war so oft an den Geräten. Keiner hat so viele Punkte erturnt wie der 25-Jährige. Das hat man beim STB von ihm aber auch erwartet, als man ihn für die Position des Ausländers verpflichtete. „Anton Fokin hat unser Vertrauen bisher voll gerechtfertigt“, lobt STB Präsident Dr. Kurt Bohr. „Er ist genau der Allrounder, den wir gesucht haben. Außerdem passt er auch menschlich sehr gut zu uns“, ergänzt TG-Manager Paul Rupp. Schon am Samstag ab 17 Uhr will Fokin seine Extraklasse in der Dillinger Kreissporthalle gegen den mehrfachen deutschen Meister KTV Stuttgart unter Beweis stellen. Die haben mit Thomas Andergassen ebenfalls einen Mannschafts-Bronze-Gewinner in ihren Reihen und gehören auch in diesem Jahr zu den Liga-Favoriten.  Anton Fokin will – wie gewohnt – „wieder alles geben“.

 
 

 

       07.09.07

Das "Wunder von Stuttgart" ist perfekt
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 07.09.2007

Was vorher kaum jemand zu träumen wagte, ist eingetreten: Das Turn-Team Deutschland mit dem Saarbrücker Eugen Spiridonov gewann gestern bei der WM in Stuttgart Bronze mit der Mannschaft.

Von SZ-Redakteur
Klaus Kalsch

Stuttgart. Auch der Deutsche Turnerbund hat sein Sommer- Märchen. Das Turn-Team Deutschland gewann gestern bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart die Bronze-Medaille im Mannschafts-Finale und schaffte damit die Sensation, von der vorher nur wenige zu träumen gewagt hatten. Gold holten sich die Chinesen, die Japaner wurden Zweite. Doch von den 8000 restlos begeisterten Turn-Fans in der Hanns-Martin-
Schleyer-Halle wurde besonders das deutsche Team mit Fabian Hambüchen, Thomas Andergassen, Robert Juckel, Eugen Spiridonov, Marcel Nguyen und Philipp Boy gefeiert. Die Zuschauer hatten drei Stunden lang einen an Spannung kaum zu überbietenden Wettkampf erlebt. Und wurden Zeugen eines „historischen Ereignisses“, denn seit 18 Jahren stand wieder eine deutsche Mannschaft auf dem Podium einer Turn-Weltmeisterschaft.

Dabei hatte der Wettbewerb so ganz optimal nicht für die Deutschen begonnen. Siebter
war sie nach dem Pauschenpferd, letzter gar nach den Ringen. Doch danach rollten sie das
Feld von hinten auf. Und als dann Fabian Hambüchen mit seiner Flugschau am Reck für die schwierigste Übung der Welt mit 16.125 Punkten belohnt wurde, standen sie erstmals auf dem ersehnten Medaillenrang. Trotz des verpatzten Abgangs von Philipp Boy am gleichen Gerät. Aber auch die Amerikaner und Koreaner zeigten Nerven. Endgültig perfekt war das ,,Wunder von Stuttgart“, als dem deutschen Trio auch noch bei den abschließenden Bodenübungen fast alles gelang. 273, 525 Punkte, das war der dritte Platz.

Gewohnt zuverlässig sammelte auch Eugen Spiridonov im Hexenkessel Schleyer-Halle seine Punkte. „Ich bin vollauf zufrieden mit meinen vier Einsätzen“, strahlte der 25-Jährige hinterher. Spiridonov hatte die schwierige Aufgabe, als erster deutscher Turner überhaupt in
diesem Finale den „Eisbrecher“ spielen zu müssen. Und das am „Zittergerät“, dem Pauschenpferd. „Als ich das gut hinter mich gebracht hatte, war ich sicher, dass ich einen guten Wettkampf turnen würde“, sagte der Saarbrücker in Diensten des TV Bous. Es gelang ihm fast perfekt, auch bei seinen weiteren Auftritten beim Sprung, am Barren und vor allem am Boden. Vor allem dort wurden seine Nerven besonders strapaziert, weil er vor seinem Auftritt lange warten musste. „Diese mentale Stärke ist es, die Eugen auszeichnet“, lobte Cheftrainer Andreas Hirsch in der Pressekonferenz, „er hat genau das gebracht, was ich von ihm erwartet habe.“

Typisch Andreas Hirsch: Auch in der Stunde des Triumphes spielte der Trainer seinen Anteil daran herunter: „Die Mannschaft ist der Star, ich freue mich riesig für die Jungs, dass sie mit der Medaille den verdienten Lohn in den Händen halten dürfen.“ Die Sammlung kann heute schon ausgebaut werden, denn Fabian Hambüchen startet als Vierter in den Mehrkampf-Wettbewerb. Als Zehnter ist Philipp Boy als zweiter DTB-Turner dabei.

 
 

 

       06.09.07

Mister Zuverlässig träumt von Bronze
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 06.09.2007

Am Dienstag hatte er großen Anteil am dritten Platz der deutschen Turner bei der Mannschafts-Qualifikation. Heute will sich Eugen Spiridonov in Stuttgart den Traum von einer WM-Medaille erfüllen.

Stuttgart. Eugen Spiridonov konnte es auch am Mittwochmorgen noch gar nicht so recht fassen. „Das, was gestern Abend abgegangen ist, war einfach fantastisch“, schüttelt der 25-jährige Turner vom TV Bous in seinem Stuttgarter Hotelzimmer immer noch ungläubig den Kopf – die Stätte die Triumphs vom Vorabend in Sichtweite. Dort, in der Hanns-Martin- Schleyer-Halle, waren nur wenige Stunden vorher 8000 Zuschauer als Zeugen „der Wiedergeburt des deutschen Turnsports“ total aus dem Häuschen gewesen.

Das Turn-Team Deutschland hatte sich nicht nur für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert, sondern turnt als Gesamtdritter der Vorrunden- Gruppen heute Nachmittag ab 14 Uhr sensationell sogar um WM-Medaillen im Mannschaftswettbewerb mit. „Das war der ersehnte Tag und das ersehnte Ergebnis“, strahlte Cheftrainer Andreas Hirsch sichtlich gerührt in der anschließenden Pressekonferenz. „Das ist der Beweis, dass wir in den letzten Monaten alles richtig gemacht haben“, freut sich Eugen Spiridonov am Morgen danach. „Und dass die Quälerei sich gelohnt hat“, lacht er. Sicher wäre er am Dienstag gerne an allen sechs Geräten an den Start gegangen, um sich auch für das Mehrkampf-Finale zu qualifizieren. Dass er jedoch nur vier Mal eingesetzt wurde, „hatte taktische Gründe, die ich
akzeptiere“. Ganz im Dienst der Mannschaft erwies sich Spiridonov dann als Mister Zuverlässig und legte einen sauberen Wettkampf hin: 16,050 Punkte im Sprung mit dem spektakulären Tsukahara mit zweieinhalb Schrauben als Abschluss, 15,175 Punkte am Barren, glatte 15 Punkte am Boden und – als Bester der deutschen Riege – 14,900 Punkte am Pferd, waren sein Beitrag zum Gesamtergebnis von 364,35 Punkten.

Jetzt hofft der Saarbrücker vom TV Bous, dass er diese Form auch beim heutigen Wettkampf
bringen kann. Auch dabei spielt die taktische Aufstellung wieder eine große Rolle. „Doch egal, an wievielen Geräten ich ran darf, ich werde wieder alles geben“, verspricht er. „Auch für die, die mit dazu beigetragen haben, dass ich hier so fit an den Start gehen kann.“
Viktor Schweizer dankt er besonders, seinem Landestrainer, aber auch Gregory Misiutin, mit
dem er an der Sportschule arbeitet, und dem Physiotherapeuten Patrick Legroux, „ohne den ich wahrscheinlich gar nicht hier wäre“. Dass beim heutigen Finale die Chinesen und Japaner nicht zu schlagen sind, weiß Eugen Spiridonov natürlich. Er ist aber auch so selbstbewusst, zumindest mal „von einer Bronze-Medaille zu träumen“. Gelingt das wirklich, wird die Schleyer-Halle wieder Kopf stehen. Auch der Präsident des Saarländischen Turnerbundes, Dr. Kurt Bohr, wird dort wieder die Daumen drücken. Bohr war begeistert von der „wunderbaren Atmosphäre“ und voll des Lobes für Eugen Spiridonov: „Ich bin sehr stolz auf ihn. Mit dieser Leistung wird das Turnen im Saarland sicher einen weiteren Schub nach vorne bekommen.“

 
 

 

       21.08.07

Spiridonov will bei der WM Taten sprechen lassen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 21.08.2007


Turner des TV Bous bereitet sich auf Titelkämpfe in Stuttgart vor - Olympia-Qualifikation mit der Mannschaft als Ziel
Von SZ-Mitarbeiter Sascha Sprenger
Eugen Spiridonov vom TV Bous ist der einzige saarländische Turner bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart. Der deutsche Meister am Boden blickt bereits auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking.
 

Saarbrücken. Eugen Spiridonov ist kein Mann der großen Worte. Er lässt lieber Taten sprechen. Deshalb gibt sich der 25-jährige Turner des TV Bous recht einsilbig, als er bei der Präsentation des Saarländischen Turnerbundes (STB) nach seinen Zielen für die anstehende Weltmeisterschaft in Stuttgart (1. bis 9. September) angesprochen wird. "Die Übungen stehen soweit, zurzeit werden sie verfeinert und stabilisiert", erklärt der deutsche Meister am Boden. Seinen Sprung habe er noch einmal aufgewertet. "Er zeigt jetzt eine halbe Schraube mehr beim Zukahara", verrät Trainer Viktor Schweizer. Zweieinhalb Schrauben sind es nun bei diesem speziellen Rückwärtssalto, was die Ausgangswertung des Sprungs in die absolute Weltklasse hebt. Spiridonov zeigte die Übung erstmals beim Länderkampf in der Schweiz. Erst danach legte Bundestrainer Andreas Hirsch das WM-Team fest. Die Nominierung Spiridonovs war nach dem Gewinn des ersten Qualifikationsturniers und der starken Leistung bei der DM aber nur noch Formsache.

Der Bouser dürfte aufgrund seiner Vielseitigkeit in Stuttgart ein wichtiger Bestandteil des "Turn-Teams Deutschland" werden. Alle sechs nominierten Turner verbindet ein großes Ziel: die Qualifikation für Olympia 2008 in Peking. Dafür muss das deutsche Team in die Endrunde der besten Zwölf kommen. "Eugen ist meist der Erste, der an ein Gerät muss", erklärt Schweizer. "Jeder traut ihm also eine starke Leistung und starke Nerven zu."

Sich an den Einzelgeräten oder im Mehrkampf für Olympia zu qualifizieren, wird ungleich schwerer. Doch da kann der Mannschaftswettbewerb mitentscheiden. Denn die besser platzierten Teams dürfen mehr Turner für Peking nominieren. "Wenn wir uns mit der Mannschaft qualifizieren, dann ist der Druck für die Turner weg und das große Ziel schon einmal erreicht", hofft Landestrainer Schweizer. Dann seien auch weitere gute Platzierungen möglich. An welchen Geräten Spiridonov startet, steht noch nicht genau fest. Schweizer: "Boden, Pferd, Sprung und Barren dürften klar sein. Reck und Ringe werden wohl kurzfristig entschieden." Wegen seiner Schulter hatte er an diesen Geräten im vergangenen Jahr einige Probleme. Aber Spiridonov gibt Entwarnung: "Es schmerzt kaum noch. Ich denke, dass ich auch da starten könnte."

STB-Präsident Dr. Kurt Bohr baut bezüglich der Olympia-Quali derweil auf das Gesetz der Serie: "1984 war der Saarländer Benno Groß in Los Angeles, 1996 in Atlanta war es Sergej Charkov. 2008 wäre das Saarland also wieder einmal an der Reihe."

Diese Überlegungen bekommt Eugen Spiridonov schon gar nicht mehr mit. Er hat sich schon mit einem Gruß und einem kurzen Winken in die benachbarte Turnhalle verabschiedet. Training war angesagt, so wie beinahe jeden Tag. Taten statt Worte eben. Denn in Stuttgart gilt es für ihn. "Sechs Stunden trainieren wir pro Tag, wenn wir in Kienbaum sind. Dazu noch Ausdauereinheiten", beschreibt er die Tage am Bundesleistungszentrum. Dort findet auch seit vergangener Woche der Abschlusslehrgang statt. Der letzte Schliff für das Ziel Olympia-Qualifikation. "Boden, Pferd, Sprung und Barren dürften klar sein. Reck und Ringe werden wohl kurzfristig entschieden."

 
 

 

       09.07.07

Spiridonov hat WM-Ticket in der Tasche!
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 09.07.2007

Kunstturner des TV Bous gewinnt den ersten Qualifikations-Wettkampf in Dessau – Eichorn nach Rang zwölf ohne weitere Chancen

Dessau. In Abwesenheit von Fabian Hambüchen trumpfte Eugen Spiridonov vom TV Bous souverän auf. Aber Cheftrainer Andreas Hirsch hatte nach der ersten WM-Qualifikation der deutschen Turner Sorgenfalten auf der Stirn. „Wir haben gesehen, dass wir allein mit den hier anwesenden Leuten nicht konkurrenzfähig sind. Also müssen wir auf die hoffen, die nicht in Dessau waren“, läutete Hirsch acht Wochen vor den Weltmeisterschaften in Stuttgart die Alarmglocken. Reck-Europameister Hambüchen ist für die WM-Riege gesetzt und verzichtete daher auf den Wettkampf. Doch auch auf Philipp Boy liegen die Hoffnungen des Cheftrainers. Der 19-jährige Cottbuser befindet sich nach einer Fuß-Operation im März noch
im Aufbautraining. Lobende Worte vom Coach erhielt somit nur der Sieger. Spiridonov, der wegen Schulterbeschwerden seit der WM vor fast neun Monaten keinen Sechskampf bestritten hatte, überzeugte beim Comeback durch Konstanz an allen Geräten (88,75). „Aus heutiger Sicht gibt es kein Fragezeichen: Eugen wird in Stuttgart dabei sein“, fasste Hirsch zusammen. „Das hat gepasst, darauf lässt sich aufbauen“, meinte der Saarländer, der in vier Übungen neue Schwierigkeiten einbaute und passabel präsentierte. Waldemar Eichorn vom TV Dillingen dürfte nach seinem zwölften Platz in Dessau (78,20) keine WM-Chance mehr haben. Im Gegensatz zu anderen: Routinier Robert Juckel musste sich trotz Rang zwei (88,05) Kritik gefallen lassen. „Ich hätte mich gefreut, wenn Robert unzufriedener gewesen wäre“, drückte sich Trainer Hirsch diplomatisch aus. An dem 25-jährigen Cottbuser wird er bei der Formierung der WM-Riege allerdings nicht vorbeikommen. Denn auch die 19-jährigen Steve Woitalla (Cottbus/ 3.), Brian Gladow (Berlin/4.) und Marcel Nguyen (Unterhaching/5.), hatten zu viele Fehler in ihren Programmen. dpa/red

 
 

 

       04.07.07

Zwei, die auf die Zähne beißen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 04.07.2007

Von SZ-Mitarbeiter Sascha Sprenger
Auch wenn beiden eine lädierte Schulter Sorgen bereitet: Die Kunstturner Waldemar Eichorn und Eugen Spiridonov hoffen, sich für die Weltmeisterschaften im September in Stuttgart qualifizieren zu können.


Saarbrücken. Der Blick geht immer wieder auf die lädierte Schulter. Sowohl Eugen Spiridonov als auch Waldemar Eichhorn schauen beim Training des Öfteren mit schmerzverzerrtem Gesicht darauf, wenn die Belastung für einen Moment zu hoch wird. Aber die beiden Turner werden auf die Zähne beißen und sich nichts anmerken lassen. Denn sie haben ein großes Ziel: Sie wollen sich für die Weltmeisterschaften Anfang September in Stuttgart qualifizieren.
 


