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Dauser beweist es sich und seinen Fans

Nach seiner fehlerfreien Vorstellung am Barren klopft sich der Turner der TG Saar mit dem Zeigefinger an die Schläfe. Die Geste von Nationalturner Lukas Dauser ist ebenso kurz wie vielsagend. Als wolle er sich und den Zuschauern, die am Samstagabend in der Dillinger Kreissporthalle kurz den Atem angehalten hatten, sagen: „Seht her, ich kann es ja, alles nur Kopfsache“. Keine Spur von Unsicherheit bei seiner makellosen Vorstellung am Barren, bei der er sechs Tage zuvor bei der WM noch gepatzt hatte. Am Samstagabend sollte seine Übung den Weg zum deutlichen Heimsieg der TG Saar gegen den Bundesliga-Konkurrenten der Siegerländer KV (44:20) ebnen.

Die Erleichterung über seine starke Leistung war nicht nur bei allen Teammitgliedern der TG Saar zu spüren, die ihn alle abklatschten und herzlich drückten, sondern in der ganzen Halle. „Wir fühlen natürlich alle mit ihm mit. Wir wissen ja, dass er es kann“, sagte der Vorsitzende der TG Saar, Thorsten Michels, „wir haben uns einfach gefreut, dass er heute so eine Übung hingelegt hat“. Nach all den Verletzungen, seinem Kampf zurück ins Nationalteam kurz vor der Heim-WM in Stuttgart und eben seinem unglücklichen Abgang vom Barren am vergangenen Wochenende im WM-Finale. „Das war eine anstrengende WM“, sagte Dauser, „körperlich wie mental.“ So wurden die sechs Tage nach seinem WM-Patzer bis zum Wettkampf in der Deutschen Turnliga am Samstag für den 27-Jährigen zur Tortur. „Ich hatte das Ding ja quasi schon vor Augen. Das tut schon extrem weh. Aber so ist eben der Sport. Es muss schon vieles passen, dass man einen perfekten Tag trifft“, sagte er.

Nach seiner persönlichen WM-Erkenntnis, eine Übung nicht einfach „vorsichtig nach Hause bringen“ zu können, ohne bei jedem Element zu 100 Prozent da zu sein, war die Erleichterung auch bei ihm zu spüren – auch wenn eine sehr starke Übung in der DTL kein Trost für eine vertane WM-Chance ist. So versuche er eben, dennoch etwas Positives mitzunehmen, aufzustehen, weiterzumachen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Dabei spielte es für Dauser eine eher untergeordnete Rolle, dass die Gäste aus Siegen ohne ihre Barren-Spezialisten angereist waren und weder Weltmeister Joe Fraser noch Silbermedaillengewinner Ahmet Öndal in Dillingen antraten. Denn seine Übung war für sich selbst, sein Selbstvertrauen und natürlich auch für das Team. „Ich wollte die Mannschaft unterstützen und mir selbst zeigen, dass ich es kann“, sagte Dauser zufrieden.

Die Gäste aus Siegen hätten sich mit ihren WM-Helden möglicherweise mehr ausrechnen können. „Aber die TG Saar ist ein sehr starkes Team, gegen das man verlieren kann, ohne böse zu sein“, sagte Ralf Müller, Betreuer der Siegerländer KV, „es war ein schwieriger Wettkampf für uns. Wir hätten vielleicht das ein oder andere Gerät mehr für uns entscheiden können. Aber man hat gesehen, dass die WM die Athleten einen Haufen Körner gekostet hat.“ Auf beiden Seiten. Bei Philipp Herder von der Siegerländer KV ebenso wie bei den Turnern der TG Saar. „Der Körper baut nach so einem Höhepunkt automatisch Spannung ab“, sagte Thorsten Michels, „da ist es manchmal schwer, sich zu motivieren.“

Tatsächlich schlichen sich nicht nur bei Weltmeister Nikita Nagornyy die ein oder anderen Konzentrationsfehler in seinen Übungen ein. Doch für den dreifachen WM-Goldmedaillengewinner war es „sehr schwer, sich so schnell nach der WM wieder auf die Bundesliga zu fokussieren“, gab Nagornyy zu: „Zu wenig Training, zu viel Essen.“ Nach dem großen Saisonhöhepunkt der Turner in diesem Jahr ist der Russe jetzt vor allem erleichtert, dass er sich „nun nur noch auf die Bundesliga konzentrieren kann“.

Von Michael Aubert, Saarbrücker Zeitung, 21.10.2019