Dazu gibt es zwei Gelegenheiten: Das Qualifikationsturnier am Samstag in Dessau sowie die deutschen Meisterschaften am 20. Juli in Gießen. Die Ergebnisse beider Veranstaltungen sowie die Form im Vorbereitungslehrgang im Bundesleistungszentrum Kienbaum (ab 30. Juli) entscheiden darüber, welche sieben Turner ihr Land beim Heimspiel vertreten.

Gerade Spiridonov ordnet seinem großen Ziel derzeit alles unter. Er verschob sogar eine Operation und ließ seine linke Schulter konventionell behandeln. Denn eine OP hätte den 25-Jährigen die WM und damit das Ticket zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking gekostet. "Der Heilungsprozess ist auch so ganz gut verlaufen. Nur ab und an hat er noch Schmerzen", erklärt Trainer Viktor Schweizer. Bei Eichorn (21) zwackt es auf der rechten Seite. Beide Verletzungen resultieren aus den erhöhten Anforderungen an Geräten wie den Ringen oder dem Barren. "Dort sind mittlerweile Elemente vorgeschrieben, die den Schulterbereich immens belasten. Damit haben weltweit viele Turner Probleme", weiß der Trainer.

Waldemar Eichorn schätzt seine Chancen auf die WM-Qualifikation eher gering ein. "Da muss man realistisch sein. Ich sage nicht, dass ich keine Chance habe, aber es wird sehr schwer. Der Eugen ist da als Vize-Europameister am Pauschenpferd schon näher dran. Er weiß auch, wie es ist, auf großen Turnieren zu turnen. Meine Erfahrungen beschränken sich da auf den Jugendbereich."

Aber gerade in Dessau können die beiden saarländischen Vorzeigeturner besonders auf sich aufmerksam machen. Denn Favoriten wie Fabian Hambüchen, Philipp Boy oder Thomas Andergassen werden dort fehlen. Und nur der zweifache Reck-Europameister Hambüchen ist für die WM gesetzt. "Es geht einfach darum, in Dessau so gut wie möglich zu turnen. Rechnen oder eine bestimmte Platzierung vorzugeben, wird nichts bringen", sagt Eugen Spiridonov. Und so lange die Schultern halten, dürfen Spiridonov und Eichorn weiter von der WM träumen.

 
 

 

      10.04.07

EM kommt für Eichorn wohl noch zu früh
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 10.04.07

Waldemar Eichorn

Von SZ-Mitarbeiter Florian Lösch


Die Kunstturn-Europameisterschaften Ende des Monats in Amsterdam werden wohl ohne Waldemar Eichorn über die Bühne gehen. Zumindest glaubt der 20-jährige Saarländer nicht mehr an seine Nominierung.

Saarbrücken. Der 3. März war ein guter Tag für Waldemar Eichorn. Erstmals nach zwei Jahren und vielen Verletzungen hatte es der Kunstturner vom TV Dillingen zurück in die Nationalmannschaft geschafft. Die Formkurve des 20-Jährigen zeigte steil nach oben - och offenbar ging es nicht schnell genug. Bei den Europameisterschaften von 26. bis 29. April in Amsterdam wird Eichorn wohl nicht dabei sein.
Erste Anzeichen dafür gibt seine nächste Einladung nach Kienbaum, wo die meisten Lehrgänge mit Cheftrainer Andreas Hirsch durchgeführt werden. "Der Trainer hat gesagt, ich soll am 15. April da sein und vorturnen", sagt Eichorn etwas zerknirscht. Die internen Ausscheidungen für die EM werden allerdings schon kommenden Dienstag in Kienbaum ausgetragen - ohne den talentierten Saarländer, dem vor zwei Wochen beim World Cup in Kiew an Boden und Reck der Einzug ins Finale gelang.
Dennoch soll Eichorn fünf Tage später seine Künste dem Bundestrainer präsentieren. Hoffnungen hat er aber keine mehr. "Die EM ist wahrscheinlich zu früh für mich", sagt Eichorn, der trotzdem ein vielversprechendes Jahr in Aussicht hat: "Wenn ich hundertprozentig weiß, dass ich in Amsterdam nicht mitturne, werde ich beim World Cup Mitte Mai in Moskau teilnehmen", sagt der Sportsoldat. Das Turnier in der russischen Hauptstadt wäre gleichzeitig Eichorns nächster Schritt zur Verwirklichung seines großen Ziels im Jahr 2007. Bei den deutschen Meisterschaften im Juli will er in Topform sein.
Die Besten der nationalen Wettkämpfe erhalten ein Ticket für die WM Anfang September in Stuttgart, die wiederum die Qualifikation für Olympia 2008 in Peking bedeuten. "Ich werde auf jeden Fall alle Lehrgänge in Kienbaum mitmachen und mich reinhängen", sagt Eichorn. "Eine Teilnahme an der EM wäre schon gut, um noch mehr Erfahrung und Wettkampfpraxis zu sammeln", erzählt der Dillinger, weiß aber auch, "dass in Amsterdam vorrangig die Spezialisten an den einzelnen Geräten gefragt sind". Damit meint er Turner wie Fabian Hambüchen oder Thomas Andergassen. Eugen Spiridonov vom TV Bous, der normalerweise auch in diese Liste gehört, wird nach langer Verletzungspause auf keinen Fall in Amsterdam das deutsche Trikot überstreifen. Dies blüht nun auch Eichorn.

 
 

 

       27.11.06

Heimsieg gegen Monheim
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 27.11.06

Max Rupp holte gegen den TSV Monheim die meisten Punkte für die TG Saar. Foto: rup

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt


Mit dem 66:20-Heimsieg vor 600 Fans gegen Monheim entledigt sich die TG Saar in der Kreissporthalle Dillingen aller Abstiegssorgen. Top-Scorer in seinem Kunstturn-Wohnzimmer wurde der 18-jährige Dillinger Max Rupp.

Dillingen. Nach dem erfolgreichen Bundesliga-Wettkampf gegen den TSV Monheim weiß TG-Saar-Turner Maximilian Rupp irgendwie nicht so recht, über was er sich nun am meisten freuen soll. Über den souveränen 66:20-Heimsieg gegen das Liga-Schlusslicht, den damit verbundenen vorzeitigen Klassenverbleib, oder das Trikot des Top-Scorers, das ihm TG-Saar-Präsident Jürgen Leiner gerade bei der Siegerehrung in die Hände drückt. An vier Geräten ging der 18-Jährige für die Saarländer in der Kreissporthalle Dillingen an den Start. Alle Duelle gewann er deutlich. Sogar die Sechskämpfer Waldemar Eichorn (TG Saar) und Laszlo Czingli (Monheim) konnten dem Deutschen Juniorenmeister am Sprung an diesem Abend nicht das Wasser zu reichen. "Es lief einfach optimal, ein super Wettkampf. Ich hatte aber auch Glück", strahlt der bescheidene Dillinger später mit seinem neongelben Leibchen um die Wette.

Im Wettkampf musste Max als erster Turner auf die Matte. Wie immer. "Es ist schon komisch, aber irgendwie habe ich mich daran gewöhnt", sagt er. Seine Kür am Boden im direkten Vergleich mit Monheims Gabriel Wolf bringt den Gastgebern die ersten drei Zähler ein. Die Teamkollegen Ivan Bykow, Waldemar Eichorn und Eugen Spiridonov legen nach - und so führen die Gastgeber nach dem ersten Gerät bereits deutlich mit 17:0. Nach dem Pauschenpferd ist der Vorsprung sogar auf 27:1 angewachsen. "Wir haben jetzt schon mehr Punkte als beim Wettkampf in Cottbus", erinnert Co-Trainer Benno Grohs an das 14:83-Debakel und mahnt gleichzeitig. Auch die jüngste Schlappe in Stuttgart mit zwischenzeitlicher 19:12-Führung ist noch im Hinterkopf. Aber es geht munter weiter. Das Fehlen des ukrainischen Gastturners Andrei Isayev macht Rupp vergessen. "Er turnt stabil, wenn der ans Gerät kommt, habe ich keine Angst", sagt Grohs.

Mit seinen schwierigen Kraft- und Schwungelementen an den Ringen begeistert Max die 600 Zuschauer. Vier Punkte für den Nachfolger von Sergej Charkov im Amt des Mannschaftssprechers. Die Duelle am Sprung gewinnt die TG Saar danach mit 6:4, vier Punkte steuert Rupp bei. Altmeister Charkov turnte übrigens nur am Barren (9:7). Trotz eines Muskelfaserrisses in der Brust holt er dort fünf Punkte. "Das war ich den Fans und meinen Nachwuchsturnern auf der Tribüne einfach schuldig", stöhnt der Olympiasieger und drückt sich einen Eisbeutel auf die schmerzende Stelle.

Die Überlegenheit der Gastgeber im abschließenden Reck-Finale ist dann überdeutlich. Nach den 17:0 Punkten - fünf Zähler steuerte Max Rupp bei - steht am Ende ein deutlicher Sieg. "Der Klassenverbleib ist geschafft", resümiert Trainer Viktor Schweizer, "jetzt können wir ohne Druck in die letzten zwei Wettkämpfe gehen."

 
 

 

       19.08.06

Duell zwischen Spiridonov und Hambüchen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 19.08.06

Von Mark WEISHAUPT (SZ) und Nils B. Bohl (DPA)

Die deutschen Turner müssen am Samstag in Berlin in ihre erste WM-Qualifikation. Die Favoriten heißen Fabian Hambüchen und Eugen Spiridonov (TV Bous).

 Berlin. Die besten deutschen Turner um ihren Star Fabian Hambüchen nehmen am Samstag die erste Qualifikation für die unmittelbar bevorstehende Weltmeisterschaft im dänischen Aarhus (14. bis 21. Oktober) in Angriff. Bei dem Wettbewerb in Berlin möchten sich Hambüchen, Eugen Spiridonov (TV Bous, Foto: rup) und Co. bei Cheftrainer Andreas Hirsch für die WM-Riege empfehlen. In Aarhus erhalten die besten 24 Mannschaften eine Fahrkarte für 2007 in Stuttgart, wo sich dann die besten zwölf Teams für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren.

Seit seinem überraschenden Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft im griechischen Volos hat sich Spiridonov gerade einmal eine Woche Urlaub gegönnt. Ansonsten waren die Wochen voll gepackt mit Prüfungen für sein Sportlehrer-Diplom - und natürlich Training, Training und nochmals Training. Vor allem der zehntägige Lehrgang in Kienbaum zehrte an den Kräften. "Eigentlich fühle ich mich ein wenig müde", sagte Spiridonov noch vor einer Woche. Auf die Zielsetzung für den Wettkampf in Berlin hat sich die kleine Müdigkeit aber nicht ausgewirkt. "Klar will ich die Berliner WM-Qualifikation gewinnen", sagt Spiridonov, "und dann heißt es, über die deutschen Meisterschaften Anfang September in Stuttgart in gute WM-Form zu kommen." Neben Spiridonov vertritt auch Waldemar Eichorn (TV Dillingen) die saarländischen Farben in Berlin.

Die Turnexperten erwarten in Berlin einen Zweikampf zwischen Spiridonov und Fabian Hambüchen. Der "Turn-Professor", wie der angehende Abiturient genant wird, weilte zuletzt zwei Wochen im Turn-Camp der Japaner in Yokohama. Dort hat Hambüchen in seine Bodenübung ein spektakuläres Element eingebaut. Ein "Lou Yun" (Zweifach-Salto seitwärts mit Dreivierteldrehung) soll den Reck-Spezialisten künftig auch in dieser Disziplin aufs Treppchen katapultieren. Bei Bundestrainer Hirsch löste die Nachricht noch keine spontanen Freudensprünge aus. Zunächst will er sich aber einmal von der Stabilität des neuen Hambüchen-Teils überzeugen. Seine Erfolgsformel für den Samstag ist einfach: "Die Qualifikation war erfolgreich, wenn unsere besten acht Turner ihre Übungen stabil präsentieren."

Zurückkehren auf die Turnbühne wird in Berlin nach fast einem Jahr auch Matthias Fahrig, der allerdings noch Trainingsrückstand nach einer Mandeloperation hat. Der 20-jährige Hallenser war nach der WM in Melbourne 2005 aus disziplinarischen Gründen aus dem Nationalmannschafts-Kader geflogen. "Vielleicht hat mir so ein kleiner Rempler gefehlt, damit ich mal wieder klar im Kopf geworden bin", sagte das Sprung-Talent. "Was in Melbourne abgelaufen ist, war schon Mist, und ich habe mich dafür beim Trainer auch entschuldigt."

 

 
 

 

       04.04.06

"Olympiasieg ist mein Ziel"
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 06.04.06

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt
Dillingen. Fabian Hambüchen kommt! Der Superstar der deutschen Kunstturn-Szene tritt am Samstag, 17 Uhr, mit dem Deutschen Meister KTV Straubenhardt gegen die TG Saar an. Gelingt der Saar-Riege von Viktor Schweizer nach dem Kantersieg in Halle zu Hause der nächste Coup? Das Bundesliga-Duell in der Kreissporthalle Dillingen verspricht Hochspannung. SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt sprach vorab mit dem neuen Hoffnungsträger der deutschen Turner.
 

Herr Hambüchen, Sie büffeln gerade für eine wichtige Mathe-Klausur. Leidet darunter Ihre Vorbereitung auf den Wettkampf gegen die TG Saar?

Fabian Hambüchen: Nein, ich muss mein Training nicht zurückfahren. Die Schule endet meist um 14 Uhr. Um 15 Uhr gehe ich dann in die Halle und trainiere bis 20 Uhr. Abends mache ich meine Hausaufgaben, lerne und gehe anschließend schlafen.

Der Heim-Sieg gegen Cottbus war hauchdünn. Was war los?

Hambüchen: Wir lagen nach drei Geräten schon weit hinten und haben nicht mehr an einen Sieg geglaubt. Aber wir haben weiter gekämpft und mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Das war schon ganz schön knapp.

Nervenkitzel pur - dabei mögen Sie keinen Stress. Und der nächste Adrenalin-Kick ist programmiert. Robert Gal und Jeffrey Wammes fallen aus. Im Wettkampf gegen die TG Saar ruhen wieder mal alle Hoffnungen auf Ihnen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Hambüchen: Ich allein kann das auch nicht reißen. Das ganze Team muss gut turnen. Ein Mentaltraining mit meinem Onkel Bruno hilft mir, den Druck abzubauen. Ich habe jetzt auch einen Manager, der mich nach außen hin abschirmt. So kann ich mich voll auf Schule und Training konzentrieren.

Hat Sie der Sieg der TG Saar in Halle überrascht?

Hambüchen: Ja, die Höhe des Sieges war verblüffend. Die TG Saar hat aber mit Spiridonov, Eichorn und Charkov auch klasse Turner und mit Andrei Isayev einen neuen starken Mann hinzubekommen.

Isayev wird wegen einer medizinischen Untersuchung beim Militär nicht dabei sein. Wer ist also Favorit?

Hambüchen: Straubenhardt ist der Deutsche Meister. Die TG Saar hat einen besseren Start hingelegt. Das wird am Samstag ein enges Duell. Mal sehen, wie es läuft.

Sie treffen dann im direkten Vergleich auch auf Ihren Nationalmannschafts-Kollegen Spiridonov. Eine ungewohnte Situation?

Hambüchen: Nein, wir werden beide versuchen, unsere Übungen sauber und sicher durchzuturnen und für unsere Teams zu punkten.

Das Sportjahr 2006 läuft gut für Sie. Beim Turnier der Meister in Cottbus holten Sie zuletzt zwei zweite Plätze. Jetzt steht die EM im griechischen Volos vor der Tür. Ihr Ziel?

Hambüchen: Ich versuche dort natürlich, meinen Titel am Reck zu verteidigen. Ich werde mein Bestes geben.

Und Sie haben Ihre Reck-Übung mit einem schwierigen Flugteil aufgestockt. Sehen wir am Samstag den Kovacs-Salto mit ganzer Schraube?

Hambüchen: Je nachdem, wie es läuft. Wenn wir weit hinten liegen und am letzten Gerät voll angreifen müssen, werde ich alles riskieren. Es wäre auch ein guter Test für die Europameisterschaften Anfang Mai.

Einen TG-Saar-Turner kennen Sie besonders gut, oder?

Hambüchen: Ja, den Waldi (Waldemar Eichorn, Anm. d. Red.). Wir kennen uns schon seit acht Jahren, haben auf zwei Junioren-Europameisterschaften geturnt, lange zusammen trainiert und auf Reisen einiges erlebt. Wenn wir uns am Samstag treffen, werden wir unseren Spaß haben.

Letzte Frage: Ihr größter Wunsch?

Hambüchen: Traum eines jeden Sportlers ist natürlich eine Goldmedaille bei Olympia. Diesen Traum will ich mir eines Tages erfüllen. Und wenn es 2008 nicht klappt, dann vielleicht 2012. Mal sehen, wie lange ich noch turne.

Kartenreservierungen für das Duell der TG Saar mit Fabian Hambüchen und Co. beim Saarländischen Turnerbund unter der Telefonnummer (0681) 3879226.

 
 

 

       04.04.06

TG Saar turnt Chemnitz/Halle an die Wand!
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 04.04.06

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt
Toller Bundesliga-Auftakt der TG Saar beim Deutschen Vize-Meister. Mann des Tages beim 63:28-Triumph über Titelanwärter MTT Chemnitz/Halle war Andrei Isayev. Mit 23 Punkten turnte sich der Neuzugang aus der Ukraine auf Anhieb ins Gelbe Trikot des Top-Scorers.
 


Halle. Die TG Saar ist mit einem Paukenschlag in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Mit 63:28 Punkten turnte die Riege von Trainer Viktor Schweizer den Titelaspiranten MTT Chemnitz/Halle im ersten Auswärtskampf an die Wand. Da staunten nicht nur die Experten. Viele hätten im Vorfeld keinen Cent auf die Saarländer gesetzt - und dann diese Packung.

Der amtierende deutsche Vize-Meister, der mit den Auswahlturnern Mathias Fahrig, Christian Berczes und Marek Schmidt angetreten war, setzte voll auf Sieg. Doch es kam anders. Ein Garant für den Triumph der TG Saar war Neuzugang Andrei Isayev. Der Ukrainer trat an fünf Geräten an, holte vier Mal die maximale Punktzahl (fünf Punkte)und zeigte Nationalturner Mathias Fahrig beim Sprung seine Grenzen auf. Der Chemnitzer war sich nach einem gelungenen Überschlag mit Doppelsalto der Punkte bereits sicher. Bis Isayev kam und einen Doppelsalto rückwärts gebückt in die Luft zauberte. Dafür erhielt er drei Punkte. Mit 23 Punkten lag der Mann aus Kiew später auch in der Einzelwertung vorn. Sein Lohn: das Gelbe Trikot des Top-Scorers.

"Unser Joker", strahlte TG-Saar-Manager Paul Rupp, "Andrei hat sie alle verblüfft." Eugen Spiridonov war mit 18 Punkten zweitbester Punktesammler. Fehlerfrei erneut seine Darbietung am Pauschenpferd, für die er schon bei Europa- und Weltmeisterschaften beste Noten bekam. Nach dem ersten Duell am Boden lagen die Gäste mit 10:4 vorn. Sehenswert hier: Waldemar Eichorns Tempo-Bahn mit Salto rückwärts und zweieinhalbfacher Schraube. Das Ergebnis am Pauschenpferd: 16:0 für die Saarländer - die Sensation bahnte sich langsam an. Nach vier von sechs Geräten lag der vermeintliche Außenseiter in der Sporthalle Halle mit 41 Punkten vorn.

"Das konnten die rein rechnerisch gar nicht mehr aufholen", freute sich Max Rupp auch über sein gewonnenes Sprung-Duell. Der 16-jährige Neuling Ivan Bykov holte hier seine ersten Punkte für das Saar-Team. Die letzten zwei Geräte gingen schließlich an die Gastgeber. Ein Grund: Luft-Akrobat Sergej Charkov hatte sich nach einer grandiosen Ringe-Kür beim Einturnen einen Krampf zugezogen und musste am Barren und am Reck passen.


Karten für das Duell am kommenden Samstag der TG Saar gegen die KTV Straubenhardt, mit Fabian Hambüchen und Co., gibt es beim Saarländischen Turnerbund unter der Telefonnummer (0681) 3879226.

 
 

 

       09.03.06

Spiridonov im Höhenflug
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 09.03.06

von sz-redakteur kai klankert
Kunstturner Eugen Spiridonov, 23, ist gerüstet. Er fühlt sich gut, er fühlt sich fit für die Wettkämpfe, die jetzt Schlag auf Schlag kommen. Die Saison 2006 könnte der große Durchbruch werden.
 


Saarbrücken. Ein letztes Training am Dienstagvormittag in der Turnhalle an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Ein letztes Mal die gewohnte Umgebung in Saarbrücken. Letzte Tipps von Heimtrainer Viktor Schweitzer - dann war für Eugen Spiridonov die Schinderei der vergangenen Wochen und Monate beendet. Der 23-jährige Turner des TV Bous, der in der Bundesliga für die TG Saar startet, ist zum Bundesleistungszentrum nach Stuttgart gefahren, wo er auf Chefbundestrainer Andreas Hirsch und seine Kollegen aus der Nationalmannschaft trifft.

Hirsch hat die stärksten Athleten versammelt - Thomas Andergassen, Robert Juckel, Marcel Nguyen, Robert Weber und Spiridonov. Am Samstag beginnt für sie beim National Team-Cup in Straubenhardt, knapp 60 Kilometer von Stuttgart entfernt, die Turn-Saison 2006. Eine Saison mit einer Reihe von Höhepunkten. Eine Saison, die für Eugen Spiridonov so erfolgreich werden könnte wie keine zuvor.

Medaillenchancen?

"Eugen gehört jetzt zum Stamm der Nationalmannschaft", sagt Spiridonovs Trainer Viktor Schweitzer, "er ist sehr ehrgeizig und fleißig und hat sich an allen Geräten verbessert." Schweitzer traut seinem Schützling sogar den Sprung an die internationale Spitze zu. Etwa bei der EM im Mai in Griechenland.

Im vergangenen Jahr wurde Spiridonov bei der Europameisterschaft im Mehrkampf, seiner Spezialdisziplin, Neunter. "Platz fünf bis sieben" ist das Ziel, das sich Spiridonov und Schweitzer nun gesetzt haben. "Eugen hat reale Chancen, besser zu sein als im vergangenen Jahr. Ob das sogar für das Podest reicht, kann ich nicht sagen. Wenn er stabil turnt, ist alles drin", glaubt Schweitzer.

Die Zuversicht ist nicht ganz unbegründet. Bei seinem letzten internationalen Auftritt, der WM im November 2005 im australischen Melbourne, hatte Spiridonov mit Platz zehn für das beste WM-Resultat eines deutschen Mehrkämpfers seit zehn Jahren gesorgt. Prompt hat ihn der Deutsche Turner-Bund neben Fabian Hambüchen (er wird am Samstag nach seinem Auftritt beim American Cup in Philadelphia pausieren) und Thomas Andergassen in den deutschen A-Kader berufen.

Einturnen für die Weltcups

"Ich bin fit, fühle mich sehr gut", sagt Spiridonov vor seinem ersten Auftritt am Samstag. In Straubenhardt wird der Bouser im Trikot der Nationalmannschaft gegen das Bundesliga-Team der KTV Straubenhardt und eine Auswahl der Deutschen Turnliga antreten. "Eine Standort-Bestimmung", sagt Trainer Viktor Schweitzer, denn an den beiden kommenden Wochenenden stehen die ersten Weltcups des Jahres an - zunächst in Lyon, dann in Cottbus. Darum wird Mehrkämpfer Spiridonov in Straubenhardt an allen sechs Geräten turnen. "Um wieder in Wettkampf-Stimmung zu kommen", erklärt Schweitzer. Denn schon für Lyon hat sich Spiridonov vorgenommen, an einzelnen Geräten - Pferd und Barren - das Finale der besten Acht zu erreichen.

Der Mehrkampf wird dort nicht ausgetragen. Auf ihn wird sich Spiridonov allerdings spezialisieren. Das hatte sich bereits nach den Ergebnissen im vergangenen Jahr gezeigt. "Als Mehrkämpfer", sagt Viktor Schweitzer, "ist Eugen sicher nicht schlechter als Fabian Hambüchen." Und der ist immerhin im vergangenen Jahr Europameister am Reck geworden - und zugleich der neue Star des deutschen Turnsports. "Als Mehrkämpfer ist Eugen sicher nicht schlechter als Fabian Hambüchen." Viktor Schweitzer, Trainer von Eugen Spiridonov

Hintergrund

Mit dem National Team-Cup am Samstag in Straubenhardt startet die deutsche Nationalmannschaft und somit auch Eugen Spiridonov in die Turn-Saison 2006. In Straubenhardt messen sich die Nationalturner (außer Fabian Hambüchen) mit einer Auswahl der Deutschen Turnliga und des KTV Straubenhardt. Dieser Vergleichskampf gilt als letzte wichtige Orientierungshilfe vor den Weltcup-Turnieren in Lyon (18. und 19. März) und Cottbus (Turnier der Meister, 24. bis 26. März).

Die Bundesliga-Saison beginnt für die TG Saar am 1. April. Höhepunkte in der Saison sind die Mannschafts-Europameisterschaften in Volos/Griechenland (4. bis 7. Mai) und die Weltmeisterschaften in Aarhus/Dänemark (14. bis 22. Oktober). red

 
 

 

       05.12.05

Toller Saisonabschluss der TG Saar
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 05.12.05

Kunstturn-Bundesliga: Ein Punkt mehr als Meister Chemnitz - 1:7-Rückstand aufgeholt
Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt
So spannend kann Kunstturnen sein: Mit einem Remis im letzten Reck-Duell macht Waldemar Eichorn die Sensation in der Kreissporthalle Dillingen perfekt. Die Bundesliga-Turner der TG Saar besiegen den Deutschen Meister Chemnitz mit 28:27-Score-Punkten. Ein irres Ende einer turbulenten Saison.

Dillingen. "Das war ein Wettkampf nach meinen Geschmack. Toll für die Zuschauer", strahlt Benno Groß und so richtig kann er die Sensation in der Kreissporthalle Dillingen noch immer nicht fassen. Da vertritt der 44-jährige Lebacher als Mannschaftsverantwortlicher erstmals Landestrainer Viktor Schweizer und dann pflückt seine TG Saar im letzten Bundesliga-Heimkampf die MTT Chemnitz/Halle aus der Luft.

Benno Groß zufrieden

Vor einer Woche die Zitterpartie im Abstiegsduell in Monheim, jetzt dieser 28:27-Hammersieg gegen den Deutschen Meister. Diesen Gefühlsstress muss auch ein cooler Typ wie Groß, als Olympia-Teilnehmer und mehrfacher Deutscher Meister einiges gewohnt, erst mal verkraften.

Dabei beginnt der siebte und letzte Wettkampf der Saarländer eigentlich wie erwartet. Der Favorit, der ohne die verletzten Leistungsträger Berczes, Fahrig und Kwiatkowski antritt, dominiert. Max Rupps erste Saison-Schlappe am Boden - ein schlechtes Omen. Auch Eichorn und Spiridonov gehen anschließend leer aus. Nur Jerom Lecomte punktet. Nach dem ersten Gerät führen die Gäste aus Sachsen verdient mit 7:1.
 


Die Aufholjagd beginnt am Pauschenpferd. Jerome Michels packt zwei, Neuling Marc Quirin drei Punkte drauf. Den Rest erledigen die Profis. Junioren-Europameister Waldemar Eichorn und der WM-Zehnte von Melbourne, Eugen Spiridonov, holen jeweils fünf Punkte. Nach dem zweiten Gerät führt die TG Saar unerwartet deutlich mit 16:7 und die 300 Zuschauer glauben erstmals an eine Überraschung. "Diese Übung macht er noch mit Achtzig", kommentiert TG-Saar-Manager Paul Rupp anschließend die Ringe-Übung von Altmeister Sergej Charkov. Die Wertung für ihn: Drei Punkte.

Die Halbzeitbilanz nach drei Geräten: 20:10. "Am Sprung sind die verdammt stark", warnt Thorsten Michels, den Meister frühzeitig abzuschreiben. Und das Kraftpaket der TG Saar behält Recht. Die Gäste-Sprünge haben die höheren Ausgangswerte und sie sind sicherer. 20:20 - das wird eng. Am Barren zeigt Eichorn eine stabile Übung. Auch Charkov und Spiridonov gewinnen ihre Duelle.

"Wo ist mein Honig?" Diese Frage beschäftigt Thorsten Michels vor seinem Wettkampf. Die Tube mit dem klebrigen Zeug, das die Finger so schön geschmeidig machen soll, ist weg. Trotz Handicap turnt Michels eine saubere Übung. Die Kampfrichter sehen allerdings Jens Uebel, den Top-Scorer des Tages, vorn. Obwohl der sich auf den Holm setzt und beim Abgang patzt. 27:22 führen die Gastgeber vor dem letzten Gerät. Die Entscheidung fällt erneut am Königsgerät. Max Rupp gibt in seinem Reck-Duell gegen Max Finzel vier Punkte ab. Nur noch 27:26. Eugen Spiridonov steht seinen Doppel-Salto mit Doppel-Schraube gestreckt und bekommt dafür eine Einser-Wertung. 28:26. Und obwohl Sergej Charkov anschließend volles Risiko geht und unter dem Jubel seiner Fans wieder vier Flugteile zeigt, erhält Kontrahent Jens Uebel den Punkt. 28:27.

Eichorn sichert den Sieg

Als letzter Turner geht Waldemar Eichorn ans Gerät. Nach dem Auftritt von Steven Mattner ist sich Benno Groß sicher: "Wenn Waldi sauber durchturnt, packen wir es." Die Übung des Junioreneuropameisters ist fast fehlerlos und sie ist mit Schwierigkeiten gespickt. Die Kampfrichter werten das Duell Unentschieden. Das bedeutet: Es bleibt beim 28:27. Das ist der Sieg und Platz fünf in der Abschluss-Tabelle. Das versöhnliche Ende einer turbulenten Saison.

 
 

 

       25.11.05

Mit einem Sieg den Abstieg verhindern!
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 25.11.05

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt
Rettung oder Untergang? Für die TG Saar geht es im letzten Auswärtskampf der Kunstturn-Bundesliga um die Wurst. Verliert der Tabellenvorletzte am Samstag beim Schlusslicht Monheim, winkt die Rote Laterne. Andererseits: "Ein Sieg und wir sind durch", sieht Manager Paul Rupp auch die Chance, den Abstieg frühzeitig zu verhindern.


Dillingen. Im Abstiegskampf in der Kunstturn-Bundesliga knistert die Luft. Wenn die Turner der TG Saar am Samstagmorgen in den Bus steigen und nach Monheim aufbrechen, dann fährt auch ein kleines bisschen Angst mit. Angst, dass es am Abend im Abstiegsduell vielleicht nicht reichen könnte.

Auf dem Papier ist die Riege von Viktor Schweizer in der Sporthalle Monheim Favorit. Aber das war sie auch im Duell beim Aufsteiger Leopoldshafen und das verlor sie. Nach vier Niederlagen in Serie und einer völlig missglückten Saison ist der Druck des Gewinnen-Müssens riesig. Ein Sieg des Tabellenvorletzten beim Liga-Schlusslicht ist morgen ein Muss, ja er ist überlebenswichtig. Denn gehen die Saarländer auch im Schicksalskampf beim bayerischen Aufsteiger leer aus, dann schrumpfen die Chancen auf den Klassenverbleib beträchtlich.

Im Heimkampf gegen den amtierenden Deutschen Meister MTT Halle/Chemnitz (3. Dezember, 17 Uhr, Kreissporthalle Dillingen) müsste dann schon ein vorzeitiges Weihnachtswunder geschehen. Paul Rupp würde diese negativen Gedanken am liebsten verdrängen. "Wenn wir in Monheim gewinnen", dreht der TG-Saar-Manager vor dem dritten und letzten Auswärtskampf den Spieß um, "dann können wir nicht mehr absteigen."

Optimistisch stimmt den Dillinger Kunstturn-Experten die ansteigende Form von Junioreneuropameister Waldemar Eichorn. "Er stabilisiert sich von Wettkampf zu Wettkampf", setzt Rupp große Hoffnungen in den 19-Jährigen. In Leopoldshöhe trat "Waldi" wegen einer Verletzung nicht an.

Der Ausfall von Eugen Spiridonov - er turnte für Deutschland bei einem Länderkampf in der Schweiz - hätte verhindert werden können. Nach der unerwarteten Auswärtsschlappe kritisierte Rupp die schlechten Termin-Absprachen zwischen der Deutschen Turnliga und dem Deutschen Turnerbund scharf (die SZ berichtete). Vier Wettkämpfe ohne Top-Scorer - der Saison-Plan (oben mitturnen) ging plötzlich nicht mehr auf.

Wie vertrackt und unglücklich die Situation ist, zeigt das aktuelle Beispiel: Spiridonov turnte sich bei den Weltmeisterschaften in Melbourne gestern in die Weltspitze, während die Teamkollegen ohne den besten deutschen Mehrkämpfer morgen in der Heimat um den Klassenverbleib zittern müssen. Neben Monheim und der TG Saar kann es zwei Wettkämpfe vor dem Saisonende auch noch den FC Bayern München oder den TuS Leopoldshöhe treffen.

Letzter Strohhalm im Abstiegskampf: Der Relegationsplatz. Ändert sich unten an der Punkte-Situation nichts, dann wird das Team Vorletzter, das die bessere Einzelgeräte-Bilanz vorweisen kann. Ein Sieg in Monheim und die TG Saar könnte all dem aus dem Weg gehen. "Das haut schon hin", glaubt Impresario Rupp fest an seine Jungs. "Wenn wir in Monheim gewinnen,

dann können wir nicht mehr absteigen."

TG-Saar-Manager Paul Rupp

 
 

 

       21.11.05

Bauchlandung der TG Saar
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 21.11.05

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt
Die Überflieger der Kunstturn-Bundesliga starteten in der Kreissporthalle Dillingen zu neuen Höhenflügen. Die Bauchlandung der TG Saar im Heimkampf gegen Tabellenführer Straubenhardt überraschte nicht. Sie fiel mit 9:59 Punkten allerdings sehr hart aus.


Dillingen. Der Druck wächst, die Spannung steigt. Nach der 9:59-Heimschlappe gegen die KTV Straubenhardt ist für die Kunstturn-Riege der TG Saar die Luft im Tabellen-Keller der 1. Bundesliga dünn geworden. Die Saarländer bleiben Vorletzter und müssen nun beim Aufsteiger Monheim oder zu Hause gegen MTT Chemnitz/Halle unbedingt punkten. Abstieg oder Klassenverbleib - auch nach dem fünften Wettkampftag bleibt die Zukunft der Schweizer-Riege ungewiss.

Die Titel-Frage sieht Paul Rupp indes geklärt. "Wir haben heute den Deutschen Meister gesehen", gratulierte der Manager der TG Saar dem Spitzenreiter. Die 300 Zuschauer in der Kreissporthalle Dillingen stimmten dem zu. Sie sahen einen einseitigen Wettkampf. Die Schweizer-Riege begann viel versprechend. Maximilian Rupp, 17, überzeugte in seinem Auftakt-Duell am Boden und brachte die Gastgeber mit 1:0 Score-Punkten in Führung. Es war der fünfte Sieg des Team-Youngsters bei seinem fünften Start in seiner Parade-Disziplin. Die erste Führung sollte gleichzeitig die letzte sein. Der starke Kader von Trainer Herbert Laupp zeigte, dass er problemlos auf die WM-Teilnehmer Fabian Hambüchen, Robert Gal und Jeffrey Wammes verzichten kann.

Eugen Spiridonov fehlte der TG Saar dagegen sehr. Für den WM-Kandidaten der Saarländer rückte Zweitliga-Turner Marc Quirin ins Aufgebot. Der 22-jährige Fischbacher schlug sich bei beachtlich. Gegen Alexej Grigoriew, den Top-Scorer der Bundesliga, holte sich der Neuling am Sprung ein Remis. Waldemar Eichorn turnte in seinem ersten Heimkampf nach langer Verletzung oft mit hohem Risiko. Dabei leistete sich der 19-Jährige viele kleinere Patzer. Bester TG-Saar-Scorer war Sergej Charkov. Der Altmeister, seit vergangenem Mittwoch 35., steuerte sechs Punkte bei. Fazit: Fehlt Eugen Spiridonov (41 Punkte in zwei Wettkämpfen!), fällt das Siegen schwer. Im kommenden Auswärtskampf muss die TG erneut auf ihren besten Mann verzichten. Der 23-jährige Bouser tritt am Samstag für Deutschland bei der WM in Melbourne an.

 
 

 

       18.11.05

Nur das Pferd ist nichts für Max
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 18.11.05

VON SZ-MITARBEITER
ROLAND SCHMIDT

Dillingen. In Straubenhardt feierte Kunstturner Maximilian Rupp vor einem Jahr seinen ersten Sieg im Team der TG Saar. Am Samstag, 17 Uhr, will der 17-jährige Dillinger den Erfolg am Boden wiederholen. Der Gegner in der Kreissporthalle heißt auch diesmal KTV Straubenhardt und an der Ausgangssituation hat sich ebenfalls nichts geändert. "Die sind Tabellenführer, wir krasser Außenseiter", rechnet sich der jüngste Saar-Turner kaum Siegchancen aus. Max schielt eher auf die Teilerfolge. Im Abstiegskampf, so erzählt er, zählt bei Punktegleichstand später auch die Anzahl der gewonnenen Einzelgeräte. Und weil vier Teams aktuell mit 2:6 Punkten am Tabellenende gleichauf liegen, erwartet Max ein spannendes Liga-Finale.

Mit dem vorletzten Tabellenplatz nach vier von sieben Wettkämpfen ist er natürlich nicht zufrieden. Mit der persönlichen Leistung dagegen wohl. Von seinen 20 Duellen gegen nationale und internationale Top-Athleten hat der Fachoberschüler elf gewonnen. Mit 18 Score-Punkten ist Rupp drittbester TG Saar-Turner. Nur Eugen Spiridonov und Altmeister Sergej Charkov sind mit 41 und 35 Punkten besser. Im Bundesliga-Ranking liegt Max auf Platz 30. Eine solide Vorstellung des Neulings in seiner ersten kompletten Saison. "Er hat sich enorm gesteigert, ich setze ihn an allen Geräten ein", lobt Viktor Schweizer seinen Jüngsten. Dann fügt der Coach schmunzelnd hinzu: "Außer am Pferd." Wofür Max ihm dankbar ist. "Ein kleiner Fehler und du bist unten. Ein blödes Gerät." Die Stärken des jungen Dillingers liegen am Sprung und am Boden. Bei seinen Duellen auf der Wettkampfmatte ist er in dieser Saison noch ungeschlagen. Das Ergebnis harten Trainings. Fünf Mal pro Woche feilt Rupp in der Saarbrücker Sportschule an seiner Form oder er trainiert in der Kreissporthalle mit Sergej Charkov. Der Vereinskollege, der 1994 nach der Einbürgerung ein Jahr im Hause Rupp wohnte, ist sein Freund und großes Vorbild. "Er war der Olympiasieger. Ich fing gerade an. Das war damals eine tolle Sache."

Die Frage, wie Max zum Kunstturnen gekommen ist, beantwortet sich eigentlich von selbst. Bruder Alex turnte. Papa Paul, heute Manager der TG Saar, war lange Jahre Trainer der Mannschaft. "Ich habe bei allen Wettkämpfen zugeschaut", erinnert sich Max an seine ersten Kunstturn-Erlebnisse. Mit sieben Jahren wollte es der Steppke dann selbst wissen. Sein Jugendtrainer damals: Viktor Schweizer. Schon bald stellten sich erste Erfolge ein. Neben unzähligen Saarlandmeister-Titeln gewann Rupp auch die Deutsche Jugend-Vizemeisterschaft am Boden und am Sprung. Nach einer Operation am Ellbogen musste der damals 15-Jährige ein Jahr pausieren. "Sonst wäre ich wohl schon früher zur Ersten gestoßen." Max, der auch im Kader der Juniorennationalmannschaft steht, ist sicher, den Bundesliga-Abstieg noch verhindern zu können. Gegen "Überflieger" Straubenhardt sei ohne Nationalturner Eugen Spiridonov allerdings nicht viel drin. "Die haben einfach zu viele Stars im Team. Wir werden aber alles geben." > wird fortgesetzt

 
 

 

       19.10.05

Der Traum vom Gienger-Salto
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 15.10.05

VON SZ-MITARBEITER
ROLAND SCHMIDT

Dillingen. Adler, halbe Drehung, Kovacs-Salto – geschafft! Das war knapp, um ein Haar hätte ich die Reckstange verfehlt. Die Halle tobt! Nach dieser riskanten Luft-Nummer hab’ ich sie. Also gebe ich der Menge, wonach sie dürstet und packe noch einige Flugteile drauf. Salto über die Stange, ganze Drehung, Tkatschov gegrätscht – erst die einarmige, dann die zweiarmige, zum Schluss zwei gebückte Varianten. Noch einmal Schwung holen und Abgang mit Gienger-Salto. „Steh!“, jubelt mir die elektrisierte Masse zu. „Roland!“, tönt es jetzt von den Rängen der Olympiahalle in Seoul. „Roland!“ Ja, sie lieben mich „Roland – wach endlich auf!“ Was? wie? Mist! Meine bessere Hälfte gönnt mir den Triumph nicht und reißt mich gnadenlos aus dem Schlaf. Alles nur geträumt. Jetzt weiß ich zumindest, wie sich Sergej Charkov gefühlt haben muss, als er 1988 als jüngster Olympiateilnehmer mit dem Team der UdSSR Gold gewann. Gestern hat er mir davon erzählt. Sechs Flugteile in einer Reckübung – irre. Heute, 17 Jahre nach seinem ersten großen Triumph, wohnt der zweifache Vater mit seiner Familie in Dillingen. Als ich den TG Saar-Turner in der Kreissporthalle treffe, ist er wie immer gut gelaunt. Mit seinen 34 Jahren sei er der Turn-Oldie im Bundesliga- Team, flachst er. Aber sind wir nicht alle in die Jahre gekommen? Nur mit dem Unterschied: Sergej turnt heute immer noch vier Flugteile. Als Handballer mit starkem Hang zur Grobmotorik bin ich dagegen froh, wenn ich am Hochreck wie ein nasser Sack baumle, ohne dabei runter zu fallen. Und wie ich da so pendle, beobachte ich Maximilian Rupp, wie er eifrig an den Ringen trainiert. Das interessiert mich. Also verlasse ich das Reck und schlendere mal kurz zum Youngster der TG Saar herüber. „Die Ringe zählen zu den schwierigsten Geräten“, sagt Sergej, „da brauchst du pure Kraft. Wenn du die nicht hast, kann es dir den Bizeps zerreißen.“ Schluck! Auf zum nächsten Gerät. Barren tut weh! So viel habe ich aus der Turnstunde behalten. „Mach’ mal einen Winkelstütz“, fordert mich der Diplomsportlehrer heraus, „den zeigen meine Erstklässler.“ Aber dann ist Charkov gar nicht so. Er stützt mich, als meine ausgestreckten Beine drohen, Opfer der Schwerkraft zu werden. Nach kläglichen Versuchen am Boden, peinlichen Abgängen am Seitpferd und einer Verweigerung am Sprung sind wir am Ende unserer Reise in eine (für mich) unwirkliche Sportwelt angekommen. Die Hände schmerzen. Aber wen juckt das schon? „Und“, grinse ich den Weltmeister und dreifachen Olympiasieger fragend an, „bin ich nun eine Verstärkung oder nicht?“ Mit so viel Dreistigkeit hat Charkov offenbar nicht gerechnet. Nach kurzer Schockphase antwortet er: „Für die erste Mannschaft nicht. Na ja, vielleicht für die Zwote.“ Doch bevor ich die Arme zur Decke recken kann, legt er brutal nach: „Aber nur in deinem nächsten Leben!“ Aus der Traum. (wird fortgesetzt)

 
 

 

       04.10.05

Charkov riss sie von den Sitzen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 04.10.05

Von SZ-MItarbeiter RoLand Schmidt


Langweiliges Kunsturnen? Schnee von gestern! Der Bundesliga-Auftakt der TG Saar war ein Adrenalin-Hammer. 400 Zuschauer litten in der Dillinger Kreissporthalle beim Zittersieg der Saarländer gegen den FC Bayern München mit. Charkovs (Flug-)Showdown am Reck riss alle von den Sitzen.

Dillingen. Spannende Mann-gegen-Mann-Duelle, athletische Kraftteile nonstop, spektakuläre Abgänge und ein Reck-Finale wie ein Hitchcock-Krimi. Der erste Bundesliga-Heimwettkampf der TG Saar war wirklich nichts für schwache Nerven. 400 Kunstturn-Fans kamen in die Kreissporthalle, um das Team von Trainer Viktor Schweizer gegen den FC Bayern München anzufeuern. Nach souveränem Auftakt am Boden führten die Saarländer, die ohne ihren verletzten Spitzenturner Waldemar Eichorn angetreten waren, deutlich mit 7:0. Danach knickten die Gastgeber am Pauschenpferd allerdings böse ein. Am Ende dieses völlig ausgeglichen Kopf-an-Kopf-Rennens zitterten sich die Gastgeber zu einem knappen Sieg.

Paul Rupp ist selten nervös. Heute ist er's. "Das wird eng", kreuzt der Manager der TGS die Arme und schaut skeptisch auf die große Anzeige-Leinwand. 36:35 nach fünf Geräten. Eine hauchdünne Führung für die Schweizer-Riege, die es versäumte, sich frühzeitig abzusetzen.

Entscheidung am Reck

Die Entscheidung fällt also, wie so oft im Kunsturnen, am Königsgerät, dem Reck. Vier Duelle stehen hier noch aus. Sie entscheiden über Sieg und Niederlage. Dann der erste Jubel in der voll besetzten Halle. Rupps Sohn Maximilian erzielt im ersten Duell gegen Wolfgang Priegl eine Zweier-Wertung und bringt sein Team mit 38:35-Score-Punkten in Führung. "Die Tkatschwew-Grätsche", strahlt Max, "sie glückte." Doch die Freude des 17-jährigen Team-Youngsters währt nur kurz. Neuzugang Jerôme Lecomte turnt zwar eine saubere Übung, Thomas Greifenstand packt jedoch mehr Schwierigkeiten in seine Kür. Vier Punkte für den Bayern.

Plötzlich zurück

Die TG Saar liegt plötzlich mit 38:39 zurück. Viktor Schweizer zuckt mit keiner Wimper. Der neue Zwischenstand lässt ihn kalt. Schließlich hat sich der Coach seine Besten bis zum Schluss aufgehoben. Eugen Spiridonov, der Neunte bei den Europameisterschaften in Debrecen, und Sergej Charkov, der frühere Weltmeister an diesem Gerät, halten sich bereit. Die "Russen" müssen es also richten. Und die großen Namen zeigen Wirkung. Den Hauch von Duellant Spiridonov quasi im Nacken fliegt Markus Etter gleich zwei Mal vom Gerät. "Eugen braucht jetzt nur noch sauber durchzuturnen", ist auch Paul Rupp wieder zuversichtlicher. Eine weichgespülte Reck-Übung? Der 23-Jährige denkt gar nicht dran. Er strapaziert lieber die Nerven aller Anwesenden und geht aufs Ganze. "Gut", grinst Spiridonov später, "ich nahm im Mittelteil etwas Schwung raus." Umso temporeicher und spektakulärer ist dafür der Abgang: Doppel-Salto gestreckt mit Doppelschraube. "An seiner Stelle", holt Rupp tief Luft, "hätte ich mehr auf Sicherheit geturnt. Sicherheit - für die TG-Saar-Turner ein Fremdwort. Siehe letztes Duell: Die Schweizer-Riege führt nach dem "Fünfer" ihres Top-Scorers (21 Punkte) mit 43:39. Marcel Nguyen, der beste Bayer an diesem Tag, legt eine saubere Übung vor. Und was macht Turn-Virtuose Charkov? Er wirbelt mit vier Flugteilen um die Stange, zeigt drei Tkatschwew-Grätschen und den Ginger-Salto. Die Halle tobt. Nach dem alten Code-a-Pointage-System liegt der 35-Jährige mit 0,05 Punkten vor seinem Kontrahenten. Ins neue Score-System umgerechnet bedeutet dieser knappe Abstand Gleichstand. Also null Punkte für beide Turner. Am Ergebnis ändert sich nichts mehr. Der spannende Wettkampf ist vorbei und alle sind froh und erleichtert. Besonders Paul Rupp. "Eine gelungene Heimpremiere", strahlt der Manager.
 

 
 

 

       01.10.05

Jugend mit Drill
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 01.10.05

SZ-SERIE

von sz-mitarbeiter roland schmidt
Lange Märsche, kaum Training - kann Jäger Waldemar Eichhorn in der Dillinger Kreissporthalle am Samstag (ab 17 Uhr) dennoch punkten? Bei der Kunstturnbundesliga-Premiere der TG Saar gegen Bayern München wäre ein zackiger Auftritt des Junioren-Europameisters enorm wichtig.

Dillingen. Ruhig stehen, den Blick starr nach vorn richten und dabei nicht wackeln. Diese Stellung kennt Jäger Waldemar Eichhorn nicht erst seit der Grundausbildung. Seine korrekte Haltung nach spektakulären Abgängen brachte dem Spitzenturner der TG Saar bei den Kampfrichtern stets wichtige Wertungspunkte ein. Bei der Bundeswehr sah das zuletzt anders aus. Statt auf das enthusiastische "Steh!" der Fans hörte der 19-Jährige nun auf ein schroffes "Still gestanden!" der neuen Vorgesetzten. Und Punkte, die gab es für die korrekte Grundstellung auch noch nicht einmal. Am 1. Juli tauschte "Waldi", wie ihn die Teamkollegen nennen, seinen Turn-Dress mit der Uniform im Flecken-Tarn-Design. Die zweimonatige Grundausbildung war hart und anstrengend. Seine turnerische Vorbereitung auf den Bundesliga-Heimkampf fiel fast völlig flach. Stattdessen laufen, robben und marschieren. "Die Rucksäcke waren verdammt schwer. Oft tat mir der Rücken weh", erinnert sich der Junioren-Europameister am Barren nur ungern an die Strapazen zurück. Die letzten zwei Monate waren bitter, doch jetzt ist das Schlimmste überstanden.
Die "Grundi" ist vorbei und der junge Dillinger trainiert wieder. Ob die nur dreiwöchige Vorbereitung allerdings reicht? "Ich komme langsam wieder in Form", sagt Eichhorn optimistisch. Gegen die Bayern will er am Samstag auf jeden Fall in seinen Parade-Disziplinen Barren und Reck starten. "Wenn das Team mich braucht", verspricht Eichhorn, "trete ich auch an anderen Geräten an." Als schönstes Erlebnis seiner noch jungen Turner-Karriere beschreibt Waldemar den Moment, als er nach dem Barren-Finale der Junioren-EM 2000 die Goldmedaille in Händen hielt: "ein unglaubliches Gefühl." Diesen Augenblick möchte er gerne wiederholen und dafür trainiert er in der Sportfördergruppe in Stuttgart hart. Sein Ziel ist es, irgendwann einmal ganz oben in der Weltspitze mitzuturnen. Mannschafts-Kollege und Bundeswehrkamerad Eugen Spiridonov, zeigte, dass es geht. Sein tägliches Training im Bundesleistungszentrum brachte Spiridonov bei den diesjährigen Europameisterschaften den 9. Platz im Mehrkampf ein.

Auch Eichhorn will seine Chancen nutzen und sich spätestens 2008, bei den Olympischen Spielen in Peking, das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft überstreifen. Der junge Saar-Athlet zählt derzeit zu den größten Nachwuchstalenten im Deutschen Turnerbund und am Samstagabend, ab 17 Uhr, zu den großen Hoffnungsträgern von TG Saar-Coach Viktor Schweizer.

 
 

 

       30.09.05

Auftakt gegen FC Bayern München
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 30.09.05

Von SZ-Mitarbeiter Roland Schmidt


Die Muskeln sind gestählt, Flugteile und Abgänge sitzen. Wenn die TG Saar morgen in die neue Kunstturn-Saison startet, werden in der Kreisporthalle Dillingen die Magnesiumtöpfe dampfen. Die Bundesliga-Turner von Viktor Schweizer erwarten an diesem Doppelwettkampf-Tag den FC Bayern München. Parallel dazu turnt die TG Saar II gegen den MTV Celle.

 

Dillingen. Kunstturnen vom Feinsten und das gleich im Doppelpack. Dies erwartet die Zuschauer, die morgen (17 Uhr) zur großen Bundesliga-Eröffungsshow der TG Saar in der Kreissporthalle Dillingen kommen. Die Gewinnaussichten der jungen Zweitliga-Turner von Trainer Klaus Weber gegen den MTV Celle sind gering. Dafür rechnet sich die TG Saar I bei ihrer Bundesliga-Ouvertüre gegen den FC Bayern München vor eigenem Publikum umso größere Chancen aus.

Die Riege von Trainer Viktor Schweizer geht nach der langen Sommerpause hoch motiviert an die Geräte. Saisonziel: Oben mitturnen. "Wir wollen mit einem Sieg starten", verspricht Sergej Charkov den saarländischen Kunstturn-Fans einen spannenden ersten Heimkampf.

Spiridonov in Glanzform

Der mehrfache Olympiasieger will auch in der neuen Saison das Team auf Erfolgskurs bringen. "Ich werde zwei bis vier Geräte turnen", erzählt er. Reck, Ringe, Barren, Pauschenpferd. Boden und Sprung geht nicht. "Zu gefährlich", bedauert Charkov, der wegen einer schweren Knieverletzung neun Monate pausierte. Wenn der alte Turnfuchs seine Übungen sauber durchturnt sind trotzdem hohe Wertungen sicher.

Seine größten Erwartungen setzt Schweizer allerdings auf Eugen Spiridonov. Der Nationalturner hat sich gerade erst für die anstehenden Welt-Cups und Weltmeisterschaften qualifiziert und befindet sich in einer bestechenden Form.

"Eugen wird an allen Geräten turnen", sagt der Coach. Waldemar Eichorn ist noch nicht so w eit wie sein Nationalmannschaftskollege. Zwei Monate Grundausbildung - die schlauchten den jungen Soldaten sehr. Sein Handicap: Der große Trainingsrückstand. Doch "Waldi" ist ein ehrgeiziger Kämpfer. Cheftrainer Viktor Schweizer ist deshalb zuversichtlich: "Waldemar wird schon zum Auftakt seine Leistung bringen." Maximilian Rupp und Thorsten Michels haben den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. Beides Allrounder, die an allen Geräten turnen können. "Max und Thorsten sind gut drauf", setzt Schweizer großes Vertrauen in die Newcomer. Auch J&;rôme Lecomte gibt sein Debüt im TG-Saar-Trikot. Der Spitzenturner überzeugte Schweizer beim letzten Testwettkampf. Der französische B-Meister am Pauschenpferd wird an mehreren Geräten zum Einsatz kommen.

Jerome Michels und Marco Schwarz waren lange verletzt und dürften auch aus beruflichen Gründen noch etwas Trainingsrückstand haben. Sie sind dennoch von Anfang dabei. Verzichten müssen die Saarländer auf Sascha Palgen. Bei einer Reck-Übung verletzte sich der Luxemburger im Frühjahr schwer. Er stößt Palgenstößt erst in der zweiten Saison-Hälfte zum Team.

Der Top-Star des FC Bayern München ist Jewgeny Sapronenko. Er ist der amtierende Europameister am Sprung. Namhafte Turner werden also beim Liga-Auftakt in der Kreissporthalle antreten und Kunstturnen auf höchstem Niveau zelebrieren. Der besondere Clou des ersten Wettkampftages: Zusammen mit der ersten Mannschaft wird auch die TG Saar II ihre Zweitliga-Saison eröffnen. Die Mannschaft von Klaus Weber trifft also zeitgleich und an gleicher Stelle auf den MTV Celle. Die jungen Saarländer gehen gegen das Team aus Niedersachsen mit seinen Olympia-Teilnehmern Marius Toba und Sergej Pfeiffer natürlich als krasser Außenseiter ins Rennen. Am Doppelwettkampftag ist folgender Modus vorgesehen: Die Turn-Show startet mit einem Duell der Erstliga-Cracks. Direkt im Anschluss fighten die Zweitliga-Turner um die wichtigen Score-Punkte. "So finden keine langweiligen Pausen statt", verspricht Paul Rupp, der Manager der TG Saar, ein kurzweiliges Kunstturn-Happening.

Score-System

Dillingen. Seit 2003 wird in der deutschen Turnliga nach dem Wettkampfmodus "Score System" gewertet. Ziel ist es, während des Wettkampfs möglichst viele Spannungshöhepunkte zu setzen. Pro Gerät schickt jedes Team vier Turner ins Rennen, die einzeln gegeneinander antreten. Dieses "Mann-gegen-Mann-Duell" ist zum einen ungemein spannend, zum anderen schafft es den Trainern neue taktische Spielräume (welchen Turner setze ich gegen den gegnerischen Turner?). Die komplizierte Bewertung der Übungen wird nicht mehr veröffentlicht und gleich in so genannte "Score-Punkte" umgewandelt. Die Wertung der Turner (1 bis 5 Punkte) wird dem Publikum anschließend auf der Hallentafel angezeigt, der Gesamt-Punktestand wird nach jedem Duell aktualisiert. So sind Zuschauer und Aktive jederzeit über den aktuellen Punktestand (Score) informiert. ros

 
 

 

       22.11.05

Michels der Mehrkämpfer
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.11.05

SZ-SERIE

von sz-mitarbeiter roland schmidt
Seit drei Jahrzehnten gehört sie zur Crème de la Crème im deutschen Kunstturnen - die Riege der TG Saar. Bei ihrer Heimpremiere 2005 trifft das Team von Trainer Viktor Schweizer auf den FC Bayern München. Die SZ stellt die TG-Turner vor, die am 1. Oktober, 17 Uhr, in der Dillinger Kreissporthalle an die Geräte gehen. Heute: Thorsten Michels.
 

Piesbach. "Er mag Musik nur, wenn sie laut ist. Das ist alles, was er hört. Er mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn sie ihm in den Magen fährt." Dieser leicht abgewandelte Songtext des Grönemeyer-Hits umschreibt den Musikgeschmack von Thorsten Michels treffend, auch wenn Herbies Song so gar nicht ins Repertoire des freakigen TG Saar-Turners passen will.

Thorsten Michaels mag es eher wild, hart und deftig. Punk-Rock ist die Mukke, die sich der 26-jährige Turn-Allrounder vor seinen Wettkämpfen reinzieht. "Ist `'ne Macke von mir", lacht er und zupft vergnügt an seinem Ziegenbärtchen. "45 Minuten Dröhnung, dann läuft's." Seit 1997 turnt Thorsten Michels für die TG Saar. Damit zählt der erfahrene Konzertgänger im Team von Viktor Schweizer zu den Routiniers. Wie Bruder Jerome lernte Thorsten sein Turner-ABC beim TV Piesbach. Bevor er der TG Saar beitrat, sammelte er zwei Jahre lang Erfahrungen im Regionalliga-Team des TV Limbach.

In den letzten drei Jahren war Thorsten im Zweitliga-Team der TG Saar einer der großen Punktesammler. In diesem Jahr will er wieder im Kunstturn-Oberhaus mitmischen. "Der kann an allen Geräten turnen", sieht ihn Chefcoach Viktor Schweizer dort als den Mann für alle Fälle. Thorstens Paradedisziplin: Die Ringe. Doch ausgerechnet hier könnte der lädierte Bizeps Probleme bereiten. Eine Operation war eigentlich für Februar geplant. Jetzt will Thorsten warten, bis die Runde zu Ende ist und sich erst dann unters Messer legen. Große Experimente will der 26-Jährige zunächst nicht machen. Lieber die alten Übungen sicher turnen und wenig Risiko eingehen. "Im weiteren Verlauf versuche ich dann Schwierigkeiten draufzupacken", verspricht Michels.

Woran muss er noch arbeiten? "An meiner Kondition, der Kraft und der Stabilität an den Ringen." Eine Schulterverletzung behindert Michels derzeit noch etwas beim Training. Doch er ist zuversichtlich: "Meine Form wird immer besser." Und das ist auch nötig, denn Schweizer setzt auf die Mehrkampf-Eignung des Turn-Punks große Stücke. Thorstens Saisonziel ist der Klassenverbleib. Man dürfe nicht nur die Namen sehen, warnt Thorsten vor zu hohen Zielen. Jeder im Team sei irgendwie verletzt. Da müsse die Sache relativiert werden.

"Fehlen auch noch Spiridonov und Eichorn wegen ihren Einsätzen in der Nationalmannschaft, dann ist es schwer, das zu kompensieren." Seine beste Platzierung mit der TG Saar I war ein fünfter Platz, sein bestes Einzelergebnis die Teilnahme am Barrenfinale bei der DM 2001. "Hier war ich im Endkampf unter Turngrößen wie Sergej Charkov und Valeri Belenki an. Das war schon irre." Stolz ist er auch auf seinen Sieg im Finale der "Deutschland-Champions", dem Nachfolger der legendären TV-Show "Spiel ohne Grenzen." Zusammen mit Bruder Jerome, Turn-Kollege Michael Steinmetz und Fußball-Idol Stefan Kuntz holte er den Pott ins Saarland.

Vier Mal pro Woche bereitet sich der studierte Feinwerktechniker an der Sportschule Saarbrücken auf den Liga-Auftritt vor. Auf welche Mukke er vor seinem Einsatz gegen die Bayern abrocken will, lässt Thorsten offen. "Auf einen Song von Soulfly vielleicht. Die sind hart und schräg." Mit seinem Schulter-Tattoo und dem spitzen Kinnbärtchen sticht Michels aus der Masse heraus. Er entspricht nicht ganz dem Bild, das man im Allgemeinen von einem Turner hat. Neben seinen sportlichen Qualitäten ist es aber gerade diese coole und lockere Art, die Schwung in den von Magnesium-Wolken verstaubten Kunstturn-Alltag bringt. > wird fortgesetzt

 
 

 

       09.11.05

Turnfater Sergej fasziniert
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 09.11.05

SZ-SERIE

Die TG Saar ist ein saarländischer Vorzeige-Verein. Seit drei Jahrzehnten gehört sie zum Besten, was Deutschland im Kunstturnen zu bieten hat. Bei der Bundesliga-Heimpremiere 2005 trifft die Riege von Trainer Viktor Schweizer am 1. Oktober (17 Uhr, Kreissporthalle Dillingen) auf den FC Bayern München. In einer Serie stellt die SZ die Top-Turner vor. Heute: Sergej Charkov.
 

von sz-mitarbeiter Roland Schmidt
Dillingen. "Laufen, gehen, hüpfen - das ist normal. Einen dreifachen Salto in der Luft zu machen, so wie ein Affe", klärt der Trainer die Kinder auf, "das ist nicht normal. Dafür müsst ihr viel trainieren." Der gut gemeinte Tipp in der Dillinger Kreissporthalle ist kostenlos und er kommt von einem Mann, der es wissen muss. Die neun Jungs, die eben noch fleißig am Barren, Reck und am Boden übten, haben sich um Sergej Charkov versammelt und kleben fasziniert an seinen Lippen. Der Grund ist klar. Welche Kids im Saarland werden von einem mehrfachen Olympiasieger, Weltmeister und Deutschen Meister trainiert - wohl die Wenigsten.

"Ach ja, Lukas", zwinkert Sergej in die Runde, "waren das vorhin wirklich zehn Klimmzüge?" Der Junge grinst. Dann nickt er kurz. "Klimmzüge", erklärt der Olympiasieger seinen Schützlingen, "sind unheimlich wichtig. Turner müssen beweglich sein, aber auch kräftig. Für die Stützwaage, den Spitzwinkelstütz oder den Kreuzhang braucht ihr viel statische Kraft."

Sergej ist ein wandelndes Beispiel für pure Kraft. Die Oberarme des TG Saar-Athleten sollten wohl mal Oberschenkel werden. Auch sonst ist die Figur des 34-Jährigen imponierend. Alles Muskeln, kein Gramm Fett - das Ergebnis jahreslangen Trainings. Der kleine Sergej begann in seinem Heimatland Russland mit dem Turnen, da war er gerade mal sechs Jahre alt. Seinen ersten internationalen Wettkampf turnte er mit 14 Jahren. "Ab der vierten Klasse trainierte ich zwei Mal am Tag", erinnert sich Sergej an die harte Schule. Heute hat der Leistungsturner der Bundesliga-Riege TG Saar I sein Training deutlich zurückgefahren. "Ich werde in der kommenden Saison zwei bis vier Geräte turnen", erzählt er. Reck, Ringe, Barren, Pauschenpferd. Boden und Sprung darf er nicht mehr: Charkov zeigt auf seine Achillessehne, die Achillesferse des sympathischen Spitzen-Athleten. "Die ist schon zwei Mal gerissen. Hinzu kam ein Kreuzband- und ein Meniskusabriss. Ich konnte neun Monate lang nicht trainieren."

Während der Olympiasieger ausführlich alle Fragen beantwortet, steigt hinter seinem Rücken der Lautstärke-Pegel stetig an. Die Jungs nutzen die vermeintliche Abwesenheit des Coachs, um auf der Bodenmatte herumzutollen. Doch nicht mit Sergej! Der alte Trainer-Fuchs hat die Augen überall. "Hey Thomas", beobachtet der 35-jährige einen der Zweikämpfe aus den Augenwinkeln, "bist du im Karateverein oder was? Zeig mir lieber mal vier Flanken." Der Halbwüchsige reagiert sofort und lässt die Beine kreisen. Am Turnpilz, dem Trainingshilfsgerät zum Üben von Kreisflanken am Pauschenpferd.

"Diese Jungs", lacht der Diplom-Sportlehrer und nickt zuversichtlich, "diese Jungs sind vielleicht die Zukunft der TG Saar." Doch bis die Sieben- bis Zehnjährigen so weit sind, muss sich der "Alte" wohl oder übel noch ein, zwei, drei (?) Jahre quälen. Die jungen Teamkollegen der TG Saar I würde es freuen. Sie profitieren enorm von Sergejs Wissen. "Die hören mir zu und nehmen meine Ratschläge an." Und wie sieht er seine Rolle als Turner im Team? Reichen die drei Tage Training überhaupt für die 1. Liga? "Ja", entgegnet der Meister, der Sportlehrer an vier Dillinger Grundschulen ist, "dann turne ich meine Übungen halt mit niedrigerem Schwierigkeitsgrad, dafür aber sauber durch."

Und weiter: "Wenn alles klappt, bekomme ich dafür höhere Wertungen als die jungen Spitzenturner, die fehlerhafte Höchstschwierigkeiten zeigen." Sergej Charkov - ein Spitzenturner, Vorbild und - ein alter Fuchs eben.
 

Hintergrund:

Die wichtigsten sportliche Erfolge des Dillinger Ausnahme-Turners Sergej Charkov:

1988 Olympische Spiele: 1. Boden, 1. Mannschaft.

1992 Europameisterschaften: 1. Mannschaft.

1993 Weltmeisterschaften (WM): 1. Reck, 2. Mehrkampf,

1995 Deutsche Meisterschaften (DM): 1. Boden, 1. Sprung, 1. Barren. 1996 Olympische Spiele: 1. Mannschaft.

1997 DM: 1. Mehrkampf.

1998 DM: 1. Boden und 1. Sprung, EM: 3. Platz mit dem Deutschen Nationalteam

1999 DM: 1. Boden, 1. Sprung.

2000 Weltcup-Glasgow: 4. Ringe - Achillessehnenriss im Frühjahr, daher keine Teilnahme an Olympia-Qualifikation möglich.

2001 WM-Qualifikation: 4. Mehrkampf, DM: 2. Mehrkampf, 1. Barren, 2. Reck. ros

 
 

 

       21.05.05

Spiridonov: Vier Medaillen und ein Ticket
 

Quelle: 20 CENT, 21.05.05

BERLIN. Eugen Spiridonov hat es geschafft. Der Turner vom TV Bous ist endgültig in der deutschen Spitze angekommen. Bei der DM in Berlin gewann er einmal Silber und dreimal Bronze.

Was für eine Genugtuung für Spiridonov: Vor einem Jahr hatte er die Qualifikation für die Olympischen Spiele hauchdünn verpasst. Jetzt sicherte er sich mit einem starken Auftritt bei den deutschen Meisterschaften das Ticket für die EM vom 2. bis 5. Juni in Debrecen (Ungarn).

Paul Rupp (58), Vizepräsident des saarländischen Turnerbundes: "Eugen war unheimlich gut. Er hat während des gesamten Wettkampfes kaum einen Fehler gemacht. Einmal Silber und dreimal Bronze sind mehr, als wir erwarten konnten." Bereits im Mehrkampf-Finale hatte der Saarländer groß aufgetrumpft. Am Pauschenpferd erzielte er die beste Wertung aller Turner. Am Ende wurde Eugen hinter dem deutschen Top-Turner Fabian Hambüchen und Christian Berczes Dritter.

Seinen besten Auftritt hatte Eugen am Pauschenpferd - wo er Silber holte. Am Barren und beim Sprung wurde er jeweils Dritter, an den Ringen Vierte, am Reck Fünfter. Rupp: "Es war ein eindrucksvoller Wettkampf von Eugen. Er ist jetzt absolut in der deutschen Spitze angekommen. Und er hat noch viel Potential. Ich denke, das gibt ihm einen richtigen Schub." Rupp zu Spiridonovs EM-Chancen: "Man darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Aber mit etwas Glück ist ein Final-Einzug drin. Eugen ist überall stark. Aber es fehlt ihm noch das eine große Highlight, das eine ganz herausragende Gerät." Spiridonov stammt aus Tscheljabinsk (Russland). 2001 kam er mit seiner Familie als Spätaussiedler nach Bous, turnt seitdem für Bundesligist TG Saar. wip

 
 

 

       23.04.05

Spiridonov bester Deutscher!
 

Quelle: DPA, 23.04.05

 

Die deutschen Turner haben einen Länderkampf gegen die Schweiz mit 214,3:210,2 Punkten erfolgreich gestaltet. Bei dem Test-Wettkampf für die Europameisterschaften vom 2. bis 5. Juni im ungarischen Debrecen erwies sich Fabian Hambüchen (Wetzlar) am Reck sowie am Sprung mit jeweils 9,45 als der herausragende Turner in der deutschen Riege. Für seine komplett umgestellte Boden-Übung erhielt der 17-jährige Gymnasiast mit 9,40 gleichfalls eine sehr gute Benotung.

Im Sechskampf, den Hambüchen außer Konkurrenz turnte, siegte der Schweizer Claudio Capelli mit 52,90 Zählern vor Eugen Spiridonow (TG Saar/52,25 Punkte). Hambüchen, dessen Wertungen an den Ringen (7,95) und am Seitpferd (7,45) nicht in die Länderkampfwertung eingingen, kam trotz dieser zwei Schwachpunkte auf die gleiche Sechskampf-Note wie Capelli.

Seinen ersten Wettkampf des Jahres bestritt der an der Hüfte operierte Thomas Andergassen (Stuttgart), der am Seitpferd mit 9,35 Punkten durchaus schon wieder zu überzeugen wusste und sich nun berechtigte Hoffnungen auf einen EM-Start machen darf. Der Hallenser Matthias Fahrig fehlte wegen Rückenproblemen, hat die EM-Teilnahme aber noch nicht abgeschrieben.

Erzingen/Schweiz (dpa)

 
 

 

       22.03.05

Eichorn im Mittelpunkt
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.03.05

Nicht nur Welt- und Europameister, auch zahlreiche international und national erfolgreiche Sportler aus Dillinger Vereinen wurden in der Dillinger Stadthalle geehrt. Zum 21. Mal fand der Sportlerball statt.

VON SZ-MITARBEITER
DIETER STEFFENS

Dillingen. Sportlerinnen und Sportler aus Dillinger Vereinen standen im Mittelpunkt des traditionellen Sportlerballes. Der Stadtverband für Sport (SfS) und die Stadt Dillingen hatten gemeinsam zu der 21. Auflage der Ehrung eingeladen. SfS-Präsident Dittmar Wächter nannte die Zahl von 119 zu ehrenden Sportlern beeindruckend: "Ich danke allen, dass sie den Namen der Sportstadt Dillingen, teilweise sogar weltweit, würdig vertreten haben.“ Bürgermeister Franz-Josef Berg bekannte sich zur Sportförderung in Dillingen: "Es ist toll, dass wir auch Spitzensportler in Dillingen haben, aber genau so wichtig ist es, den Breitensport zu fördern.

 

Das tun wir.“ Unter den Sportlern war einer, der es fast zu den olympischen Spielen nach Athen geschafft hätte: Waldemar Eichorn. Der 18-Jährige zählt mittlerweile zu den besten deutschen Turnern. Bei der Europameisterschaft der Junioren belegte er den dritten Platz am Reck und mit der Nationalmannschaft wurde er zweiter im Sechskampf. Eichorn zur verpassten Olympia-Chance: „Bei der Qualifikation war ich nervös und habe Fehler gemacht. Eigentlich war ich sehr gut vorbereitet.“ Eichorn trainiert sechsmal wöchentlich bei Victor Schweitzer am Olympia-Stützpunkt Saarbrücken. Er turnt in der Mannschaft zusammen mit "Turnprofessor“ Fabian Hambüchen. "Wir sind Freunde. Wir trainieren oft zusammen und wollen beide 2008 in Peking nicht nur dabei, sondern auch erfolgreich sein“, hofft Eichorn. Auf den schweren Unfall des deutschen Spitzenturners Rony Ziesmer angesprochen, der nach einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt ist, meint Eichorn: "Das war schlimm, aber das kann überall passieren. Man muss trotzdem weiter machen.“ Der in Kasachstan geborene Eichorn kam 1996 nach Deutschland. Zum Turnen kam er durch den ehemaligen Lebacher Spitzenturner Benno Grohs. Auch Serej Charkow, in Dillingen lebender Olympiasieger, fördert ihn.
 

Hintergrund:

Für internationale Erfolge wurden
neben Waldemar Eichorn
folgende Sportler geehrt: Leo
Lauer, Weltmeister der Alterklasse
45 im 20-Kampf der Leichtathleten.
Bei den Fechtern Carmen
Deutscher für Platz zwei bei
den südamerikanischen Meisterschaften,
Dr. Hans-Wilhelm
Deutscher, fünfter Platz, Christian
Weth, Europameister und
Christiane Weisgerber Platz acht
bei den EM der Medizinberufe.
Lutz Schramm wurde Vize-Weltmeister
im Saal-Modellflug und
Bastian Neusius Weltmeister im
Bogenschießen mit dem Fita-Bogen.
fen

 
 

 

       23.10.2004

Nur vielleicht hänge ich noch eine Saison drann
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 23.10.04

Marco Schwarz sagt beim 100-jährigen Jubiläum des Turnvereins Lebach zu 99 Prozent leise Servus - TG Saar gegen Cottbus

von sz-mitarbeiter florian lösch

100 Jahre Turnverein Lebach. Anlässlich dieses Jubiläums turnt Kunstturn-Bundesligist TG Saar am Samstag um 17 Uhr in der Großsporthalle der Theelstadt. Es verspricht ein Festtag zu werden. Der SC Cottbus als Gegner, immerhin aktueller deutscher Meister, wertet das Spektakel auf.

Bous. Es könnte am Samstag auch eine Abschiedsfeier werden. "Zu 99 Prozent wird dies meine letzte Saison als aktiver Turner sein", sagt Marco Schwarz. Der Wettkampf am Samstag ist der letzte Heimkampf der Turngemeinschaft in dieser Runde, es wäre also Schwarz' letzter Auftritt vor heimischer Kulisse. "Das wird schon etwas Besonderes, doch am wichtigsten ist, dass wir einen guten Wettkampf hinlegen", sagt der 31-jährige Bouser. Wie schon vor zwei Jahren: Eigentlich hatte Marco Schwarz seine sportliche Laufbahn beendet. "Ich fühlte mich schon zu alt für das Turnen", erklärt er, doch die Verantwortlichen der TG konnten ihn umstimmen. Schwarz stieg mit der ersten Mannschaft in die Erste Liga auf, turnte letzte Saison in der zweiten Mannschaft, nun ist er wieder ein Teil von Deutschlands Elite-Liga. "Vor drei, vier Jahren hätte ich niemals daran gedacht, irgendwann wieder in der Bundesliga zu turnen." Und dort kennt sich der 31-Jährige prima aus. Von 1989 bis 1995 ging er für die Turner von Eintracht Frankfurt an die Ringe, zum Sprung oder flog über den Boden. Seit 1995 ist er wieder zurück in Bous und bei seinem Heimatverein TV Griesborn, einem Mitgliedsverein der Turngemeinschaft.
Beim TV Griesborn begann Schwarz auch das Turnen. "Ich wurde in der Jugend vier Mal deutscher Meister", zählt Schwarz auf und ergänzt: "Und noch ein paar Mal Saarlandmeister." Außerdem war er Mitglied in der Junioren-Nationalmannschaft und stand kurz vor der Berufung in die Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Übungen werden schwerer
"Eine komplizierte Kreuz-Verletzung machte mir aber damals einen Strich durch die Rechnung." So kehrte er zurück an die Saar. Wird es in Lebach definitiv sein letzter Heimkampf? Schwarz: "Nur vielleicht hänge ich noch eine Saison dran", sagt der Bouser und erklärt: "Nach jeden Olympischen Spielen gibt es neue Wertungscodes. Je nach Veränderung werden die Übungen schwieriger. Und so eine Umstellung möchte ich mir nicht mehr antun. Wenn das nächste Saison schon eingeführt wird, höre ich auf."Aufhören musste auch Sergej Charkov, aber eher unfreiwillig. Der Mannschaftskapitän der TG zog sich letzte Woche in Stuttgart einen Kreuzband- und Meniskusabriss zu, er wird längere Zeit außer Gefecht sein. So auch Ronny Ziesmer. Der Cottbuser verletzte sich vor Olympia so schwer, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist. Für die Rehabilitation des jungen Sportlers wird zurzeit eine bundesweite Benefizaktion durchgeführt, an der sich auch die TG Saar mit einer Spendenaktion beteiligen wird. Trotz der beiden Ausfälle verspricht der Wettkampf spannend zu werden - wegen des Jubiläums und wegen Marco Schwarz.

 
 

 

       22.10.2004

Stelldichein der TurneliteBenno Groß, ein "Kind" des TVL
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 22.10.04

Die TG Saar empfängt zum vierten Spieltag der Kunstturn-Bundesliga am Samstag, 23. Oktober, um 17 Uhr den SC Cottbus Turnen. Mit Cottbus stellt sich der amtierende deutsche Meister an der Theel vor.

Lebach. Bevor sich der TVL vor Weihnachten traditionell noch einmal vorstellt und damit das Jahr des 100-jährigen Bestehens schließt, steigt in der Großsporthalle Lebach eine sportliche Großveranstaltung. Die TG Saar empfängt zum vierten Spieltag der Kunstturn-Bundesliga am Samstag, 23. Oktober, um 17 Uhr den SC Cottbus Turnen. Mit Cottbus stellt sich der amtierende deutsche Meister an der Theel vor. Heimstätte der TG Saar ist Dillingen - doch besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen. Der besondere Anlass ist der hundertste Geburtstag des TV Lebach, der 1974 gemeinsam mit dem TV Bous, TV Griesborn und dem TV Schwarzenholz (später der TV Dillingen und Limbach) die TG Saar aus der Taufe gehoben hat. Damals schon am Ruder des TVL war Wolfgang Maas, heute immer noch erster Vorsitzender in Lebachs größtem sporttreibenden Verein. Der Zweck dieser Vereinigung war, die besten Kunstturner aus diesen Vereinen zu einer starken Mannschaft zusammen zu schließen. Ziel: der Aufstieg in die Kunstturn-Bundesliga. Die Erfolge haben dieses Vorhaben bestätigt.
Bereits im ersten Jahr konnte sich die TG Saar für den Aufstiegskampf in Augsburg qualifizieren, verpasste jedoch mit dem knappsten Punktrückstand von nur fünf Hundertstel den angestrebten Aufstieg. Im Jahre 1975 war es dann so weit. Vor heimischem Publikum in der Südwesthalle in Bous belegte die TGS den zweiten Platz und hatte sich somit für die Bundesliga qualifiziert. Seitdem gehörte die TG Saar zu den führenden Kunstturn-Mannschaften im Deutschen Turnerbund (DTB). 1977 wurde der Endkampf erreicht und der vierte Platz belegt. 1980 wurde die TG Saar in Heilbronn Deutscher Vizemeister. Am 4. April 1981 stellte sich dann der ganz große Erfolg ein: In der Sporthalle in Völklingen siegte die Mannschaft der TG Saar vor mehr als 3000 Zuschauern und wurde zum ersten Mal Deutscher Mannschaftsmeister.
 


Höhen und Tiefen
Dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege war, bewies die Mannschaft am 3. April 1982 in der Münchener Rudi-Sedlmeyer-Halle mit der erfolgreichen Titelverteidigung. 1990 kam ein Bruch in den Aufwärtstrend. Mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenschluss des deutschen und des DDR-Verbandes konnte das Saarland nicht mehr mithalten. Die Folge: Die TG Saar stieg in die Zweite Bundesliga ab und scheiterte in den Folgejahren oft knapp am Aufstieg. 1994 wurde Olympiasieger Sergej Charkov verpflichtet, der seit Mai 1997 einen deutschen Pass hat. Heute ist die TG Saar wieder erstklassig, belegt nach zwei Siegen gegen den FC Bayern sowie Urberach und der Niederlage am vergangenen Samstag in Stuttgart den dritten Tabellenplatz. Titelträger Cottbus bleibt hinter den Erwartungen zurück: Nur Sechster nach drei Wettkämpfen. Der Star im Team der TG Saar ist immer noch Sergej Charkov, der sich aber in Stuttgart verletzte. Die Diagnose: Kreuzband und Meniskusabriss. Saison beendet. Im Aufgebot sind aber Waldemar Eichorn, Sascha Palgen, Eugen Spiridonov, Markus Schwarz und Jerome Michels. Bei Cottbus fehlt Leistungsträger Ronny Ziesmer, der seit seinem Trainingsunfall vor Olympia querschnittsgelähmt ist. Für den TV Lebach wird der Samstag nach zahlreichen Turn-Events ein Tag der besonderen Art.Niedersaubach. Turnen und Lebach, TG Saar und die Kunstturn-Bundesliga - eng verbunden ist damit der Name Benno Groß. Der 47-Jährige ist ein Kind des TV Lebach, ist ein Kind der TG Saar, ist ein Kind der deutschen Bundesliga. "Das könnte man so sagen", grinst der Polizeimeister, "ich bin ja in der TG Saar groß geworden." Benno Groß, der heute in Niedersaubach mit seiner Familie wohnt, war schon 1974 bei der Gründung der TG Saar dabei, hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. Gerne erinnert er sich an den Aufstieg 1976 in die Eliteliga. "Es gab immer mal spannende Wettkämpfe", schwelgt er in Erinnerungen und erzählt von einem Wettkampf Mitte der 80er: "Wir hatten auf dem Weg nach Leverkusen eine Panne mit dem Bus und deshalb nur zehn Minuten Einturnzeit. Trotzdem haben wir gewonnen."

30 Jahre Erfolg in der TG
1993 beendete er seine aktive Karriere, aber es ging weiter: 1974 bis 2004 - 30 Jahre hat die TG Saar das Leben des Benno Groß begleitet und mitbestimmt. "Sie ist schwer wegzudenken", gibt der 47-Jährige offen zu, "wir haben ja zwischendurch unser Haus gebaut, aber ich habe immer versucht, den Kontakt zu halten." Wenn man so lange dabei sei, hänge das Herz daran.

"Wir machen auch Treffen ehemaliger TG Saar-Turner. Ich freue ich schon darauf im November", erklärt Groß, "1999 konnte ich nicht dabei sein, weil ich an dem Tag Stress am Bau hatte." Die Arbeiten am Haus wird er am Wochenende liegen lassen. Denn: Benno Groß ist noch immer aktiv bei der TG Saar, wenn auch nicht auf der Matte oder am Gerät. "Ich bin einmal die Woche im Training", erzählt der Olympiateilnehmer von 1984 in Los Angeles: "Ich helfe Trainer Victor Schweizer, mache mit und unterstütze die Jungs, wo es nur geht." thk

TG Saar
Letztes Heimspiel Kunstturnen-Bundesliga am Samstag, 23. Oktober, in der Großsporthalle Lebach, Dillinger Straße. Beginn ist um 17 Uhr, Hallenöffnung und Einturnen ab 16 Uhr. Trainer Victor Schweizer rechnet sich auch ohne Sergej Charkov eine Chance aus. thk

 
 

 

       10.10.2004

Charkov immer besser!
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 10.10.04

Tolle Show der TG Saar - 500 Zuschauer begeistert

Schlag auf Schlag, ohne Pause. Permanent fliegt ein Athlet am Reck oder über den Boden. Keine Sekunde Langweile. Beim ersten Doppelwettkampf von TG Saar I und TG Saar II kamen die Fans voll auf ihre Kosten: Wiederholung erwünscht.

Dillingen. Langsam bewegt sich Torsten Michels Richtung Pauschenpferd. Als die vier Kampfrichter grünes Licht geben, schwingt sich der 26-Jährige locker-leicht aufs Gerät, lässt die Beine kreisen, greift mit den Händen immer wieder um und springt nach rund 40 Sekunden wieder runter. Die gut 500 Zuschauer in der Kreissporthalle sind begeistert. Michels turnt für die TG Saar, am Samstag feierten er und die zweite Mannschaft der TG ihre Heimpremiere der neuen Zweitliga-Saison.
Doch dann macht sich Enttäuschung breit: Michels' Vorführung wird von den Kampfrichtern mit 6,8 benotet - zu wenig. Seit einem Jahr gibt es ein neues System im Kunstturnen: Nachdem der erste Turner seine Übung beendet hat, wird diese vom Kampfgericht sofort bewertet. Ein gegnerischer Athlet tritt direkt gegen ihn an. Gegen Michels turnte Alexander Donath vom Meisterschafts-Favoriten TuS Leopoldshöhe. Er erhält 7,65 Punkte, siegt im direkten Duell und erhält die Score-Punkte. Damit steht es nach dem ersten Duell 4:0 für Leopoldshöhe - und 12:3 nach dem Pauschenpferd. Es bahnte sich schon früh eine hohe Niederlage für die Gastgeber an.


Ganz anders die erste Mannschaft. Die tritt zur selben Zeit am selben Ort in ihrem ersten Heimwettkampf gegen Urberach an. In der ersten Liga. Eine absolute Rarität im deutschen Turnsport, denn die TG Saar ist der einzige Verein Deutschlands, der zwei Bundesliga-Teams hat. Normal turnt die TG Saar II in Homburg-Erbach, die TG Saar I in Dillingen. Doch der Einfachheit halber legte man beide Wettkämpfe zusammen in die Kreissporthalle. Nachdem also Torsten Michels vom Pauschenpferd steigt, springt Sergej Charkov im Dress der TG Saar I über den Boden - und holt drei Score-Punkte für die Saarländer. Dank der Zusammenlegung des Erst- und Zweitliga-Kampfes kommen die Zuschauer auf ihre Kosten: Es geht munter weiter, pausenlos. Schlag auf Schlag fliegt ein Athlet am Reck oder über den Boden. Keine Sekunde Langweile.

Rasmus Zschunke, selbst Turner beim TV Dillingen, führt als Moderator durch das Spektakel. "Achten Sie auf seine Schwalben", sagt er, als Thomas Cornelius aus Urberach an die Ringe geht. Und tatsächlich: Der ehemalige deutsche Meister zeigt ein Demonstration an Kraft und Körperbeherrschung. Dem steht sein Team-Kamerad Thomas Greifenstein in nichts nach, seine sensationelle Vorführung am Pauschenpferd wird an diesem Abend nur noch von einem Mann überboten: Sergej Charkov. Der Ex-Olympiasieger scheint irgendwie noch ein bisschen besser zu sein als in den vergangenen Jahren. Sagenhaft, was der 33-Jährige am Reck fabriziert, die Halle brodelt nach seiner Flugshow. Überhaupt war dies das beste Gerät für die TG Saar I an diesem Abend. Wie schon im Vorjahr bezwingt die TG Saar I den MTV Urberach. 45:22 heißt es am Ende. Dennoch war Trainer Viktor Schweitzer nicht ganz zufrieden: "Wir müssen noch viel arbeiten. Es gibt noch viele kleine Fehler." Die TG Saar II verliert gegen Leopoldshöhe klar mit 9:73. Die wahren Gewinner waren aber die Zuschauer. Einhelliger Tenor zu diesem tollen Doppel-Wettkampf: "Wiederholung erwünscht." fl

 
 

 

       09.10.2004

Doppelwettkampf in der Kreissporthalle
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 08.10.04

Dillingen. Das Gelbe Trikot - das weiß jedes Kind - trägt der Führende der Tour de France. Seit vergangener Woche gibt es das begehrte Leibchen aber auch in der Kunstturn-Bundesliga. Eugen Spiridonov von der TG Saar war der Erste, der sich das Trikot des Punktbesten überstreifen durfte. Dank seiner 15 Score-Punkte gewann die TGS zum Saisonauftakt in München. Nur: In diesen Tagen haben es die saarländischen Kunstturner schwer, ihrer Bezeichnung "Turngemeinschaft" gerecht zu werden.
Eugen Spiridonov zum Beispiel kann derzeit nicht regelmäßig am Training an der Sportschule teilnehmen. Der 21-Jährige absolviert seine Grundwehrausbildung. Mitstreiter Sascha Palgen ist im Sommer nach Stuttgart gezogen, um dort sein Abitur zu machen. Auch Altmeister Sergej Charkov ist wegen beruflicher Verpflichtungen nur selten im geregelten Training, Waldemar Eichorn musste zudem zuletzt wegen einer Erkältung kürzer treten. Dennoch: Trainer Viktor Schweizer sieht dem Wettkampf am Samstag in Dillingen gegen den MTV Urberach optimistisch entgegen: "Urberach musste wegen der Ausländerregelung seinen starken Russen abgeben. Jetzt sind sie nicht mehr ganz so stark wie im Vorjahr."

Wen Schweizer neben dem bewährten Quartett als fünften Mann mit ins Aufgebot nehmen wird, ist noch unklar: Thorsten Michels oder Marco Schwarz. Einer der beiden turnt in der Ersten, der andere in der Zweiten Liga, auf jeden Fall am Samstag. Da wird nämliche Einmaliges in der Kreissporthalle geboten. Um 17 Uhr beginnt ein Doppel-Wettkampf. TG Saar I gegen Urberach und TG Saar II gegen TuS Lepoldshöhe. Für die Zuschauer eine interessante Wettkampfvariante. Spannung pur ist garantiert. fl

 
 

 

       13.08.2004

Olympische Erinnerungen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 13.08.04

VON SZ-MITARBEITER WILFRIED BURR

Er ist viel in der Welt rumgekommen. Vom Erlebniswert führt Olympia 1984 in Los Angeles seine persönliche Rangliste an. Doch Benno Grohs aus Lebach konnte in Kalifornien auch sportliche Taten mit Stolz vorzeigen: Einzug ins Seitpferd-Finale, mit dem deutschen Team Vierter. Momentaufnahmen aus der Westwood-Sporthalle in L.A. von 1984.

 

Lebach/Los Angeles. Benno Grohs war auch in dieser abendlichen Stunde ein zufriedener Mensch. Während die Amerikaner ausgelassen den Gewinn der Goldmedaille ihrer Kunstturn-Mannschaft minutenlang frenetisch bejubelten, gab sich auch Benno Grohs, 26, strahlend wie ein Sieger: "Diese olympischen Spiele sind für mich ein einmaliges und herrliches Erlebnis. Es hat sich gelohnt, dafür 16 Jahre zu trainieren!"

Dabeisein ist alles
Der Athlet des TV Lebach und der TG Saar hatte mit der deutschen Mannschaft Platz vier erreicht und sich selbst für das Olympia-Finale am Seitpferd qualifiziert. Dass der Erfolg leicht noch eine Stufe hätte höher ausfallen können - darüber zerbrach er sich hinterher nicht den Kopf. Das olympische Motto, nach dem Dabeisein alles ist, dominierte sein ruhiges und sachliches Wesen. Der Patzer war am Barren passiert, dem zweiten Gerät im Mannschaftsfinale. Der Lebacher hatte bis dahin gut gepunktet, setzte aber seinen Abgang zu hoch an. "Dadurch kam ich mit den Fersen auf und hatte keinen Stand", begründete der Turner sein kurzes "Hinsetzen". Wäre dieses Malheur nicht passiert, hätte er auch im Barren-Einzel mitmachen dürfen. Am Seitpferd, seiner besten Disziplin, war Benno Grohs nach sehr guten 9,75 Punkten in der Pflicht und 9,80 im Endkampf die Qualifikation aber nicht streitig zu machen.

Für den Barren-Patzer gab es keinen Vorwurf an die Adresse des sympathischen Lebachers. "Das war sein einziger Fehler im ganzen Turnier", streute Uli Ott, der Assistent von Philipp Fürst, verbalen Lorbeer auf das Haupt des Saarländers. Auch der Bundestrainer selbst vermied jeden Ton der Kritik, wenngleich er leise anklingen ließ, "dass für den Benno am Barren vielleicht sogar eine Medaille möglich gewesen wäre". Solche Höhenflüge freilich vollzog der Saarländer auch in der Diskussion nicht mit: "Hauptsache, in einem Einzelfinale dabei. Das ist für mich hier das Höchste!" Die Grohs-Noten im Mannschafts-Endkampf: Pferdsprung 9,70; Barren 9,40; Reck 9,75; Boden 9,80; Seitpferd 9,80; Ringe 9,65. Die deutsche Final-Rangliste: Winkler 58,45 Punkte; Geiger 58,40; Japtok 58,35; Grohs 58,10; Rohrwick 57, 85; Simmelbauer 57,55. Zusammen waren das 291,80 Punkte für Germany.

Der Lebacher, der zuvor schon mehrere Wettkämpfe in den Vereinigten Staaten bestritten hatte, schwärmte vom Olympia-Turnier: "Ein solch phantastisches Publikum habe ich noch nie beim Turnen erlebt." Kommt man sich nicht einsam und verlassen vor, wenn der prasselnde Beifall nur für andere bestimmt ist? Grohs: "Wenn man völlig auf den Wettkampf konzentriert und fixiert ist, nimmt man das Publikum kaum zur Kenntnis."


Ganz andere Schlagstöcke
Der Saarländer bezog vor genau 20 Jahren in L.A. sein Olympia-Glück nicht nur aus dem eigenen Wettkampf-Erleben. Der Einmarsch ins Stadion zur Eröffnungsfeier mit der deutschen Mannschaft war für ihn ein Erlebnis der Extraklasse. Die lockere Lebensart der Amerikaner habe ihn schon immer sehr beeindruckt. "Und hier bei Olympia sind die Leute sowieso alle so nett", hatte Benno Grohs registriert - und sich über "die herzliche Atmosphäre im olympischen Dorf" gefreut. Dass dort aus Sicherheitsgründen viel Polizei präsent war, störte den Polizeimeister nicht. "Im Gegenteil, deshalb fühlte ich mich wohl und sicher". Benno gab sich der US-Police als deutscher Kollege zu erkennen. Sie luden ihn spontan zu einem Besuch ins L.A.-Polizeipräsidium ein und schenkten ihm einen amerikanischen Schlagstock als Souvenir. "Der ist ganz anders als unsere", staunte der Saarländer

 
   

 

       12.08.2004

Nalbacher Muskeltiere
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 12.08.04

Nein, anfangs sah es gar nicht gut aus. Beim Finale von "Deutschland-Champions", dem Nachfolger der legendären Fernsehshow Spiel ohne Grenzen, lagen die Saarländer lange ganz weit hinten. Doch dann rollten sie an der gefürchteten Champions-Wall, dem letzten Spiel, das Feld gewaltig von hinten auf. Dank zweier Nalbacher und eines Bousers.
Piesbach. Nicht dass die Kunstturner der Bundesliga-Mannschaft TG Saar Erfolg nicht gewohnt wären. Aber das ist doch neu: Eine große Siegesparty im Keller von Fußball-Europameister Stefan Kuntz, eine Flasche Sekt am frühen Morgen vor der Haustür von einem Nachbarn, ein Empfang bei Innenministerin Kramp-Karrenbauer, eine Autogrammstunde. Und und und. Für Thorsten und Jerome Michels aus Piesbach sowie für Michael Steinmetz aus Bous ist seit Samstag nichts mehr wie früher. Die drei aus dem Kreis Saarlouis haben gemeinsam mit Stefan Kuntz und vier weiteren Saarländern den großen Wurf gelandet und die ARD-Spiel-Show "Deutschland Champions" gewonnen. Und scheinbar hat es jeder Saar länder am Bildschirm verfolgt. "Super!" "Gut gemacht!" "Das war klasse!" Die Komplimente hörten bei der Autogrammstunde in Völklingen jedenfalls nicht mehr auf. Vor allem Jerome, 24, hatte viele Verehrer(innen): Als Supermann schwebte er durch die Lüfte und brachte Ballons in Rekordzeit zum Platzen - in der Vorrunde. Im Finale verhedderte sich die Ball-Hülle am Helm - und deckte die Stacheln ab: Pech. Nervös vor der Show? Nee, davon will auch Jeromes Bruder Thorsten, 26, nix wissen. Abgeklärt sagt er: "Wir waren nicht nervös, nur etwas angespannt. Ich wusste, wir holen den Titel." Mit diesem Satz öffneten die Brüder auch die Tür zur Show. Im Casting des SR antworteten sie nämlich auf die Frage, warum gerade sie das Saarland vertreten wollen: "Weil wir den Titel wollen." Als typisch saarländisch gaben sie "Bier und Schwenker" an. Klar, was denn sonst?
Nachdem sie in der Vorrunde von Anfang bis Schluss geführt hatten, rollten die Saarländer im Finale das Feld von hinten auf. Lange lag das Saarland zurück, doch an der kräftezehrenden Champions Wall - einer Wand, an der man sich Stangen hochhangeln muss - flogen die Saarländer nur so an der Konkurrenz vorbei. In neuer absoluter Rekordzeit. Kein Wunder. Schließlich turnen Jerome, Thorsten und Michael für die TG Saar in der ersten Kunstturn-Bundesliga. "Aber das hier war ganz was anderes", erzählt Thorsten. Allein schon wegen der Atmosphäre: "Die Arena war ausgebucht und als wir die Championswand runter sind, haben wir nur noch geschrieen und gejubelt. Wir hatten ja noch 50 Fans mobil gemacht und mitgenommen." Im Freizeitpark Rust wurde die Show aufgezeichnet. "Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben", sagt Jerome Michels, "wusste ich nach zehn Minuten: Mit dem Team können wir etwas reißen." Die Stimmung sei von Beginn an hervorragend gewesen, was nicht zuletzt an den lustigen Gebrüder Kuntz hängt. Der ehemalige Fußball-Profi Stefan und sein Bruder Michael sorgten für Stimmung. "Stefan hat sich direkt ins Team integriert", sagt Jerome. Keine Spur von Star-Allüren. "Das war total cool", freut sich Thorsten. "Früher habe ich ihn ja im Fernsehen gesehen..." Bei all dem Rummel um das Saarland-Team, das das Aufsteigerland Saarland zum fittesten Bundesland der Republik gemacht hat, werden sie aber nicht abheben. "Fühlst Du Dich als Star?", wurde Thorsten von einem Fan gefragt. Etwas verdutzt hat er drein geschaut. Und gesagt: "Nee. Schön ist aber, dass unsere Leistung jetzt belohnt wird, die wir das ganze Jahr beim Turnen bringen." Ohne Fernsehkameras. Mittlerweile ist der Alltag längst wieder eingekehrt. Jerome studiert Sport und Metalltechnik auf Lehramt an der Uni Saarbrücken, Thorsten schreibt seine Diplom-Arbeit. Das Thema: Prototypenaufbau und -entwicklung eines Sensors, der die Dichte und Viskosität von Öl misst.

 
   

 

       27.07.2004

Charkov: "Ich bin ein Pähter"
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 27.07.04

Der ehemalige Turn-Olympiasieger erhielt bei der Kirmes den Ausscheller-Preis

Sergej Charkov von der TG Saar, ehemaliger Olympiasieger und Weltmeister im Turnen, erhielt bei der Pachtener Kirmes im Gasthaus "Zum Oskar" den Ausscheller-Preis. Charkov ist Pachtener Bürger und soll den Namen des Dillinger Stadtteils noch bekannter machen.
Pachten. Sergej Charkov hat alles im Sport erreicht. Zweimal wurde er mit der russischen Turnerriege Olympiasieger, am Reck war er Einzelweltmeister und sieben Mal Deutscher Meister im Sechskampf. "Jetzt hat er das Höchste erreicht, was ein Mensch erreichen kann. Er ist ein Pähter geworden." Reiner Klaß, Vorsitzender des Pachtener Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) lobte, in Anwesenheit von Bürgermeister Franz-Josef Berg und zahlreichen Gästen, Charkov für seine "weise Entscheidung", in Pachten zu wohnen. "Und weil er ein Gewinn für Pachten ist - wo im Saarland gibt es noch einen zweifachen Goldmedaillengewinner - wird er geehrt."
Charkov erhielt bei der Pachtener Kirmes den Ausschellerpreis. Erst zweimal wurde der Preis vergeben. Erster Preisträger war der saarländische Ministerpräsident Peter Müller. Die Wahl in diesem Jahr fiel auf Charkov, weil er eine große Bereicherung für den Ort darstelle. "Zwar hat Charkov, im Gegensatz zu Politikern, nicht die direkte Verbindung zu einem Ausscheller, weil er mehr ein Mann der sportlichen Tat ist und nicht, wie viele Politiker, täglich die Schness schwart", betonte Klaß. Sergej Charkov trete jetzt als Pachtener auf und werbe so für seinen Ort.

Der Ausscheller, eine silberfarbige Figur, geschaffen von dem Pachtener Siegfried Schmitz, erinnert an die Zeit, in der ein Gemeindebediensteter mit der Schelle durch das Dorf ging und die neuesten Bekanntmachungen verkündete. "In Pachten war das noch bis in die 50-er Jahre der Fall", erinnert Klaß. Charkov, 33 Jahre alt und seit 1997 deutscher Staatsbürger, wohnt seit zehn Jahren in Dillingen. Nach Pachten, in die Margaretenstraße, zog er vor eineinhalb Jahren.

"Ich fühle mich in Pachten sehr wohl. Ich bin hier wirklich zu Hause. Ich han aach nette Nobarn", lobte er auf Pähter Platt. "Dass ich diesen Preis bekomme, ist eine große Ehre", dankte der Turner im vollbesetzten Gasthaus "Zum Oskar". Der Musikverein Dillingen-Pachten und die Sängervereinigung Concordia Pachten trugen mit schmissigen Lied- und Musikdarbietungen zum festlichen Rahmen der Preisverleihung bei. Charkov versprach, dass er noch weiter als Turner in der Bundesliga aktiv bleibe. "Ich werde überall betonen, dass ich ein Pähter bin." fen

Hintergrund
Unwetter an der Pachtener Kirmes 1895. Die Erinnerungen an das damalige Unwetter sind aus vielen Erzählungen lebendig. Am 28. Juli 1895, brach ein Inferno aus. Dächer wurden abgedeckt, Fenster zertrümmert. Sogar der Turm der Pfarrkirche stürzte ein. Pastor Georg Weis schrieb am 21. Juli 1895 nach Trier. Er schätzte die Schäden an der Kirche auf 12000 Mark. Weis: "Ob der Schaden durch Blitz verursacht wurde, lässt sich nicht bestimmen. Die Beobachtungen sind so undeutlich, dass ich befürchten muss, dass die Feuerversicherung equivalente Entschädigungen nicht leisten wird. Ich erlaube mir daher die dringende Bitte, die früher angesagte Kirchenkollekte, wenn möglich, noch für diesen Sommer gütigst genehmigen zu wollen." Noch heute schauen ältere Pachtener ängstlich zum Himmel, wenn an der Nothelfer-Kirmes ein Gewitter vom Niedtal her aufzieht. fen

 
   

 

       24.03.2004

Mit neuem Trainerteam nach Athen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 23.04.04

Saarbrücken. Sichtlich gerührt war Waldemar Eichorn, als er einen Blumenstrauß von Kurt Bohr, Präsident des Saarländischen Turnerbundes, überreicht bekam. Die Ehrung an der Saarbrücker Sportschule hatte sich der 17-jährige Kunstturner redlich verdient. Schließlich brachte er von den Junioren-Europameisterschaften im slowenischen Ljubljana zwei Medaillen mit. Silber im Mannschafts-Mehrkampf und Einzel-Bronze am Reck. Nun bereitet sich der Kunstturner vom TV Dillingen, der in der Bundesliga für die TG Saar an den Start geht, auf die Olympischen Spiele vor.

"Olympia ist das größte Ziel eines Sportlers", sagt Waldemar. Und um dieses zu erreichen wird in den kommenden Wochen kräftig trainiert. Nicht nur, wie gewohnt, mit Trainer Viktor Schweitzer, sondern seit Neuestem auch mit Dagmar Grecksch und Wladimir Sokolov. Die gebürtige Leipzigerin Grecksch trainierte zehn Jahre lange am Kunstturnzentrum Oppau. Da dies geschlossen werden musste, zog sie vor drei Wochen an die Saar und ist begeistert: "Solche Trainingsbedingungen wie hier habe ich noch nirgends vorgefunden." Auch Sokolov ist angetan von den Gegebenheiten am Olympiastützpunkt in Saarbrücken: "Hier können sich die Jungs perfekt vorbereiten." Vor allem sein "Spezi" Eugen Spiridonov.

Der 21-Jährige hatte die Qualifikation zur EM zwar geschafft, wurde aber aus mannschafts-taktischen Gründen zu Hause gelassen. Aufgrund seiner Enttäuschung über die Nichtnominierung ist Sokolov genau der Richtige für Eugens Aufbau-Training. Bis Ende Juni wird der Russe neben Viktor Schweitzer und Dagmar Grecksch die Jungs unterstützen.

Am 23. Mai in Heilbronn und am 7. Juni in Chemnitz stehen für Eichorn und Spiridonov die beiden Ausscheidungswettkämpfe für Olympia an. Die besten sieben von zehn Turnern dürfen mit nach Athen. "Wir werden alles dafür geben", zeigen sich die Jungs kämpferisch. Und für Waldemar würde alles passen: er feiert am 7. Juni seinen 18. Geburtstag.

 
   

 

       03.03.2004

TG Saar kämpft um Sascha Palgen
 

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 03.03.04

Neue Ausländerregel im Kunstturnen würde das Engagement des luxemburgischen Meisters unmöglich machen

Die TG Saar hat ein junges Team mit großer Perspektive zusammen. Der luxemburgische Meister Sascha Palgen gehört dazu. Doch die Deutsche Turn-Liga hat jetzt eine Ausländerbeschränkung beschlossen.

Saarbrücken. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Sportverband versucht, die Ausländerzahl seiner Vereine stark einzuschränken. "Damit der eigene Nachwuchs eine Chance bekommt", so die allgemeine Begründung. So auch im Falle der Deutschen Turn-Liga (DTL). Auf Bitten des Deutschen Turner-Bundes (DTB) hat die Liga beschlossen, künftig die Anzahl der Ausländer von der ersten Kunstturn-Bundesliga bis in die Regionalliga stark zu minimieren. Demnach dürfen nur ausländische Turner in der DTL starten, die mindestens ein Jahr ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben und mindestens ein halbes Jahr ständig im angemeldeten Wohnsitz leben. Eine Unterscheidung zwischen EU- und Nicht-EU-Ausländern werde es dabei nicht geben, so der Beschluss.

Doch dieser Beschluss lässt einige Streitpunkte offen, ein Rechtsstreit zwischen der Liga und den Vereinen ist programmiert. Auch die Bundesliga-Mannschaft der Turngemeinschaft Saar ist direkt von der neuen Regelung betroffen. Mit dem luxemburgischen Abonnement-Meister Sascha Palgen in ihren Reihen ist die TG Saar in der vergangenen Saison gut gefahren. Doch da der 19-Jährige nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg wohnt, ist für ihn die Teilnahme an den Wettkämpfen für die Saarländer erstmal auf Eis gelegt. "Es ist noch einiges im Unklaren", erklärt Paul Rupp, der Manager der Turngemeinschaft. "Viele Vereine werden sich damit nicht zufrieden geben", sagt Rupp und fügt an: "Auch wir im Saarland nicht." Mit dem 19-jährigen Luxemburger hatte der Verein die Ideallösung für den ausländischen Starterplatz gefunden: "Er passt einfach menschlich wie sportlich perfekt in unsere Truppe. Er ist hier voll akzeptiert, und mit diesem Team könnte man längerfristig planen", beschreibt der TG-Saar-Manager. Das Quartett, bestehend aus Eugen Spiridonov, Waldemar Eichorn, Sergej Charkov und eben Sascha Palgen, droht auseinander zu brechen.

Palgen selbst glaubt auch noch nicht an eine endgültige Entscheidung des Verbandes. "Mal abwarten, wie sich das noch entwickelt", sagt der luxemburgische Meister, "die Saison beginnt ja erst im Oktober." Bis dahin bleibt also noch viel Zeit zum Diskutieren und Streiten. Beispielsweise über die Unterscheidung zwischen EU- und Nicht-EU-Ausländer. Rupp dazu: "Unverständlich, auf der einen Seite soll Europa enger zusammenwachsen - und dann so was."

Tragisch wäre es für Palgen in der Tat. Denn: Er wohnt nur 20 Autominuten von seinem Trainingsort Dillingen entfernt. Im schlimmsten Fall müsste Palgen sich einen neuen Verein mit sportlicher Perspektive suchen, um sein Fernziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008, erreichen zu können - in Luxemburg würde er aber da nichts finden.

"Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen", sagt Rupp und ergänzt: "Wir versuchen alles, damit Sascha bei uns bleiben kann." Indes hat der aktuelle deutsche Meister SC Cottbus seinen Protest schon angekündigt. Weitere Vereine werden wohl demnächst nachziehen. "Bis endgültige Klarheit herrscht, wird noch eine Weile dauern", sagt Rupp, "erst dann können wir für die neue Saison planen."